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01.07.1983 - 

Bis Ende dieses Jahres stehen die technischen Einrichtungen zur Verfügung:

Das 64-Kbit-Netz - ein Vorgeschmack auf ISDN

Für spezielle Anwendungen, wie zum Beispiel Rechner-Rechner-Kommunikation, schnelle Faksimile Übertragung, dezentralisiertes Drucken und dergleichen, ist bereits heute ein konkreter Bedarf an schneller Datenübertragung erkennbar, der mit den bestehenden Diensten nicht oder nur unzureichend abgedeckt werden kann und für den somit kaum Möglichkeiten bestehen, die Zeit bis zur Verfügbarkeit eines ISDN befriedigend zu überbrücken. Mit den 64 KBit/s-Modellnetzen wird die DBP diesen Bedarf an schneller Datenübertragung decken. Die technischen Einrichtungen stehen Ende 1983 zur Verfügung, so daß bereits vor der Einführung des ISDN 64KBit/s-Dienste angeboten werden können.

Mit dem Begriff Modellnetz 64 KBit/s soll dokumentiert werden, daß mit diesem Netz nicht nur ein flächendeckender 64 KBit/s-Dienst angeboten wird, sondern daß in Anlehnung an das ISDN-Konzept auch Erfahrungen über Diensteigenschaften, Schnittstellen, Netzübergänge sowie System- und Endgerätefunktionen gesammelt werden sollen. Außerdem dient das Modellnetz der Erprobung von neuen Leistungsmerkmalen, wie beispielsweise der simultanen Übertragung von Nachrichten über mehrere Kanäle eines Hauptanschlusses.

Für die Grundausstattung werden dem Teilnehmer ein Basiskanal und ein Steuer-/Datenkanal zur Verfügung gestellt. Die Übertragungsgeschwindigkeit des Basiskanals beträgt 64 KBit/s, die des Steuer-/Datenkanals 2,4 KBit/s. Der bitfolgeunabhängige Basiskanal eignet sich zur Übertragung von Daten, Text und Sprache. Als Steuer-/Datenkanal wird ein 2,4 KBit/s-Kanal bestehender Technik verwendet. Er übernimmt die Verbindungs- und Überwachungsfunktionen für den Basiskanal, daneben kann er, während der Verbindung, zur Übertragung von Text und Daten benutzt werden. Mit entsprechenden Zusatzmoduln können dem Anwender bis zu vier 64 KBit/s-Kanäle angeboten werden.

Das Systemkonzept

Das Netz setzt sich aus dem Teilnehmeranschlußsystem, der Übertragungsstrecke, den vermittlungstechnischen Einrichtungen und der oberen Netzebene, das heißt, den Verbindungsleitungen zwischen den DVST zusammen.

Das Teilnehmeranschlußsystem besteht in der Grundausstattung aus einem Nachrichtenfernschaltgerät (NFG) mit drei Geräteanschlüssen. Die Geräteanschlüsse eins und zwei bestehen jeweils aus einem 64 KBit/s-Kanal und dem dazugehörigen Steuer-/Datenkanal. Der Geräteanschluß drei ist ein reiner Datenkanal mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 2,4 KBit/s. Mit den Zusatzmodulen - Geräteanschlüsse vier und fünf - kann einem Bedürfnis nach höherer Transfergeschwindigkeit Rechnung getragen werden, indem die Anzahl der 64 KBit/s-Kanäle auf maximal vier erhöht werden kann. Um unterschiedliche Endeinrichtungen an das NFG anschließen zu können, sind Anpassungsmodule vorgesehen.

Um von Anfang an flächendeckende 64 KBit/s-Dienstleistungen anbieten zu können, ist eine Unterscheidung bezüglich der Übertragungstechnik in Nah- und Fernanschlüsse notwendig. Beim Nahanschluß wird in der Netzperipherie Basisbandübertragung mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 72 KB/s vorgesehen. Fernteilnehmer werden über ein PCM-System an die vermittlungstechnischen Einrichtungen des Modellnetzes angeschlossen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin durch Hintereinanderschaltung von mehreren Abschnitten (Übertragungseinrichtungen mit Basisband) Fernteilnehmer an die Vermittlungstechnik heranzuführen.

Das 64 KBit/s-Modellnetz geht aus dem derzeitig vorhandenen leitungsvermittelten Datennetz hervor und ist in die Systemstruktur des Elektronischen Datenvermittlungssystems EDS eingebettet.

Für die 64 KBit/s-Kanäle wird ein eigenes Koppelfeld entwickelt. Dieses besteht, wie in Bild fünf dargestellt, aus den Systemanschlußgruppen K und einem Ein-/Ausgabecodierer mit integriertem Durchschaltspeicher.

Die Steuer-/Datenkanäle werden wie die vorhandenen 2,4 KBit/s-Kanäle der synchronen Datendienste an die Systemanschlußgruppe SAG D angeschlossen.

Bei der Sicherungs-, Organisations- und Anwendersoftware sind Ergänzungen und Änderungen der vorhandenen sowie der Implementation neu hinzukommender Programme erforderlich.

Die obere Netzebene des Modellnetzes ist als reines Maschennetz ausgelegt. Die Steuer-/Datenkanäle werden über einen Zeitmultiplexer ZD 1 000-A2 zusammengefaßt, und der ausgangsseitige 64 KBit/s-Kanal dann gemeinsam mit den 64 KBit/s-Kanälen im PCM-System 30F übertragen.

Schnittstellen

Der Geräteanschluß GA 1 ist für posteigene Fernsprech- und Faksimilegeräte neuer Generation vorgesehen. Er beinhaltet für den Basiskanal die Daten und Taktleitungen, entsprechend der CCITT-Empfehlung X.2 1 bis (modifiziert) mit dem für PCM-codierte Sprache erforderlichen Oktett-Takt. Darüberhinaus sind für die Zeichengabe des Steuer/Datenkanals alle Signale der CCITT-Empfehlung X.2 vorhanden. Sämtliche Signale entsprechen elektrisch der CCITT-Empfehlung X.27 (V. 11).

Die Schnittstelle am Geräteanschluß GA 1 erlaubt also nur den Anschluß von solchen Endeinrichtungen, die in der Lage sind, die Zeichengabe außerhalb des Nutzkanals nach der CCITT-Empfehlung X.21 abzuwickeln.

Der Geräteanschluß GA2 ermöglicht die Anschaltung einer Endeinrichtung mit Übertragungsgeschwindigkeiten von 9,6 bis 64 KBit/s über eine Schnittstelle gemäß CCITT-Empfehlung X.2 1.

Fehlerüberwachung

Während des Durchschaltezustandes werden die Hauptkanäle dauernd auf Ausfall überwacht. Im durchgeschalteten Zustand wird im Abstand von 1s die Verbindung überprüft. Tritt ein Fehler auf, so wird die Verbindung getrennt, und Steuer-/Datenkanal und 64 KBit/s-Kanal werden ausgelöst. Der betroffene 64 KBit/s-Kanal wird als gestört markiert. Außerdem wird der Rufdatenaufzeichnung die Aussage "System löst aus" übergeben. Diese Aussage Kann dann in der Rufdatennachverarbeitung zur Gebührenfreiheit für den betreffenden Tln herangezogen werden. Als "gestört" markierte Kanäle können nicht mehr belegt werden. Ist die Störung beseitigt, so wird der Basiskanal innerhalb einer Minute vom System wieder freigeschaltet.

Beim Verbindungsaufbau kann der Anwender bestimmen, ob er einen oder mehrere 64 KBit/s-Kanäle benutzen möchte oder nicht. Unabhängig von der Anzahl der benötigten 64 KBit/s-Kanäle wird immer der 2,4 KBit/s-Steuer-/Datenkanal zum Zielanschluß durchgeschaltet. Mit der Aufteilung in 64 KBit/s- und Steuer-/ Datenkanal folgt das Modellnetz den bisherigen Überlegungen zum ISDN. Weil das 64 KBit/s-Modellnetz als Steuer-/Datenkanal einen "konventionellen" Datex-L2400-Anschluß verwendet, bietet es sich an, die Übertragung von Nachrichten nicht nur auf die 64 KBit/s-Kanäle zu beschränken, sondern auch den Steuer-/Datenkanal mit in das Dienstleistungskonzept einzubeziehen.

Für den Sonderfall n =0 wird nur eine Verbindung mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 2,4 KBit/s zu einem Anschluß des Modellnetzes beziehungsweise zu Teilnehmern an Datex-L2400 aufgebaut.

Mit den verschiedenen Anwendungs- und Nutzungsmöglichkeiten wird ein weiterer Schritt in Richtung ISDN getan. Wenngleich die Details der späteren ISDN-Standardisierung von den Vorgaben des Modellnetzes abweichen werden, so ermöglicht das Modellnetz doch, das Investitionsrisiko beim Überführen der bestehenden und die zur Einführung anstehender Dienste in ein künftiges ISDN zu verringern. So kann mit der Realisierung dieses Netzes nicht nur ein kurzfristiger Erstbedarf von 64 KBit/s-Dienstleistungen gedeckt werden, sondern es wird auch Anwendern, Herstellern und dem Netzbetreiber die Möglichkeit bieten, ihr technisches und betriebliches Know-how im Bereich der schnellen Datenübertragung zu verbessern.

Erhard Peter ist Referent im Referat "Technik der Daten- und Textübermitlungssysteme" im Fernmeldetechnischen Zentralamt (FTZ) in Darmstadt.