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31.01.1986

Das A und O für das Engagement von Investoren ist die Qualität des Managements:Venture-Capital als Mittel zur Finanzierung des Wachstums

"Venture-Capital" ist zu einem Begriff im Zusammenhang mit High-Tech geworden. Wer die Idee für ein zukunftsweisendes Produkt in die Tat umsetzen will (Start-up), braucht nicht selten Unterstützung für eine Unternehmensgründung. Geld- und Know-how-Bedarf haben aber auch etablierte Firmen, die wachsen und diversifizieren wollen. "Risikokapital", wie Verfechter der deutschen Sprache den Anglizismus übersetzen, ist zu einer Form der Finanzierung geworden, mit der sich Wolfgang Schaaff* auseinandersetzt.

Beim Rückblick auf die vergangenen drei Jahre kann man feststellen, daß der Begriff "Venture-Capital" einen gewissen Begriffswandel erfahren hat. Die Bezeichnung "Venture-Capital" war in aller Munde, aber mit vielfältigen Interpretationen. Risiko wurde zunächst als wesentlicher Nenner für Venture-Capital-Finanzierungen gesehen.

Die Betonung liegt nicht mehr nur auf Risiko

Nachdem sich die Branche in den letzten zwei bis drei Jahren etabliert hat und erste Erfahrungen vorliegen, wird nunmehr Venture-Capital in starkem Maße als Wachstumsfinanzierung verstanden. Venture-Capital ist eine Form der Unternehmensfinanzierung, bei der externe Investoren einem Unternehmen zeitlich befristet haftendes Eigenkapital für seine Wachstums- und Diversifikationspläne zur Verfügung stellen. Der Investor nimmt damit eine Gesellschafterposition ein, die ihm ein begrenztes Mitspracherecht am Unternehmen gibt. Die Mitsprache ist dabei ein konstruktives Element, das auf die positive Weiterentwicklung des Unternehmens ausgerichtet ist.

Zunächst wurde der Begriff "Venture-Capital" in sehr starkem Maße mit Neugründungen in Verbindung gesehen. Auch hier hat sich ein gewisser Wandel vollzogen. Finanziert werden sollen Unternehmen mit besonderem Wachstumspotential. Dies umfaßt Neugründungen genauso wie schnell wachsende mittelständische Unternehmen.

Wachstumschancen locken Venture-Capital-Finanziers

Das Engagement eines Venture-Capital-Finanziers kommt unabhängig vom Alter des Unternehmens dann zustande, wenn die Befähigung des Unternehmens, seines übrigen Managements und die Marktchancen des Produkts ein nachhaltiges Wachstum versprechen. Die zukunftsbezogene Betrachtungsweise steht also klar im Vordergrund.

Ziel des Venture-Capital-Investors ist es, eine Beteiligung an einem Unternehmen zu erwerben, um sie einer Reihe von Jahren mit Gewinn zu veräußern. Er beurteilt die Investitionsobjekte in sehr starkem Maße nach ihrer realistischen Strategie und Umsatzplanung. Für ein Zustandekommen einer Venture-Capital-Finanzierung sind Kriterien wie Management, Produkt und Markt von entscheidender Bedeutung.

Wie jeder Geschäftsmann versucht der Venture-Capital-Finanzier seine erhöhten Risiken überschaubar zu halten. Darum wählt er für sein Portfolio zunächst wachstumskräftige mittelständische Unternehmen, welche ein erhebliches Expansions- beziehungsweise Diversifikationspotential (möglicherweise Zukauf eines Unternehmens) haben.

Aus angestellten Top-Leuten werden Firmeneigentümer

Auch sogenannte Management-Buy-outs sind interessante Investitionsobjekte. Hierbei übernehmen Manager gemeinsam mit dem Venture-Capital-Finanzier die Gesellschaftsanteile eines Unternehmens. Angestellte Manager werden hier zu selbständigen Unternehmern. Diese spezielle Finanzierungstechnik ist geeignet, trotz limitierter Eigenmittel des Managements Unternehmen zu übernehmen. Bei der Wachstumsfinanzierung von mittelständischen Unternehmen beziehungsweise bei Management-Buy-outs findet der Venture-Capitalist gewisse Strukturen vor, die im Verlauf der gemeinsamen Aktivitäten verbessert werden, um damit dem Unternehmen eine noch stärkere Marktposition zu geben.

Erfolg von Ideen ist schwer kalkulierbar

Die Situation sieht bei sogenannten Start-ups erfahrungsgemäß völlig anders aus. Hier findet der Venture-Capitalist in der Regel eine Idee vor, deren Erfolgsaussichten jedoch nur schwer überprüfbar sind. In den vergangenen zwei Jahren wurden mehrere hundert solcher Start-ups geprüft. Das Ergebnis war wenig ermutigend. Viele Konzepte waren technisch brillant, jedoch war die Realisierung im Markt mehr als problematisch. Das Fazit daraus ist eine Hinwendung zu wachstumsorientierten mittelgroßen Unternehmen beziehungsweise zu Management-Buyouts. Finanzierungen von Start-ups sind leider eine Ausnahme.

Wachstumsfinanzierung und Diversifikationspolitik eines Unternehmens sollten immer auf einem strategischen Konzept beruhen. Gute Produkte und aufnahmefähige Märkte sind hierbei wesentliche Faktoren. Der wohl wichtigste Faktor der gesamten Wachstumsfinanzierung ist das Management-Potential eines Unternehmens. Was hilft eine noch so gute Idee, wenn sie unternehmerisch nicht umgesetzt werden kann.

Es kann nicht Aufgabe des Venture-Capital-Finanziers sein, sich im Unternehmen nachhaltig im Management zu betätigen. Vielmehr soll das Führungsteam in enger Absprache mit dem Venture-Capitalist das Unternehmen selbständig führen.

Die Position des Venture-Capitalist ist damit die eines aktiven Beraters. Er greift nur in Ausnahmefällen in das Tagesgeschäft ein.

Positive Veränderungen - sei es im Produktbereich, in der Organisation, im Personalbereich oder im Marketing - werden gemeinsam vom Management und Venture-Finanzier getragen und verantwortet. Auch wenn der Venture-Finanzier nicht der Spezialist für jede ausgefallene Technologie ist, bringt er so viel Managementerfahrung mit, um als aktiver Berater dem Unternehmen zur Seite zu stehen. Das Aufsichtsratsmandat des Venture-Capital-Partners ist dabei als "Rat", nicht aber als "Aufsicht" zu verstehen.

Nach einer Reihe von Jahren wird der Zeitpunkt kommen, wo der Venture-Capitalist sein Investment realisieren will. Jetzt zeigt sich die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und seinem Venture-Capital-Partner. Die Höhe des Return on Investment wird nun zum Maß aller Dinge. In der Regel erzielt der Unternehmer ein Mehrfaches von dem Return, den der Venture-Capitalist für sich in Anspruch nehmen kann.

Gang an die Börse kann krönender Abschluß sein

Die Investition sollte von Anfang an strategisch so ausgerichtet sein, daß der Verkauf der Anteile durch den Gang an die Börse erfolgen kann. Dieser wird aber erfahrungsgemäß nur bei etwa 30 bis 40 Prozent der Fälle möglich sein. Daher sollte die Möglichkeit des Verkaufs an einen industriellen Dritten beziehungsweise Rückkauf durch den Altgesellschafter von vorneherein berücksichtigt werden.

*Dr. Wolfgang Schaaff ist Geschäftsführer der Citicorp Venture Capital Beratungsgesellschaft mbH in Frankfurt.