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02.05.1986 - 

Den betrieblichen Informationsfluß rationalisieren und in seiner Leistung zukunftssicher steigern:

Das BDE-Hauptproblem ist immer noch die Datenerfassung

Zu einem ruhigeren betrieblichen Ablauf in Bereichen, in denen früher ständig Hektik herrschte, kann ein sorgfältig geplantes BDE-Konzept führen. Karlheinz Roschmann*, Autor des folgenden Beitrages, setzt sich grundsätzlich mit der Betriebsdatenerfassung auseinander: Was sie leisten sollte und was sie heute bereits leisten kann, wie Systeme beschaffen sein müssen und nicht zuletzt arbeitsrechtliche Konsequenzen sind seine Themen.

In immer mehr Betrieben, zunehmend auch in mittelständischen, interessiert man sich für BDE, um diese Möglichkeit zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit auszuschöpfen. BDE hilft, Kosten bei den betrieblichen Ablaufen zu sparen. BDE liefert die Daten aber nicht nur billiger als herkömmliche Verfahren, sondern auch schneller und sicherer. Fallweise können mit BDE Daten gewonnen werden, die ohne BDE überhaupt nicht zur Verfügung stünden. BDE ist nicht auf bisherige Produktionsstrukturen begrenzt. Insbesondere unter der Forderung nach Flexibilität der Betriebe auch in der Zukunft hat BDE fundamentale Aufgaben in modernen Automatisierungskonzepten (CIM - Computer Integrated Manufacturing) zu erfüllen.

Unter Betriebsdatenerfassung (BDE) versteht man die Maßnahmen, die erforderlich sind, um Betriebsdaten eines Produktionsbetriebes in maschinell verarbeitungsfähiger Form am Ort ihrer Verarbeitung bereitzustellen. Unter Betriebsdaten werden die im Laufe eines Produktionsprozesses anfallenden Daten (wie gebrauchte Zeiten, angefallene Mengen oder auch Prozeßdaten) beziehungsweise verwendeten Daten (wie Identifikationsbegriffe/Nummern) verstanden. Hierbei handelt es sich um technische und organisatorische Daten. Mit dem BDE-System können Betriebsdaten erfaßt sind zentral oder dezentral ausgegeben werden. Die Erfassung kann mittels automatisch arbeitender Datengeber/Sensoren geschehen und/oder über personell bediente Datenstationen (BDE-Terminals) im Betriebsgeschehen. Obwohl also die gesamte betriebliche Kommunikation mit Erfassung und Ausgabe von Betriebsdaten angesprochen wird, und Verarbeitungsfunktionen in BDE-Systemen bis hinein in Terminals vor Ort mitgenutzt werden, hat die Erfassung zur Namensgebung BDE geführt, da hier die Hauptprobleme zu lösen waren beziehungsweise in neuen Projekten immer wieder zu lösen sind. Gegenüber anderen Methoden datentechnischer Erfassung hebt sich BDE insbesondere durch die Kombination von technischen und organisatorischen Aufgaben und Leistungskomponenten ab.

Greift ein Betrieb nur eines der erwähnten Gebiete (siehe Kasten) projektmäßig auf, so wird häufig für den betreffenden BDE-Anteil gar nicht von BDE gesprochen, sondern zum Beispiel bei PPS von einer Werkstattsteuerung. In Projekten verbundener BDE-Aufgabengebiete mit anteilig gleichen Daten kommt man dann nicht um die systematische Behandlung der tragenden BDE-Funktion herum. Insellösungen sind nicht nur weniger leistungsfähig, sie kosten in ihrer Summe auch zuviel. Nur in einem integrierten BDE-Konzept können Mehrfacherfassungen derselben Daten vermieden werden.

Während der Einsatz von Datenträgern als Speichermedium erfaßter Daten bei bisherigen Offlinesystemen immer mehr in den Hintergrund tritt, da auch kleine BDE-Systeme onlinefähig geworden sind, können Datenträger anderer Art im Betrieb eingesetzt werden, die BDE unterstützen. BDE versucht zwar, störendes Papier zu vermeiden und durch datentechnisches Informationsangebot - je nach betreffender Anforderung zum Beispiel per Monitor mit Großschritt - zu ersetzen. Verbreitet werden aber sowieso zum Beispiel Belege benötigt, darin können diese vor Ort aktuell vorgangsweise über BDE mit Codierung für die Identifizierung erstellt und anschließend in Erfassungsvorgängen maschinell gelesen werden. Ein Beispiel hierzu stellen die Arbeitsbelege der Fertigung dar, wie sie im Zuge der Arbeitsverteiltung in vielen Betrieben nun mit einem Strichcode/Barcode für die Auftragsnummer und die Arbeitsvorgangsnummer gegebenenfalls kombiniert benutzt werden.

Eine zweite Gruppe von BDE-Datenträgern umfaßt stabile, über längere Zeit im Betrieb nutzbare Datenträger wie Plastikausweise mit Arbeiternummer. Insbesondere aus Sicherheitsüberlegungen heraus tragen diese häufig starre Informationen. Je nach materieller Ausführung gehören zur ersten und zur zweiten Gruppe der BDE-Datenträger auch Etiketten mit maschinell lesbarer Codierung, die sich zum Beispiel zur direkten Objektidentifizierung eignen. Eine Kombination der Möglichkeiten der beiden Datenträgergruppen bieten darüber hinaus die neueren, bei Materialflußsystemen bekannt gewordenen sogenannten programmierbaren Datenträger.

Sie können etwa an einer Werkstükaufnahme eines Transportsystems angebracht sein und diese identifizieren, wobei die mitzugebende Informationen meist auf Abstand drahtlos gelesen und verändert (umprogrammiert) werden können. Hierdurch können Steuerungskonzepte noch flexibler, leistungsfähiger und sicherer gemacht werden. Die neu anfallenden Daten möchte man möglichst automatisch

erfassen. Gelingt dies nicht, muß man sie per Tastendruck manuell eingeben. Die Geräte müssen hierfür so ausgelegt sein, daß dies die Mitarbeiter vor Ort im Betriebsgeschehen ohne Mühe tun können. Zur Unterstütztung dieser Eingaben müssen die Geräte die zuvor erwähnten Datenträger lesen können.

Neueres BDE-Angebot vielfältig und leistungsstark

Noch nie war das BDE-Angebot so vielfältig und leistungsstark wie heute. Es umfaßt ein breites Spektrum an Systemen. Diese sind entweder anteilig auf unterschiedliche BDE-Einzelaufgabengebiete oder für umfassende BDE-Konzepte ausgelegt. Dabei reicht das Systemangebot, von Kleinsystemen zunehmend auf PC-Basis bis zu Systemen mit leistungsfähigen BDE-Rechnern einschließlich fehlertoleranter, ausfallgeschützter Systeme einer gekoppelten Mehrrechnersystemen. Auch komplexe, große BDE-Systeme können dank Modularität flexibel angepaßt und mehr und mehr auch klein gestartet werden, um wirtschaftlich vertretbare und überschaubare Projektstufenverwirklichen können.

Das Angebot stammt von EDV-Herstellern, von Systemhäusern (zum Beispiel mit eigener BDE-Software, über Bezug der Hardware), von branchenspezifischen Anbietern, von bisherigen Organisationsmittelanbietern und von Herstellern von BDE-Komponenten, zum Beispiel Spezialhersteller von BDE-Terminals oder auch nur Anteile davon. Zunehmend sind Kooperationen verschiedener Anbieter erkennbar, etwa PPS- und BDE-Anbieter.

Staubgeschützte Terminals

Früher wurde gelegentlich beklagt, daß BDE in der Realisierung zunächst teuer sei. Heute kann darauf verwiesen werden, daß auch hier der Fortschritt moderner Elektronik voll genutzt wird. Dies zeigt sich beispielsweise in der merklichen Verbilligung neuer, noch leistungsfähigerer BDE-Terminalfamilien gegenüber ihren Vorgängern. Insbesondere in großen Installationen spielt dies aufgrund der erheblichen Anzahl erforderlicher Terminals eine Rolle.

Neben EDV-Standardperipherie wie Bildschirmterminals und Druckern für Büroumgebung werden in BDE-Systemen für industrielle Umgebung geeignete, staub-, wasser- und ölgeschützteTerminals in der Fertigung eingesetzt in der Form von Arbeitsverteilungsterminals, Bereichsterminals, Terminals für Maschinengruppen und Maschinen- beziehungsweise Arbeitsplatzterminals, dazu spezielle Zeiterfassung-/Zutrittskontrollterminals.

Anwenderseitig wird begrüßt, daß zunehmend auch die BDE-Software unterstützt wird. Außer Systemsoftware werden sowohl mehrfach einsetzbare Softwaremodule geboten (etwa für die Personalzeiterfassung) als auch flexibel nutzbare Softwarewerkzeuge, um anwendungsspezifische Programme kostengünstig erstellen zu können.

BDE kann in Betrieben unterschiedlichsten Automatisierungsgrades eingesetzt werden; es sind eben die Gewichtungen der BDE-Aufgabengebiete unterschiedlich. Das gilt auch für zukunftsträchtige CIM-Konzepte. CIM ist auf betriebsweite Integration technischer und organisatorischer EDV-Anwendungen ausgerichtet. BDE unterstützt dies funktional in den betrieblichen Kommunikationen vor Ort, falls diese nicht durch andere Einrichtungen wie technische Steuerungen abgedeckt werden.

Die Kommunikationen betreffen dabei Datenerfassungen und Ausgaben/Vorgaben vor Ort an Personen und technische Einrichtungen. Ein und dasselbe BDE-Terminal kann dann in die verschiedenen CIM-Anteile hineinwirken, gegebenenfalls mit mehreren Rechnern abwechselnd kommunizieren. Die zugehörigen Datenübertragungen können leitungsgebunden oder bei mobilen Arbeitsplätzen, wie Gabelstapler in einem Lager, auch streckenweise drahtlos erfolgen. Für die leitungsgebundenen Datenübertragungen wird derzeit intensiv die Erarbeitung gemeinsamer Standards diskutiert, soweit sie noch nicht vorliegen.

Je nach erforderlicher Übertragungsgeschwindigkeit unterscheidet man Hochleistungssysteme oder einfache, aber auch industriegeeignete LAN. Für die Hochleistungssysteme wird das MAP (Manufacturing Automation Protocol) angestrebt. BDE-Systeme werden dies nutzen. Aber auch für einfachere Übertragungsanforderungen bieten neuere BDE-Terminals flexible Wahlmöglichkeiten moderner Schnittstellenstandards, um insbesondere Leitungen kostengünstig mehrfach zu nutzen. Zwar wird die technische Entwicklung weitergehen. BDE steht aber heute zukunftssicher zur Verfügung: Es hat also keinen Sinn, Projekte aufzuschieben.

Ein BDE-Projekt unterscheidet sich grundsätzlich von sonstigen EDV-Projekten, dabei der BDE die Datentechnik in viel stärkerem Maße in das Betriebsgeschehen hineinwirkt, ja Teil dessen werden sollte. So tauchen eventuell Probleme im menschlichen Bereich auf, die es zu überwinden gilt. Dazu muß man sich zunächst über sie klar werden.

Ausgelöst werden können die genannten Probleme durch die unbekannte Datentechnik selbst, durch die zu erwartenden organisatorischen Veränderungen, durch Randbedingungen der Dateneingabe, etwa wegen zusätzlicher neuer Tätigkeiten an den Terminals und den dadurch und durch den Weg zu den Terminals auftretenden Zeitaufwand, sowie durch vermeintlichen oder möglichen Überwachungseffekt. Man erkennt, daß für die erfolgreiche Verwirklichung eines BDE-Projektes dringend etwas in Richtung positiver Motivation der Mitarbeiter getan werden muß, um zu erreichen, daß das neue System auch akzeptiert wird. Also sollte man dies auch im Budget des Projektes berücksichtigen. Insbesondere ist Information über die Absichten und Möglichkeiten dringend erforderlich, um keine negativen Gerüchte aufkommen zu lassen.

Wenn es auch im vorhinein etwas schwierig ist, so kann man doch beispielhaft die in verwirklichten Projekten deutlich gewordenen Vorteile auf das eigene Projekt übertragen und aufzeigen. BDE kann Informationen objektiver liefern, die früher immer subjektiv verfälscht angeliefert wurden, kann Informationen schneller auch dezentral zur Verfügung stellen, wo bisher ein Informationsmangel herrschte, kann Informationen vollständig liefern, wo bisher immer Anteile nachhinkten oder fehlten und dann viele positive Konsequenzen für ruhigeren betrieblichen Ablauf ermöglichen, wo früher ständig Hektik herrschte.

Bei der Information, die über das BDE-Projekt in der Projektierungsphase zu geben ist, wird man zunächst den Betriebsrat ansprechen, dazu aber möglichst auch alle Mitarbeiter direkt informieren. Man wird dies zeitlich und umfangmäßig abstufen. Noch akuter wird die Einschaltung des Betriebsrates dann, wenn dessen Zustimmung zum Projekt Voraussetzung für seine Realisierbarkeit in rechtlicher Hinsicht ist.

In diesem Zusammenhang kommt insbesondere der °87 des Betriebsverfassungsgesetzes zum Tragen. In ° 8 7 (1) Punkt 1 0 wird eine eventuelle Veränderung des Lohnsystems berührt. Sie ist möglicherweise im Zuge der BDE-Einführung durch Übergang von Akkord zu Prämienlohn an automatisierten Maschinen beabsichtigt. Der ° 87 (1) Punkt 6 trifft bei allen BDE-Maschinenüberwachungen zu, bei denen hiermit ein Schluß auf Verhalten beziehungsweise Leistung des betreffenden Mitarbeiters möglich ist.

Bei der Abwägung der Zustimmunspflichtigkeit eines BDE-Projektes kommt es nicht darauf an, ob der Betrieb die Mitarbeiter überwachen will oder nicht, vielmehr darauf, ob das System diese Möglichkeit bietet. Der Betriebsrat wird einem Projekt dann zustimmen können, wenn er zwar die Überwachung technischer Anlagen, wie Maschinen, anerkennt, ohne daß eine gezielte Mitarbeiterüberwachung eintritt, während für die Mitarbeiter anderweitige Vorteile sichtbar werden. Die Einigung zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat schlägt sich dann in einer Betriebsvereinbarung nieder.

In der vorangehenden Verhandlungsphase werten erfahrungsgemäß Unternehmensleitung und Betriebsrat Chancen und Risiken der BDE unterschiedlich. Durch engagierte Mitwirkung in der Projektierung kann der Betriebsrat in weitem Rahmen des BDE-Systems zum Vorteil der Belegschaft mitgestalten und eventuell sonst durch das Projektteam nicht erkennbare Nachteile für bestimmte Mitarbeiter abwenden. Es ist eine Erfahrung, daß Mitarbeiter und Betriebsrat in Betrieben mit erfolgreich verwirklichtem BDE-Projekt BDE nicht mehr missen wollen.

Diese Akzeptanz kann auch schon während der gestuften Projektrealisierung erfolgen. So kann es vorkommen, daß bei abteilungsweiser BDE-Einführung Mitarbeiter in Abteilungen, die erst für die spätere BDE-Realisierung vorgesehen sind, das Projektteam zur rascheren BDE-Einführung auch bei ihnen drängen. Von selbst wird ein solches Verhalten jedoch nicht eintreten, vorangegangen ist hier sicher eine gute Motivationsarbeit.

*Der BDE-Experte Prof. Dr.-Ing. Karlheinz Roschmann lehrt an der Fachhochschule Konstanz mit Vorlesungen im fachlichen Grenzbereich Technik/Wirtschaft einschließlich Informatik.

BDE-Aufgabengebiete

Produktionsplanung und -steuerung (PPS) mit

-Materialwirtschaft einschl. organisatorischer Lagersteuerung, Transportsteuerung (Materialflußsteuerung, Logistik) mit Vorgaben und Erfassung/Überwachung von Mengenbewegungen

-Zeitwirtschaft (Termin-/Kapazitätsplanung) mit kurzfristiger Fertigungssteuerung/Werkstattsteuerung/Arbeitsverteilung, -vorgaben und Auftragsrückmeldung, -fortschrittserfassung/Zeiterfassung für Aufträge/Terminüberwachung der Aufträge/Überwachung der Kapazitätsbelegung.

- Technische Anlagensteuerungen in leittechnischen Konzepten und in organisatorischen Auftragsablauf eingebettet wie NC-Maschinen, Transportsteuerungen und andere.

- Qualitätssicherung mit Mengenerfassungen nach gut/schlecht und Erfassung der Daten unterschiedlicher Qualitätsmerkmale gemäß Prüfplanung, ggf. qualitative Einzelobjektverfolgung und Dokumentation.

- Betriebliches Rechnungswesen insbesondere Kostenrechnung mit Datenerfassung für die Ist-Rechnung

- Personalwesen mit Datenerfassungen für flexible Arbeitszeit, Gleitzeit, Lohnabrechnungen (Leistungsumfang bei Akkord, Prämienlöhne)

-Schwachstellenanalysen z. B. Maschinennutzungsüberwachungen zur zeitlichen und gegebenenfalls technischen Nutzungserhöhung mit entsprechenden Datenerfassungen (Zeitgrößen, Störgründe, Maschinenprozeßdaten)

- Instandhaltung mit PPS-ähnlichen Aufgaben, häufig aber schlechteren Plandaten (Reparaturen) - umfassende Datenerfassungsaufgaben, gegebenenfalls kombinierbar mit Schwachstellenanalysen - Diagnosesysteme

- Sonstige wie Wägedatenerfassung, Tankdatenerfassung, Kantidatenerfassung, Zugangssicherung