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20.05.1988 - 

Dezentrale Intelligenz und Integration sind in aller Munde, aber:

Das Büro der Zukunft läßt auf sich warten

Datenverarbeitung, Nachrichten- und Bürotechnik wachsen zusehends zusammen. Doch das Büro der Zukunft bleibt nach wie vor Utopie. Bislang konnte eine technische Integration von Sprache, Daten, Bildern und Texten allenfalls rudimentär vollzogen werden.

Datenverarbeitungssysteme waren noch bis in die siebziger Jahre hinein fast ausschließlich zentrale Systeme. Diese bestanden aus einer Großrechneranlage, an die die Benutzer mit Terminals interaktiv angeschlossen waren und im Timesharing-Dienst abwechselnd bedient wurden. Daneben konnten Rechenaufträge im Batch- (Stapel)verarbeitungsdienst abgearbeitet werden.

Bedingt durch die zunehmende Miniaturisierung der Mikroprozessortechnik in Verbindung mit höherer Arbeitsgeschwindigkeit und den drastisch sinkenden Hardware-Kosten ist heute ein stärker Trend zu dezentralen Datenverarbeitungssystemen zu beobachten. Dieser geht zum einen in die Richtung der multifunktionalen Einplatz-Büromaschinen, zum anderen hin zu vernetzten Mehrplatzkommunikationssystemen.

Dezentrale Systeme lösen die örtliche Konzentration von Rechnerressourcen auf. Prozessorkapazität, Speicher und Peripheriegeräte sind in kleineren Einheiten dort lokalisiert, wo die Aufgaben anfallen.

Die Dezentralisierung ist in verschiedenen Stufen möglich. Häufig wird sie auf Abteilungsebene realisiert. Es gibt jedoch Bestrebungen, die Rechnerleistung direkt an den einzelnen Arbeitsplatz zu verlagern; die Vorstufe hierfür bilden intelligente Terminals. Vollkommen realisiert wird Dezentralisierung durch Arbeitsplatzrechner, wobei Rechen-, Speicher- und Ausgabeleistung am Arbeitsplatz verfügbar sind.

Hier ist auch an den Einsatz von Personal Computern zu denken. Mit steigender Dezentralisierung wächst das Interesse an der Vernetzung der einzelnen dezentralen Rechner. Die Grundphilosophie dezentraler Systeme geht folglich davon aus, direkt am Arbeitsplatz die notwendige Verarbeitungs-, Speicher- und Kommunikationskapazität zur Verfügung zu stellen.

Eine organisationsgerechte technische Dezentralisierung ist durch folgende Punkte gekennzeichnet:

- Funktionen der Bearbeitung und Kommunikation sind vorwiegend am Arbeitsplatz lokalisiert;

- in einzelnen Fällen gibt es lokale Speicher;

- auf den einzelnen Funktionsbereichsebenen werden File Server (Ablageeinheit), Laserdrucker, Print-Server (Druckeinheit), Scan-Server (Einleseeinheiten) und Bereichsrechner installiert;

- auf der Gesamtunternehmensebene stehen Kommunikationsverteilungsfunktionen, Groß- und Archivierungsrechner zur Verfügung.

Gegenüber zentralen Rechenanlagen bieten dezentralisierte Systeme den Vorteil der höheren Ausfalltoleranz. Wenn ein Teilrechner ausfällt, bleibt nicht das gesamte System stehen, wie es bei der Zentralanlage der Fall wäre. Weitere Vorteile sind lokale Ausgabeeinheiten wie Drucker und Plotter, sowie bei dezentralen Speichern die lokale Speicherung sensibler, vertraulicher Daten und die Möglichkeit, diese lokal auf Datenträger abzulegen.

Von noch größerer Bedeutung ist eine Entwicklungsrichtung, die sich seit einigen Jahren abzeichnet:

Im Büro müssen Informationen in Form von Sprache, Daten, Bildern und Texten verarbeitet werden. Für das Büro der Gegenwart ist nun typisch, daß für jede dieser vier Formen eine eigene technische Infrastruktur zur Verfügung steht und daß eine funktionale Integration zwischen diesen bisher noch nicht oder allenalls rudimentär vollzogen wurde. Die Übersicht macht deutlich, welche technischen Geräte und Netze heute für die vier Informationsmedien zur Verfügung stehen.

Entsprechend den derzeit vorhandenen Endgeräten gibt es verschiedene öffentliche Übertragungsnetze, die alle nebeneinander arbeiten und bislang noch nicht in ein vernetztes System eingebracht worden sind.

Langfristig sollen alle Dienste der Deutschen Bundespost in einem Universalnetz übertragen werden. Damit muß der Fernmeldeanschluß geeignet sein, alle Informationsarten (Sprache, Text, Bild, Daten) übermitteln zu können. Außerdem muß es sich um ein vermittelndes Netz handeln, da Dialogbetrieb erlaubt sein soll. Die Deutsche Bundespost versucht, diese Integration schrittweise vorzunehmen.

Die eigentliche Tragweite der Neuerungen auf dem Gebiet der Datenverarbeitung, Nachrichten- und Büromaschinentechnik liegt also nicht nur in den jeweiligen eigenen Weiterentwicklungen, sondern vor allem darin, daß Datenverarbeitung, Nachrichten- und Bürotechnik zusehends zusammenwachsen.

Die Kombination von Computertechnik mit moderner Nachrichtentechnik ist eine Gigantenhöchzeit: Sie eröffnet die Perspektive, daß die Datenverarbeitung in Verbindung mit neuen Formen der Kommunikation Einzug in den Büroalltag hält wie früher das Telefon und das Fernsehen im privaten Bereich.

Das Büro der Zukunft wird aber erst dann realisiert sein, wenn es gelungen ist, eine technische Integration aller vier Informationsarten zu vollziehen.

*Josef Ellenrieder ist DV- und Organisationsberater, DV-Fachdozent und -Autor.