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10.03.1989 - 

Humanisierung der Arbeit (HdA) fördert Arbeitsbedingungen und Leistungsvermögen:

Das Büro der Zukunft mitgestalten

*Dr. Heinz Thunecke und Christian Kasten sind Mitarbeiter der Projektträgerschaft Humanisierung des Arbeiterlebens der DFVLR, Bonn

Es mag nur wenigen Insidern des Programms "Forschung zur Humanisierung des Arbeitslebens" bekannt sein: die Förderung von Projekten zur Menschenrechten Gestaltung von Büro- und Verwaltungsarbeiten wird mit einem neuen Förderkonzept aus dem Bundesministerium für Forschung und Technologie belebt.

Mit dem Konzept soll der Versuch auf neuem Niveau fortgesetzt werden, den ablaufenden technisch-organisatorischen Rationalisierungsprozeß von Büro- und Verwaltungsarbeiten im Sinne menschengerechter und zugleich wirtschaftlicher Gestaltungskonzepte zu beeinflussen.

Das neue Förderkonzept "Büro und Verwaltung" geht dabei von einer Bedarfslage aus, die mit sich abzeichnenden Entwicklungen und Problemen des Einsatzes neuer Informations- und Kommunikationstechniken begründet wird:

- Der zunehmende (wenn auch qualitativ immer noch weit hinter den Erwartungen zurückgebliebene) Einsatz von Bürosystemen wird neben Unterstützungstätigkeiten und Routinesachbearbeitung auch die Tätigkeit qualifizierter Sachbearbeiter, technischer Fachkräfte und Ingenieure sowie des mittleren Managements erfassen, also den gesamten Bereich schwach strukturierter Tätigkeiten.

- Die absehbare Vernetzung gegenwärtig noch vorherrschender Insellösungen zu umfassenden IuK-Systemen mit neuen Möglichkeiten der inner- aber auch außerorganisatorischen Verknüpfung von Arbeitsplätzen und -funktionen, Abläufen und Funktionsbereichen (Stichworte sind hier CIM oder CAI). - Die Entwicklung "intelligenter" Softwaresysteme, deren Markteinführung auf breiter Basis noch bevorsteht, wie zum Beispiel Expertensysteme, und auf Methoden der "Künstlichen Intelligenz" aufbauende Anwendungen, wie zum Beispiel adaptive Schnittstellen.

Man muß kein Prophet sein, um mit diesen Entwicklungen tiefgreifende Veränderungen der Büro- und Verwaltungslandschaft von heute zu verbinden. Die quantitative und qualitative Bedeutung ganzer Arbeitskräftegruppen wird sich ändern. Büroarbeit wird in allen Funktionsbereichen und Hierarchieebenen zu einer weitgehend technisch unterstützten und vermittelten Arbeit, mit neuen Anforderungen an Belastung und Qualifikation, neuen Formen von Kommunikation und Zusammenarbeit und neuen Möglichkeiten von Führung, Beteiligung und Kontrolle.

Diese Veränderungen vorausschauend und vorbeugend zu bewältigen, indem die Probleme rechtzeitig identifiziert, Lösungen entwickelt und praktisch erprobt werden, die den Interessen der Unternehmen und Beschäftigten gleichermaßen Rechnung tragen, um dann bewährtes Gestaltungswissen den Praktikern jeweils zielgruppenspezifisch verfügbar zu machen - hierzu will und kann die Förderung einen wesentlichen Beitrag leisten. Eine Reparatur an bereits weitgehend vollzogenen Entwicklungen, die so häufig in der Vergangenheit nachträglich Defizite in der Gestaltung von Arbeitssystemen beheben mußte, soll möglichst vermieden werden.

Rechnergestützte Arbeitssysteme, die belastungs- und beanspruchungsoptimal gestaltet sind, zur Persönlichkeitsentwicklung der Beschäftigten beitragen sowie Anforderungen erweiterter Wirtschaftlichkeit und verbesserter Dienstleistungsqualität erfüllen, werden sich jedoch nicht von selbst ergeben. Die vielen Bemühungen in diese Richtung von Unternehmen und Verwaltungen selbst sollen keineswegs geleugnet oder abgewertet werden, wenn eine Überforderung der Praxis in vielen Bereichen der Gestaltung und Anwendung neuer Bürotechniken festzustellen ist.

Die zunehmende Schnelligkeit und Komplexität der Technikentwicklung, das fortschreitende Ineinandergreifen von Technikeinsatz und Organisation und personalwirtschaftliche Folgen stellen immer höhere Anforderungen an Praxis und Forschung hinsichtlich der Weiterentwicklung und Optimierung des inhaltlichen und methodischen Gestaltungswissens. Dies bedeutet stärker als bisher:

- Ganzheitliche Gestaltungsmethoden zu konzipieren, das heißt neben der Technikauswahl und -Gestaltung vor allem die Organisationsgestaltung, die Qualifizierung und Personalentwicklung und den Arbeits- und Gesundheitsschutz als gleichgewichtige Aufgaben zu sehen.

- Den Planungs- und Implementierungsprozeß nicht mehr ausschließlich ad-hoc und in kleinen Schritten anzugehen, sondern in ein zukunftsorientiertes "strategisches" Gesamtkonzept einzugliedern.

- Anforderungen an die Technik zu formulieren und umzusetzen, die eine noch größere Offenheit von Systemen und Komponenten im Sinne hoher Änderungs- und Anpassungsfähigkeit gewährleisten.

In der Vergangenheit stand - entsprechend den damaligen Rationalisierungstendenzen - zunächst die menschengerechte Gestaltung von Assistenztätigkeiten und routinisierter Sachbearbeitung im Vordergrund. Mit der HdA-Forschung konnten eine Reihe neuer Gestaltungsprinzipien entwickelt und verbreitet werden, die inzwischen zum Repertoire fortgeschrittener Organisationspraxis gehören, wie qualifizierte Mischarbeit statt Arbeitsteilung, Gruppenarbeit, ganzheitliche Organisationsgestaltung, Einbeziehung der Beschäftigten.

Seit 1984 wird in einer größeren Zahl von Modellversuchen in Behörden und Unternehmen die Einführung und Anwendung von Arbeitsplatzrechnern, aber auch von Dialogsystemen mit Zentraleinheiten in verschiedenen Sachbearbeitungsbereichen und im technischen Büro unter HdA-Zielsetzungen erprobt. Einen weiteren Schwerpunkt bilden in jüngster Zeit Forschungen und Entwicklungen mit dem Ziel der menschengerechten Gestaltung von Software. Hierbei geht es in erster Linie um Fragen des Softwareentwicklungsprozesses selbst und der Gestaltung der Benutzerschnittstelle. Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen wie Arbeitswissenschaften, Arbeitspsychologie, Informatik und auch Softwarehäuser beteiligen sich an den Forschungen.

Mit diesen Vorhaben, die zu einem großen Teil noch nicht abgeschlossen sind, werden bereits Ansätze verfolgt, die den neueren Entwicklungen und Potentialen von IuK-Techniken und ihres Einsatzes Rechnung tragen und auch in der jetzt neu eingeleiteten Förderphase weiter Bestand haben.

So hat sich in verschiedenen betrieblichen Pilotversuchen aber auch in Forschungen zur Softwaregestaltung beispielhaft erwiesen, daß in ganzheitlichen Innovationen besonders große Potentiale für die menschengerechte und wirtschaftliche Nutzung insbesondere neuer IuK-Techniken liegen, Werden Gestaltung von Bürotechnik, Arbeitsorganisation, Qualifizierung und Personalwirtschaft im Innovationsprozeß gezielt wechselseitig optimiert, lassen sich nachhaltige Erfolge für Arbeitsbedingungen und Leistungsfähigkeit des Betriebes erzielen. Besondere Anforderungen an die ganzheitliche Herangehensweise stellen Innovationen, die verschiedene Betriebsbereiche zum Beispiel mit neuen vernetzten Systemen übergreifen. Für die Bewältigung solch komplexen Vorgänge werden zur Zeit in verschiedenen Modellversuchen Instrumente und Verfahren entwickelt und erprobt.

Leistung und Bürgernähe ergänzen sich

Als mit ausschlaggebend für den Erfolg oder Mißerfolg von Gestlatungsmaßnahmen hat sich der Grad der Einbeziehung der Beschäftigten in die Planung und Realisierung erwiesen. Die ausreichende Berücksichtigung der Bedürfnisse und Interessen der Beschäftigten und zugleich ihres Wissens als Experten ihrer Arbeit unterstützt die Einpassung gerade moderner IuK-Techniken in die betrieblichen Abläufe und ihre volle Nutzung. Verschiedene Verfahren und Instrumente der Beteiligung einschließlich darauf bezogender Qualifizierungsprogramme werden in einer Reihe betrieblicher Modellversuche erprobt.

Wie die begonnenen Softwareforschungen zeigen, kann die Flexibilität des Softwareentwicklungsprozesses und der Softwaresysteme gegenüber Anforderungen der Anwenderbetriebe, unterschiedlichen Bedürfnissen, Arbeitsstilen und Qualifikationen der Benutzer auf unterschiedlichen Wegen erhöht werden: etwa durch Intensivierung des Hersteller-Anwender-Benutzer-Dialogs, bessere Entwurfsmethoden und neue Konzepte von Dialogschnittstellen. Auch sind Möglichkeiten der Selbstanpassung von Softwaresystemen seitens der Benutzer heute schon realisierbar.

Prinzipiell stehen in der modernen Verwaltung die Verbesserung der Arbeitsqualität der Beschäftigten und die Erhöhung der Qualität der Dienstleistungen gegenüber Bürgern und Kunden nicht im Widerspruch zueinander, sondern bedingen sich häufig gegenseitig. Wie Zwischenergebnisse laufender Modellversuche zeigen, kann moderne IuK-Technik hier einen wichtigen Beitrag leisten. Die Unterstützung von verantwortungsvollerer und kundenorientierter Allround-Sachbearbeitung zum Beispiel durch fortgeschrittene Hilfe- und Informationssysteme und integrierte Systeme ohne starre Führung des Benutzers und ohne Verzicht auf Breite und Tiefe der DV-Anwendung wird in mehreren Vorhaben getestet.

Für die Lösung der vielfältigen Fragen, die die Anwendung neuer IuK-Techniken in der Arbeitswelt nach wie vor aufwirft, stellt das neue Förderkonzept Büro und Verwaltung sehr unterschiedliche Förderangebote zur Verfügung.

Mit Untersuchungen sollen systematisch neue Gestaltungshinweise für die Ausformung und Nutzung neuer IuK-Technik erarbeitet werden, Auch sollen in solchen Vorhaben, die in der Regel von Forschungsinstitutionen durchgeführt werden, Methoden und Instrumente für ganzheitlich angelegte Innovationsprozesse entwickelt werden.

Modellversuche in Industrie, Handwerk, Dienstleistung und Verwaltung dienen der Entwicklung und Erprobung neuartiger komplexen betrieblicher Lösungen, die einem ganzheitlichen Innovationsverständnis entsprechen. Im Mittelpunkt dieser unmittelbar in die betriebliche Praxis eingebetteten Vorhaben sollen vor allem Anwendungen integrierter beziehungsweise vernetzter Systeme und Anwendungen einzelner IuK-Techniken stehen, soweit es sich um eine technische Neuentwicklung vor der breiten Markteinführung handelt. Dabei können auch in Zusammenarbeit von Herstellern und Pilotanwendungen Geräte oder Systeme vor oder nahe der Markteinführung betrieblich erprobt werden.

Mehrere Modellversuche lassen sich gegebenenfalls zu Verbundprojekten zusammenfassen; diese Projektorganisation eignet sich insbesondere für kleinere und mittlere Betriebe. Auch in betriebsübergreifenden Arbeitskreisen zur Innovationsplanung sollen mit Förderung des HdA-Programms Gestaltungspotentiale bei der Einführung und Anwendung neuer IuK-Techniken erschlossen und getestet werden. Vergleichbare Anwender können im Rahmen dieser Vorhaben in einen systematischen Erfahrungsaustausch treten und durch externe Beratung bei der Lösung gemeinsamer Innovationsprobleme unterstützt werden. Solche Arbeitskreise eignen sich überdies zur systematischen Sammlung und Bewertung von Anwendererfahrungen mit dem Einsatz neuartiger Technik. Sie lassen sich als Plattform für die Aufnahme und Vertiefung des Hersteller-Anwender-Dialogs mit dem Ziel der Verbesserung der Produktqualität nutzen.

Modelle liefern Basis für praktische Nutzung

Modellösungen, die in HdA-Versuchen entwickelt und erprobt worden sind, sollen in Transfervorhaben und -verbunden für die Übertragung in andere Anwendungsfelder aufbereitet werden, In Zusammenarbeit zwischen Anwendungsbetrieben und wissenschaftlichen Beratern werden am Beispiel der Einpassung der Modelle in eine andere Anwenderrealität konkrete Handlungshilfen für Unternehmen und Verwaltungen entwickelt. Für die Zielgruppenspezifische Aufbereitung und wirksame Verbreitung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen und Erfahrungen sind schließlich besondere Umsetzungsvorhaben bestimmt. Vielfältig erprobte und anwendbare Lösungen und Erkenntnisse zur menschengerechten Arbeitsgestaltung sollen auf diesem Weg Unternehmensberatern, Herstellern, Organisatoren, Betriebsärzten, Weiterbildungsbeauftragten, betrieblichen und überbetrieblichen Interessenvertretungen und so weiter vermittelt werden.

Die Förderung der betrieblichen Modellversuche des Schwerpunktes Büro und Verwaltung wird durch ein begleitendes Evaluationsvorhaben ausgewertet und bewertet. Das Fördermanagement erwartet wichtige Hinweise über die Wirksamkeit der Förderung, die Hemmnisse des Ergebnistransfers und den weiteren Förderbedarf.