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26.11.1999 - 

Deutsche Hoffnungen, amerikanische Probleme

Das Christkind verteilt seine Geschenke via Web

MÜNCHEN (CW) - Für die Amerikaner hat die vorweihnachtliche Geschenkesaison bereits begonnen. Dort ist das Internet-Shopping derart in Mode, daß Online-Shops zunehmend in technische Engpässe geraten. In Deutschland läuft dieses Geschäft gerade erst an.

In den USA beginnt jetzt mit Thanksgiving die Feiertagssaison, die ihren Höhepunkt im Weihnachtsgeschäft findet. Im Online-Handel sind dort dieses Jahr Spielzeuge der große Hit. So stieg in der ersten Novemberwoche die Zahl der Besuche bei einschlägigen Online-Anbietern um über 100 Prozent gegenüber den vorhergehenden sechs Wochen. Die beim E-Commerce sonst führenden Internet-Sites für Bücher und CDs erreichten dagegen nur eine Steigerungsrate von 33 Prozent.

Die stolze Nachfrage im Web hat jetzt den Online-Shop des Spielzeuganbieters Toys R Us in die Knie gezwungen. Interessenten wurden dort eine Woche lang mit der Entschuldigung abgespeist: "Wow. Unsere Angebote sind so populär, daß wir in den vergangenen Tagen Millionen von Besuchen erhielten. Wir sind daher leider nicht in der Lage, ihre Anfrage zu bearbeiten."

Die Überlast entstand, weil das Unternehmen ein Sonderangebot startete, das den Online-Shoppern einen zehnprozentigen Preisnachlaß und kostenlose Lieferung versprach. Daraufhin jagten die Schnäppchenjäger den Web-Verkehr bei Toys R Us um 1000 Prozent in die Höhe. Bei Redaktionsschluß war die Seite zumindest außerhalb der amerikanischen Ladengeschäftszeiten wieder erreichbar.

Hierzulande ist nach Ansicht der Online-Anbieter nicht mit vergleichbaren Problemen zu rechnen. Das liegt schon allein an dem geografisch viel kleineren deutschen Markt. Selbst wenn die Hälfte aller Bundesbürger im Netz wäre, könnte man mit einem Sonderangebot nicht wie Toys R Us 62 Millionen Surfer erreichen.

Holger Pleines, Manager E-Commerce von Karstadts "Myworld" macht auch auf psychologische Unterschiede aufmerksam. Anders als hier seien in Amerika die Kunden besonders markenbewußt und zudem ungewöhnlich empfänglich für aktuelle Trends. Pleines: "Wenn dort zum Beispiel ein Spielzeug auf den Markt kommt, das jeder will und das nur bei einem Anbieter zu haben ist, dann kommt es auf dessen Web-Seiten zu Problemen."

Für die Planungen bei Myworld legt Pleines die Zahlen vom Vorjahr zugrunde. Damals stieg die Anzahl der Online-Bestellungen im Weihnachtsgeschäft um rund 20 Prozent. Für ein Versandhaus mit langjähriger Erfahrung berge das keine besonderen logistischen Probleme, und auch die hauseigene DV-Technik sei für eine zusätzliche Belastung in dieser Größenordnung ausgelegt.

Bei der Versandlogistik von Karstadt würden möglicherweise zusätzliche Kräfte eingesetzt, räumt Pleines ein, "aber sicher nicht wegen des Online-Geschäfts".

Das heißt nicht, daß die Deutschen Online-Muffel sind. Zwar laufen derzeit noch rund 80 Prozent des elektronischen Handels in den USA, doch schon in zwei bis drei Jahren sollen die Europäer nach Ansicht mehrerer Marktforscher gleichziehen. Deutschland setzt zudem an, den bisherigen europäischen Spitzenreiter Großbritannien zu überholen. Konkret schätzt das Frankfurter Marktanalyse-Unternehmen Forit, daß hierzulande 321 Millionen Mark für Weihnachtseinkäufe im Netz ausgegeben werden. Das sind 1,5 Prozent der gesamten Weihnachtsausgaben.

Dieser beginnende Boom könnte dazu führen, daß sich die Probleme der US-Anbieter mit dem Weihnachtsansturm auf niedrigerem Niveau auch hier einstellen. Verblüffenderweise nennt zum Beispiel der Online-Versteigerer Ricardo.de das rasante Wachstum als Grund dafür, warum in seinem Unternehmen nicht mit Problemen gerechnet werde. Pressesprecher Matthias Quaritsch:

"Wissen Sie, im Grunde ist der Internet-Boom bei uns größer als das Weihnachtsgeschäft. Wir erwarten jetzt zwar eine Steigerung um 20 bis 30 Prozent, aber dieser Wert wird nach Weihnachten nicht wirklich zurückgehen." Hier wie bei anderen Online-Shops ist die Planung insbesondere bei der Web-Technik längst auf derartige Steigerungsraten ausgerichtet. Deswegen sollen die zusätzlichen Mitarbeiter bleiben, die jetzt für Vertrieb und Kundenservice eingestellt werden.

Nicht ganz so gelassen gehen die Manager des Online-Spielzeugladens Mytoys.de ihr erstes Weihnachtsgeschäft an. Die Newcomer sind seit Mitte Oktober am Netz und möchten sich im Markt etablieren. Da darf es nicht zu Pannen kommen.

Um dem erhofften Ansturm gerecht zu werden, wurden drei Sun-Server angeschafft und der Vertrag mit dem Internet Service Provider so flexibel gestaltet, daß die Bandbreiten nach Bedarf erhöht werden können. Auch bezüglich der Logistik glaubt sich Mitbegründer Oliver Beste mit derzeit knapp 30 Mitarbeitern auf der sicheren Seite, obwohl alle angebotenen Spielzeuge vor Ort gelagert, verpackt und auf Wunsch mit persönlich formulierten Wunschkarten versehen werden. Außerdem hat Beste eine Liste mit Teilzeitkräften neben sich liegen, die er bei Bedarf auch am Wochenende einsetzen kann.

Zur termingerechten Lieferung hat sich die Deutsche Post AG verpflichtet, während auf der Beschaffungsseite eine erfahrene Managerin, die vorher beim Spielzeughersteller Mattel gearbeitet hat, dafür sorgt, daß immer genug Vorräte zum Beispiel von der neuen Version des Jump-and-run-Spiels "Tomb Raider" auf Lager sind.