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11.01.1991 - 

Backup-Systeme

Das Datensicherungskonzept als Basis des User-Supports

Datensicherung gehört zu den selbstverständlichen Pflichten eines jeden PC-

Anwenders. Leider lassen viele Verantwortliche ihre Mitarbeiter bezüglich der technischen und organisatorischen Lösung im Stich. Nur ein ausgearbeitetes und verbindlich vorgeschriebenes unternehmens- oder behördenweites Datensicherungskonzept gewährleistet die Verfügbarkeit der Daten auch nach einer Hardware- oder Verarbeitungspanne.

Obwohl auf Personal Computern und anderen Mini- und Mikrocomputern in nahezu jedem Unternehmen und fast allen Behörden Anwendungen laufen, die für die Aufrechterhaltung des Betriebsablaufs unerläßlich sind, hat die Datensicherung noch nicht annähernd einen mit Großrechnern vergleichbaren Stand erreicht. Dabei ist selbst bei so gut wie jedem ersten Backup-Test im Host-Bereich festzustellen, daß die ausgefeilten Sicherungsregularien Schwächen aufweisen. Ein Wiederanlauf aus dem Sicherungsdatenbestand ist nur in Ausnahmefällen auf Anhieb möglich. Bei Arbeitsplatz-Computern bleiben die Anwender häufig völlig allein in bezug auf die Datensicherung. In sehr wenigen Betrieben besteht überhaupt ein verantwortlich geführter zentraler Benutzerservice, der sich mit den Modalitäten der Datensicherung befassen könnte. Ist ein solcher vorhanden, beschränkt sich seine Tätigkeit vielfach auf die Installation von Hard- und Software und auf die Behebung von Störungen, während die Sicherung von Daten und die sichere Aufbewahrung der Daten meist kein Thema ist.

Gruppen- und Abteilungsleitern fehlt häufig die Einsicht, ihre Mitarbeiter entsprechend zu informieren, zu motivieren und gegebenenfalls zu kontrollieren. So soll sich auch der in der Arbeit mit dem PC noch völlig Unerfahrene selbst helfen. Unter dem Druck des Tagesgeschäfts unterbleibt die Sicherung - zumindest die turnusmäßige Sicherung - deshalb oft ganz.

Neben dem rein organisatorischen Problem stellen die technischen Voraussetzungen eine wesentliche Hürde auf dem Weg zu einer sicheren Informationsverarbeitung dar. Die meisten Betriebe rüsten die Arbeitsplätze mit handelsüblichen PCs aus, ohne die Belange der Datensicherung besonders zu berücksichtigen. Das Ergebnis ist eine zeitraubende und unbequeme Datensicherungsprozedur auf Disketten. Der Anwender wird zum Diskjockey degradiert, der mitunter mehr als eine Stunde pro Sicherungslauf Disketten wechseln muß. Anfänger tun sich schwer mit Ergänzungssicherungen - vor allem bei einem eventuell erforderlichen Recovery. Deshalb entscheiden sich viele für eine Komplettsicherung.

Freilich sparen moderne Sicherungsprogramme soweit möglich Speicherplatz und reduzieren die Anzahl der benötigten Disketten auf ein Minimum. Auf die schwerfälligen Backup-Funktionen der Betriebssysteme greift ohnehin kaum ein Anwender mehr zurück. Wo es um Geschwindigkeit geht, wird allerdings auch gerne auf Kosten der Sicherheit gespart. Einige Backup-Programme arbeiten ohne besondere Einstellung, ohne Verify-Modus. Wünscht der Anwender ein Prüflesen seiner Sicherungsdisketten, muß er sie erneut reihum in den Diskettenschacht einlegen. Es ist die Frage, wie viele Anwender dies in der Praxis tatsächlich tun.

Beim Umfang der PC-Arbeit im heutigen Betriebsablauf ist es unerläßlich, dem Anwender ein leistungsfähiges, auf die vorhandene täglich anfallende Datenmenge abgestimmtes Sicherungsmedium zur Verfügung zu stellen. Dieses sollte entweder integraler Bestandteil des Systems selbst sein oder von vornherein durch den Benutzerservice oder den beauftragten Fachhändler mitgeliefert werden. Es ist der falsche Weg, darauf zu warten, daß einzelne, gut informierte Anwender entsprechende Anforderungen stellen.

Im wesentlichen stehen zwei Arten von Hochleistungs-Datensicherungssystemen zur Wahl:

- mobile "Festplatten" / Data PACs,

- Tape-Streamer.

Bei der mobilen "Festplatte" - sie ist an sich eine gekapselte Wechselplatte - handelt es sich um das leistungsfähigste Datensicherungssystem für PCs. Von PAC zu PAC läßt sich minuten-schnell kopieren. Die Kopie ist mit der Quelle identisch. Dadurch kann mit der Kopie sofort weitergearbeitet werden. Pro Laufwerk ist nur eine Bedienfolge erforderlich. Der höhere Kostenaufwand für die Hardware wird nach Auffassung des Verfassers durch die absolute Benutzerfreundlichkeit ausgeglichen. Neben der reinen Sicherheitsfunktion eröffnen sich durch den Einsatz von mobilen "Festplatten" zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten. PAC-Laufwerke sind normalerweise in der Systemeinheit eingebaut. Es gibt aber auch externe PAC-Laufwerke.

Tape-Streamer sind kleine Bandlaufwerke, die in speziellem Aufzeichnungsmodus eine nicht ablauffähige Kopie des Quell-Laufwerks erstellen. Erst durch den Recovery-Vorgang entsteht wieder ein Direktzugriffsspeicher. Im Vergleich zu mobilen "Festplatten" fallen deutlich geringere Kosten für das Laufwerk und den Datenträger an. Der Streamer kann anstelle von Diskettenlaufwerken oder zusätzlich in die Systemeinheit eingebaut oder separat aufgestellt werden.

Für Tape-Streamer werden verschiedene Bandformate eingesetzt. Es gibt jedoch keinen erkennbaren Grund, ein bestimmtes Bandformat von vornherein zu favorisieren. Wichtig ist nur, im gesamten Betrieb (einschließlich Niederlassungen etc.) mit einem einheitlichen Format zu arbeiten, damit im Bedarfsfall Datenträger und einzelne Komponenten ausgetauscht werden können.

Mobile "Festplatten" werden bedauerlicherweise nur von sehr wenigen Herstellern angeboten, so daß der Benutzer, der sich für ihren Einsatz entscheidet, in eine starke Abhängigkeit von bestimmten Fabrikaten gerät. Da die namhaften Hersteller kompatible Systeme liefern, bedeutet das allerdings keine Einschränkung in der Nutzung von Standardsoftware. Die Systeme sind ähnlich konstruiert wie eingebaute Festplatten, weshalb keine außergewöhnlichen Probleme zu erwarten sind. Wichtig ist lediglich, vor dem Abschalten der Geräte die Schreib- und Leseköpfe in die vorgesehene Parkposition fahren zu lassen und die PACs möglichst aus der Systemeinheit zu entnehmen, damit an dem Laufwerk und seiner Führungsmechanik bei absichtlicher oder versehentlicher Bewegung (typisches "Putzkolonnen-Problem") der Systemeinheit kein Schaden entsteht.

Auch die verfügbaren Tape-Streamer sind weitgehend ausgereift. Trotz teilweise erstaunlich hoher Aufzeichnungskapazität - insbesondere bei Schrägspuraufzeichnung - ist die Fehlerrate gering. Je nach System soll sie weit unter der durchschnittlichen Fehlerrate von Festplattenlaufwerken liegen. Integrierte Fehlerkorrektur-Features sorgen für eine möglichst unbeeinträchtige Sicherung. Sogar Datenbestände größerer Systeme, wie etwa der AS/400, die sich im GB-Bereich bewegen, können über Streamer gesichert werden.

Der Anwender kann zwischen der kompletten Kopie des Quell-Laufwerks (Image-Backup) und der Sicherung einzeln benannter Dateien (File-by-File-Backup) wählen. Wer gerne File-by-File sichert, sollte nicht auf eine turnusmäßige Komplettsicherung verzichten. Sie ist eine wichtige Grundlage für die rasche Wiederherstellung des Datenbestands. Da sie normalerweise auch die Betriebs- und Anwendungssoftware umfaßt, ist bei regelmäßigem Image-Backup ein rascher Wiederanlauf nach einem Daten-Crash zu erwarten.

Es ist sehr wichtig, vor jeder Investitionsentscheidung darauf zu achten, ob das gewählte Datensicherungssystem ohne größere Vorbereitung an die vorhandene Hardware angeschlossen werden kann. Ein Update des Betriebssystems darf nicht zu Schwierigkeiten mit dem Streamer führen.

Wenn schon einzelne Arbeitsplatz-Computer ohne schnelles Datensicherungsmedium nicht optimal ausgestattet sind, so ist es für Netzserver und andere zentrale Instanzen auf PC-Basis nahezu unerläßlich, ein automatisches Datensicherungssystem einzusetzen. Hier führt die mobile "Festplatte" normalerweise nicht weiter. Der Tape-Streamer ist besser geeignet, die Aktivitäten zu protokollieren, um im Bedarfsfalle ein echtes Abbild des aktuellen Datenbestandes vor dem Crash rekonstruieren zu können.

Aus falschen Wirtschaftlichkeitsüberlegungen fallen die zweifellos kostspieligen Lösungen für eine optimale Datensicherung bei Arbeitsplatz-Rechnern in vielen Fällen dem Rotstift zum Opfer. Da der PC nach wie vor den Ruf eines Low-cost. Rechners hat, begnügen sich viele Benutzer mit dem Billigsten vom Billigen. Diese rein Hardware-orientierte Betrachtung vernachlässigt jedoch eine entscheidende Tatsache. Wirtschaftlichkeitsberechnungen können nicht ohne Berücksichtigung der Anwendungen erfolgen. Im Vergleich zu dem Nutzen einer Anwendung sind die Kosten der zusätzlichen Hard- und Software meist gering.

Es lohnt sich, vor der Investitionsentscheidung für Data-PAC oder Tape-Streamer eine eingehende Kosten-Nutzen-Analyse zu erstellen oder von erfahrenen Fachleuten anfertigen zu lassen. Es ist erstaunlich, zu welchen Ergebnissen man unter Einbeziehung der Komponenten Dienstleistungen, Materialfluß, Warenfluß und Geldfluß im Einzelfall kommt. Aus manchem Billig-PC zum Preis von einigen tausend Mark ist aus dem Blickwinkel der Anwendungen schon eine Schlüsselkomponente geworden. Die dort verwalteten Daten bedürfen deshalb unbedingt einer verläßlichen Sicherung, Lagerung und Auslagerung.

Die Verantwortung für den gesamten Fragenkomplex kann weder auf die einzelnen Ressortleiter verteilt noch den Anwendern selbst aufgebürdet werden. Dies wäre lediglich eine Alibihandlung, die es zwar erlaubte, im Falle wirtschaftlicher Einbußen einen "Schuldigen" zu benennen, jedoch ist sie von zweifelhaftem Wert für das Unternehmen als Ganzes. Eine betriebsübergreifende Strategie zur Sicherung der Informationsressourcen ist unerläßlich. Die alleinige Verantwortung hierfür kann nur entweder die Geschäftsleitung selbst tragen oder - falls dieser mit bereichsübergreifenden Vollmachten ausgestattet ist - der Org./DV-Leiter.

Datensicherung muß zuverlässig ausgeführt werden, um wirksam zu sein. Dafür benötigen die Anwender Kenntnisse und die Einsicht in die Unerläßlichkeit der Maßnahmen.

Backup allein reicht nicht

Kompletter Datenverlust ist die Horrorvision jedes Unternehmens. Diese Angst dient den Anbietern von Archivierungs- und Sicherheitsprodukten als Werbeargument. In bunten Prospekten preisen sie ihre Backup-Medien, Sicherheitssoftware und PC-Schlösser als Allheilmittel für Datensicherheit und -schutz an. Aber so einfach, wie es in den Anzeigen vorgegaukelt wird, ist es leider nicht.

Schon die Unzahl der angebotenen Backup-Medien führt in vielen Fällen zu Verunsicherung. Soll das Unternehmen zweite Festplatten, Disketten, Start-/Stop- und Streaming-Laufwerke, intelligente Mikroverfilmung, optische Platten oder gleich ein großes DAT-System kaufen? Dabei kann es passieren, daß der Anwender angesichts der Gefahr, wertvolle Daten zu verlieren, über das Ziel hinausschiebt und sich eine überdimensionierte Anlage anschafft.

Viele sehen in Naturkatastrophen, etwa in Blitzschlag, Überschwemmung oder technischen Defekten wie Stromausfall oder Headcrash die größten Gefahrenquellen für Datenverlust. Doch die schlimmste Bedrohung ist der Endanwender selbst. Unbeabsichtigtes Löschen oder Überschreiben der Dateien und das versehentliche Abschalten des Rechners sind nur ein kleiner Teil der Mißgeschicke. Beabsichtigte Manipulation, Viren und der Diebstahl von Hard- und Software kommen noch dazu.

Deshalb sollte die Strategie zur Datensicherheit mehr sein als die Auswahl des geeigneten Backup-Systems. Und dazu gehört ein Sicherheits-Manager, der nicht nur unternehmensweite Regeln im Umgang mit den DV-Anlagen und den Daten erarbeitet, sondern auch die Kompetenz hat, die Befolgung dieser Richtlinien durchzusetzen.

hp