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26.04.1991

Das Ende der Computer-Steinzeit

Joseph F. Coates Präsident der Joseph F. Coates Inc.

Unsere Vorstellung von dem, was das Hilfsmittel Computer eigentlich alles könnte, ist längst verblaßt. Der Computer ist in vielen Bereichen in die Hände von Dummköpfen und kurzsichtigen Optimierungsfanatikern geraten. Daß dieses wunderbare Produkt amerikanischen Erfindergeistes unnötigerweise und in zunehmendem Maße zu Ärger und Irritationen Anlaß gibt, spiegelt das Versagen des Geschäftssinnes wider.

Alle neuen Technologien werden schubweise eingeführt. Beim Computer jedoch ist es so, daß die Entwicklung in fast jeder großen Organisation in Phase eins oder zwei steckengeblieben ist und es als Sklave zur Optimierung althergebrachter Auf gaben benutzt wurde, anstatt zur Schaffung neuer beizutragen.

Zunächst werden alle neuen Technologien als Ersatzmittel zur Erfüllung von Aufgaben eingesetzt, die wir besser, schneller oder zuverlässiger bewältigen wollen. Der Computer wurde primär eingesetzt, um den Bedürfnissen der Kaufleute in ihren Hinterzimmern gerecht zu werden, den Geldfetischisten mit ihrer Vorliebe fürs Pfennige-Zählen und für ordentliche Buchführung.

Eine Zeitlang war das auch ganz recht so, bloß dauerte diese Phase oft zu lange an, in vielen Fällen dauert sie immer noch. Erst 20 Jahre, nachdem der Computer in Krankenhäusern eingesetzt wurde, fing er an, zu einem effektiven Tool in der medizinischen Praxis zu werden.

Möglicherweise wird ja der Einzelhandel eher von dem Interesse geleitet, die Wünsche der Kunden zufriedenzustellen; doch auch hier haben die Kaufleute in den Hinterzimmern so lange den Ton angegeben, daß wir Kunden erst allmählich den Computer zu Gesicht bekommen haben.

Die zweite Phase der Einführung neuer Technologien ist die Suche nach weiteren mikroökonomischen Vorteilen durch Reorganisation der Wege, die Rohstoffe, Güter und Schreibarbeiten nehmen. Diesem Drang nach mehr Effizienz wird nicht selten die Effektivität geopfert. Hirnlose Maschinen in den Händen roboterhafter Manager können nicht lernen, für ihre Kundschaft nützlich oder "nett" zu sein.

Das Straßenverkehrsamt von Washington D.C. ist hierfür ein gutes Beispiels. Diese auf löbliche Art und Weise effiziente Behörde besitzt eine bemerkenswerte Fähigkeit, all jenen unerbittlich nachzustellen, die vergessen haben, ihren Strafzettel zu bezahlen, oder andere Bagatelldelikte begangen haben. Dennoch habe ich noch von keinem einzigen positiven oder nützlichen Aspekt ihrer Programme gehört, die mit meinen Steuern und meinen Daten gefüttert werden.

Die Regierung ist keineswegs der einzige Missetäter. Kaufhäuser, Versandhäuser und Supermärkte saugen riesige Mengen an Daten über ihre Kunden auf und geben wenig bis gar nichts davon zurück, weder in klingender Münze noch in Form von Diensten.

Die dritte Phase der Einführung neuer Technologien beginnt, wenn diese billig, vertraut, alltäglich und allgemein verständlich werden. Dies ist die revolutionäre Phase, in der noch nie dagewesene Anwendungsmöglichkeiten sich verselbständigen. Hoffen wir, daß wir an der Schwelle zu dieser Phase stehen und den Willen und die Vorstellungskraft aufbringen, einen Schritt nach vorn zu machen.

Wie würde die Welt wohl aussehen, wenn sich die Computer in den Händen phantasievoller und kreativer Vorgesetzter und Techniker befänden, die für Effektivität und Kundenfreundlichkeit belohnt werden?

Es soll ja sogar Telefonvermittler geben, die in der Lage sind zu helfen, anstelle der armen Arbeitstiere, die bei ihrer Arbeit im Sekundentakt vom Computer überwacht werden. Wir würden auch auf Kaufhausangestellte treffen, die unsere letzten fünf Anschaffungen aufrufen könnten, ein paar geistreiche Bemerkungen über unsere Interessen machen würden und uns dann zu einer Ware führen, die wie keine andere unseren Kaufgewohnheiten entspricht.

Irgend jemand muß die Initiative ergreifen und den Computer zu einem effektiven Teil unserer modernen Welt machen. Wenn ich Gesetze erlassen könnte, würde ich verfügen, daß jeder Manager von Computersystemen oder Besitzer großer Computeranlagen dazu gezwungen wird, 20 Stunden Nintendo zu spielen und 100 Stunden Musikvideos zu gucken. Vielleicht würden sie dann endlich verstehen, zu was Computer tatsächlich in der Lage sind.

Wäre ich in leitender Position bei irgendeiner durchcomputerisierten großen Organisation oder Firma, ich würde sofort die meisten Leute feuern, die für den Rechnereinsatz verantwortlich sind. Was ihnen fehlt, ist Freude am Spielen, Innovationsdrang, Zuwendung zu ihrer Klientel, Überblick über ihr Geschäft und sogar der kleinste Funken Bereitschaft, ein Risiko einzugehen. All jenen, die sich in leitender Position befinden, möchte ich eine Überlegung nahelegen: Fragen Sie sich doch einmal, was der Computer eigentlich in letzter Zeit für uns gebracht hat.