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05.12.2007

Das Enterprise 2.0: die deutsche Realität

Sören Stamer 
Einer Studie zufolge verbreiten sich Web-2.0-Techniken in hiesigen Unternehmen nur langsam. Unklarer Nutzen und Sicherheitsbedenken sind die größten Hemmnisse.
Alle Tools aus dem Social Web werden zumeist von Web-affinen Einzelkämpfern genutzt. Einen abteilungs- oder unternehmensweiten Einsatz solcher Werkzeuge gibt es nur in ganz wenigen Firmen.
Alle Tools aus dem Social Web werden zumeist von Web-affinen Einzelkämpfern genutzt. Einen abteilungs- oder unternehmensweiten Einsatz solcher Werkzeuge gibt es nur in ganz wenigen Firmen.
Die meisten Fachverantwortlichen sehen zwar generell ein großes Potenzial in den Web-2.0-Tools, haben aber keine genauen Vorstellungen über ihren konkreten Nutzen.
Die meisten Fachverantwortlichen sehen zwar generell ein großes Potenzial in den Web-2.0-Tools, haben aber keine genauen Vorstellungen über ihren konkreten Nutzen.

Das Konzept von "Enterprise 2.0" mit seiner offenen und vernetzenden Unternehmenskultur ist derzeit nicht nur im Umfeld der Informations- und Telekommunikationstechnologie, sondern auch auf Management-Ebene ein stark diskutiertes Thema. Deutsche Unternehmen experimentieren bereits erfolgreich mit Blogs und Wikis, allerdings verpassen sie die damit verbundenen Chancen zur Effizienzsteigerung. Mit der richtigen Vernetzung und Synergiebildung könnten sie heute bereits viel stärker von Web-2.0-Technologien profitieren.

Die wichtigsten Ergebnisse

Wikis, Weblogs oder Social Bookmarking werden überwiegend von einzelnen Mitarbeitern genutzt. Zirka 95 Prozent setzen solche Tools aber nicht firmenübergreifend ein. Etwa die Hälfte der Fachverantwortlichen erkennt zwar die Relevanz von Web 2.0 für Unternehmen, aber ihnen ist der konkrete Nutzen noch unklar. Rund 90 Prozent der Teilnehmer stimmen zu, dass die Anforderungen an die Zusammenarbeit und den Wissens-austausch gestiegen sind. Häufig werden sie aber von der internen IT nicht hinreichend unterstützt.

Über 150 Firmen befragt

Zu diesem Ergebnis kommt der Report "Enterprise 2.0 in Deutschland", von Coremedia bei Berlecon Research in Auftrag gegeben. Es handelt sich dabei um eine repräsentative Umfrage zur Nutzung und Einschätzung von Web 2.0 in deutschen Unternehmen. Befragt wurden Vertreter aus über 150 Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern aus so genannten wissensintensiven Wirtschaftszweigen.

Die neuen Medientechnologien ändern die Aufgabenteilung in Unternehmen, denn sie erzeugen eine bislang ungekannte Beschleunigung und Vernetzung - damit verändern sie auch die Kultur der Zusammenarbeit. Denn das Internet ermöglicht die technische Abbildung, Dokumentation und Strukturierung komplexer Dialog- und Diskussionsprozesse. Es etabliert Netze für eine Kommunikation, die kulturelle Regeln technisch integriert. Gleichzeitig erfordern es verkürzte Produktlebenszyklen, schnell und flexibel zu reagieren. Starre, hierarchische Kommunikations- und Organisationsstrukturen erscheinen in diesem Umfeld wenig überlebensfähig.

Dieser Wandel wird von der überwältigenden Mehrheit der Befragten klar erkannt. Allerdings zeigt die Studie auch die noch vorhandenen Schwächen in der Umsetzung. Während für annähernd 90 Prozent der Teilnehmer die Anforderungen an eine effiziente Zusammenarbeit und den Austausch von Wissen gestiegen sind, fühlen sich weniger als die Hälfte hinreichend durch die ITK ihres Unternehmens unterstützt. Die Überfrachtung mit irrelevanten Informationen, besonders durch E-Mails und die Schwierigkeit, die Relevanz von Informationen zu beurteilen, macht vielen Befragten Schwierigkeiten.

Einzelkämpfer

Mitarbeiter in deutschen Unternehmen setzen bereits erfolgreich neue Technologien wie Wikis, Weblogs oder Social-Bookmarking-Systeme ein, um von deren Dynamik in der Kommunikation zu profitieren allerdings meist auf Initiative von einzelnen Web-affinen Mitarbeitern und Abteilungen.

Eine übergreifende Zusammenarbeit ist durchaus erwünscht. Ein Drittel der Befragten gab an, eine stärkere abteilungs- und standortübergreifende Zusammenarbeit der Mitarbeiter zu befürworten. Bisher bildet das Intranet die Basis für den Wissens- und Informationsaustausch.

Ein herausragendes Ergebnis der repräsentativen Studie ist, dass Web-2.0-Techniken wie Wikis, Blogs oder Social Bookmarking zu über 90 Prozent weder abteilungs- noch unternehmensübergreifend eingesetzt werden. Derzeit arbeiten wenn überhaupt vor allem einzelne Mitarbeiter oder Abteilungen mit den Tools des Web 2.0. Isolierte Wissensinseln lassen Synergien in und zwischen Unternehmen jedoch ungenutzt.

Unklarheit über den Nutzen

Erfreulicherweise zeigen aber die Ergebnisse der Studie auch, dass das Potenzial für unternehmensübergreifende Kommunikations-Plattformen sehr hoch ist. Immerhin etwa die Hälfte der Befragten erwartet, dass das Web 2.0 künftig zum Unternehmensalltag gehören wird. Den konkreten Nutzen für Unternehmen können sie aber nur schwer einschätzen: Für fast zwei Drittel der Befragten ist der unklare Nutzen das wichtigste Hindernis für die Einführung von Web-2.0-Anwendungen.

Den größten Nutzen sehen die Befragten bisher für die Suche nach Experten sowie den Informationsaustausch. Dies beruht sicher auf den relativ ausgeprägten Erfahrungen mit Social-Network-Diensten und Blogs.

Das geringste Potenzial von Web-2.0-Anwendungen wird in der Zusammenarbeit der Mitarbeiter sowie mit externen Partnern und Kunden erkannt. Aber gerade die Vernetzung und damit der Wissensaustausch zwischen Mitarbeitern, Partnern und Kunden ist die Basis für den Erfolg in dynamischen Märkten.

Neben der Frage nach dem "Warum" stellen für 53 Prozent der Befragten allgemeine Sicherheitsbedenken eine große Hürde dar. Insbesondere große Unternehmen fürchten sich vor einem Verlust der Kontrolle über Informationen. Doch Firmen müssen lernen loszulassen und ihren Mitarbeitern, Partnern und Kunden zu vertrauen. Dies zeigt sehr schön, dass es beim Wandel zu Enterprise 2.0 nicht nur um neue Technologien und Anwendungen geht, sondern vor allem auch um neue Denkansätze, die mit Veränderungen in der Unternehmenskultur einhergehen werden. Denn: "Web 2.0 is an attitude, not a technology". (Tim OReilly, 2005: What is Web 2.0?). (ws)