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09.06.1989

Das Ergebnis zweijähriger Entwicklungen in Sachen System-Anwendungs-Architektur: IBM macht aus SAA-Not eine Metaphor-Tugend

MÜNCHEN(cmd) - Was IBM mit Officevision vor zwei Wochen als, erste Produktfamilie... nach den Regeln der... System-Anwendungs-Architektur" angekündigt hat, stellt nur in der /2-LAN-Version eine echte SAA-Anwendungsentwicklung dar - und die kommt noch nicht einmal von Mother Blue selbst- sondern von dem Xerox-Ableger Metaphor Computer Systems.

Vor der Presse in München war davon freilich keine Rede; vielmehr stellte Peter Kirn, der für Marketing und Vertrieb zuständige Leiter Softwaremanagement der deutschen IBM-Tochter, die strategische Bedeutung von SAA im allgemeinen und den darauf basierenden Büroanwendungen im besonderen heraus und verwies darauf, daß 1750 Mitarbeiter in fünf Labors in den USA und Europa "seit mehr als zwei Jahren an der Entwicklung der Officevision-Produktfamilie" arbeiten.

Als Kernpunkt und wichtigstes Novum der gesamten Officevision-Ankündigung (siehe CW Nr. 22 vom 26. Mai 1989, Seite 1) präsentierten die deutschen IBM-Mannen die /2 LAN-Version - "die erste SAA-Anwendung" - mit einer objektorientierten Benutzeroberfläche, wie sie Apple-Usern schon seit Jahren geläufig ist. Die Voraussetzungen für diese Workstation-Vernetzung sind allerdings happig: In der Servervariante ist ein PS/2-Modell mit 16 MB Speicher erforderlich (allein 8 MB sind für die vier OS/2- Extended-Edition-Komponenten Communications Manager, LAN Manager, Database Manager und Presentation Manager vonnöten, 4 MB frei adressierbarer Speicher für das Multitasking und weitere 4 MB für das Officevision-Paket selbst), und für die Nutzung aller Officevision-Funktionen müssen die Arbeitsplatzrechner über mindestens 10 MB Speicherplatz verfügen. Möglicherweise reichten auch 8 MB aus, doch konnten die Stuttgarter nach eigenem Bekunden noch nicht mit genaueren Daten aufwerten, da der Live-Code erst im Juni oder Juli verfügbar sei.

Die /2-LAN-Version von Officevision entspricht im wesentlichen der Konzeption, die die Metaphor Computer Systems seit ihrer Gründung im Jahr 1982 verfolgt und mit der sie inzwischen in mehr als 80 der 100 größten US-Unternehmen vertreten ist: "Metaphor" ist eine objektorientierte Benutzeroberfläche für Arbeitsplatzrechner, die über einen File-Server vernetzt sind, der seinerseits mit einem oder mehreren Hosts verbunden sein kann.

Das System basiert auf der Anfang der achtziger Jahre im Palo Alto Research Center von Xerox entwickelten Star-Technologie, an der unter anderem David Liddle und Don Massaro, der heutige Vorsitzende beziehungsweise Präsident von Metaphor Computer Systems, maßgeblich beteiligt waren. Da Xerox diese Richtung nicht weiter verfolgte, machten sich die beiden selbständig, gründeten ein eigenes Unternehmen und arbeiteten intensiv an Weiterentwicklungen.

Der Metaphor-Erfolg rief schließlich die Armonker auf den Plan, die die Rechte an dem Produkt erwarben, um damit ihre OS/2- Extended-Edition-Linie attraktiver vermerkten zu können. Ganz unproblematisch ist die Liaison zwischen den beiden ungleichen Partnern allerdings nicht: Um nicht mit Xerox wegen eventueller patentrechtlicher Verletzungen ins Gehege zu kommen, suchte IBM eine gütliche Vereinbarung mit dem Kopierer-Riesen. Diese sieht vor, daß Mother Blue entgegen ihrer ursprünglichen Absicht darauf verzichtete, bei der Officevision-Ankündigung die Produktbezeichnung Metaphor überhaupt zu erwähnen, und darüber hinaus für jedes Metaphor-System eine lizenzähnliche Gebühr an Xerox bezahlt.