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17.10.2003 - 

Mobilen und Unterhaltungsgeräten gehört die Zukunft

Das Festplattengeschäft wächst antizyklisch

MÜNCHEN (ajf) - Seit rund einem Jahr blüht eine Branche auf, der es schon lange nicht mehr gut ging: Die Anbieter von Festplatten konnten zuletzt gegen den negativen Trend deutlich zulegen. Neue Geschäftsfelder sollen die günstige Entwicklung noch beschleunigen.

Mit Datenspeichern verhielt es sich stets wie mit dem lieben Geld: Man konnte nie genug davon haben. Doch die Zeiten ändern sich, und während das Geld immer weniger wird, steigt die Speicherkapazität unaufhaltsam weiter an. "Unser Geschäft ist ein Technologiegeschäft", sagt Jun Naruse, CEO von Hitachi Global Storage Technologies. Will heißen: Die Unternehmen müssen mit Hochdruck und ohne Unterbrechung forschen, damit sich das Festplatten-Business weiterdreht.

Dass ihnen das im vergangenen Jahr besser als erwartet gelungen ist, zeigen die finanziellen Eckdaten der wichtigsten Anbieter wie Seagate, Western Digital (WD) oder Maxtor. Letzteres Unternehmen konnte in den vorigen drei Quartalen einen Nettogewinn ausweisen nach hohen Verlusten in den Jahren zuvor. Hier zahlte es sich unter dem Strich aus, das Geschäftsfeld Network Attached Storage (NAS) aufgegeben zu haben. WD hat das vergangene Geschäftsjahr (Ende: 27. Juni) sogar mit einem Rekordgewinn von 182 Millionen Dollar und einem Rekordumsatz von 2,7 Milliarden Dollar abgeschlossen. Die Company bietet seit Februar wieder Festplatten für Server und Speichersysteme an, ein Marktsegment, aus dem sich WD Ende 1999 zurückgezogen hatte.

Nur Hitachis Festplattenarm, Anfang dieses Jahres aus den jeweiligen Sparten von IBM und Hitachi fusioniert, schreibt rote Zahlen. Das soll sich laut CEO Naruse aber im kommenden Jahr ändern. Dann will der knapp 20000 Mitarbeiter zählende Konzern 4,7 Milliarden Dollar umsetzen und ein ausgeglichenes Ergebnis präsentieren.

Über alle Plattensegmente (Desktop, Notebook, Server, Consumer Electronics) und -größen (1 Zoll; 1,8 Zoll; 2,5 Zoll; 3,5 Zoll) hinweg ist Seagate stabiler Marktführer. Der Schwerpunkt des Konzerns liegt vor allem im Desktop-Bereich. Stattliche 641 Millionen Dollar Nettogewinn erzielte die Company im vergangenen Geschäftsjahr bei Einnahmen von 6,5 Milliarden Dollar. "Die letzten Monate waren nicht nur eine Erfolgsgeschichte von Seagate, sie sind eine Erfolgsgeschichte der Festplattenindustrie", bilanziert Brian Dexheimer, Marketing- und Vertriebschef des kalifornischen Unternehmens.

Stückzahlen rauf - Preise stabil

Die positive Entwicklung kam selbst für viele Analysten überraschend, denn sie spielte sich in einem PC-Markt ab, der von anhaltender Nachfrageschwäche und einem enormen Preisdruck gekennzeichnet war. Und das Desktop-Segment macht immer noch das größte Stück vom Kuchen aus: Von den im zweiten Quartal insgesamt verkauften 57,9 Millionen Platten werden 42 Millionen in PCs verbaut, hat Gartner Dataquest ermittelt. Die Marktbeobachter gehen davon aus, dass im Gesamtjahr 2003 rund 250 Millionen Geräte verkauft werden, 30 Millionen mehr als im Vorjahr. 2007 sollen es sogar 400 Millionen sein. Nicht zuletzt diese Aussichten haben die Aktienkurse der Anbieter in neue Höhen getrieben.

"Im zweiten Quartal hat die Festplattenbranche bewiesen, dass sie in einem traditionell schwachen Berichtszeitraum auch Geld verdienen kann", freut sich Seagate-Manager Dexheimer. So stieg das erste Mal seit Jahren die Zahl der verkauften Systeme gegenüber den drei Vormonaten an - wenn auch nur um 0,3 Prozent, wie Gartner Dataquest gemessen hat. Positiv haben sich vor allem aber die zuletzt stabilen Preise ausgewirkt. Laut Dexheimer ist die Preiserosion von 15 bis 16 Prozent im Jahr 1999 auf inzwischen zwei bis vier Prozent gefallen. Gartner Dataquest zufolge soll der durchschnittliche Verkaufspreis einer Festplatte 2003 wie im Vorjahr um die 80 Dollar betragen.

Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass viele der verbliebenen Anbieter inzwischen die gesamte Entwicklungs- und Wertschöpfungskette kontrollieren und somit die Preise auf einem relativ konstanten Niveau halten können. Jüngstes Beispiel ist die Übernahme des bankrotten Speicherkopfspezialisten Read-Rite im Sommer für mehr als 90 Millionen Dollar in bar durch Western Digital. Für die Branche ist diese Preisstabilität eine willkommene Erfahrung: "Die Festplattenindustrie wird 2003 im Kerngeschäft den ersten Umsatzanstieg seit sechs Jahren erwirtschaften", gibt sich Seagate-Manager Dexheimer selbstbewusst.

Das Selbstbewusstsein steigt

Diese Attitüde ist neu, denn nicht nur finanziell, sondern auch in der öffentlichen Wahrnehmung fristeten die Speicherspezialisten stets ihr Dasein im Schatten der CPU-Hersteller. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass Intel und Co. ihr Signet außen an die PCs kleben dürfen. Viele Anwender kennen auch Moore''s Law, wonach sich die Zahl der Transistoren auf den Prozessoren alle 18 Monate verdoppeln soll. Wesentlich weniger IT-Nutzer wissen jedoch, dass die Speicherkapaziät von Festplatten seit Jahren alle zwölf Monate um etwa 100 Prozent steigt.

Am technischen Grundkonzept hat sichdabei seit IBMs erstem Festplattensystem "Ramac" (Random Access Method of Accounting and Control) aus dem Jahr 1956 nicht viel verändert. "Es handelt sich um eine mechanische Technologie, aber weil die Mechanik sehr einfach aufgebaut ist, nutzen wir sie immer noch", erläutert Hitachi-Manager Naruse. Damals konnte man in der Tat noch von festen Platten sprechen: 50 lackierte Aluminiumscheiben mit einem Durchmesser von jeweils 65 Zentimetern drehten sich 1200 mal pro Minute unter einem Paar beweglicher Schreib-Lese-Köpfe hindurch. Jede Platte konnte den Inhalt von 25000 Lochkarten aufnehmen, deren Ende daher schon bald gekommen war. Für die Kapazität von etwa 5 Megabyte mussten Mitte der 50er Jahre rund 50000 Dollar bezahlt werden. Heute finden sich nur noch wenige Währungseinheiten auf der Welt, die dem geringen "Wert" eines Megabyte entsprechen. Folglich müssen sich die einschlägigen Anbieter neue Geschäftsfelder und Vertriebsargumente suchen, um den Verfall des Preises pro Leistung zu kompensieren.

Gelingen soll ihnen dies mit Features abseits des Speichervolumens. Neben dem Preis, der Kapazität und der Größe der Geräte legen Kunden vermehrt Wert auf einen niedrigen Stromverbrauch, leisen Lauf, Erschütterungsfestigkeit sowie Temperaturtoleranz etwa für den Einsatz in Autos. Auch die Ausfallsicherheit wird zu einem entscheidenden Kriterium: Wenn ein PC während der Garantiezeit vor Ort repariert werden muss, weil die Platte defekt ist, ist die Gewinnspanne des Computerbauers aufgezehrt. Statt um jeden Preis bei den Komponenten zu sparen, rechnen einige PC- und Notebook-Hersteller daher lieber gleich mit Qualität.

Die größte Goldader für die Speicherspezialisten wird indes im Bereich Consumer Electronics vermutet. Fotos, Musikdateien, selbst gefilmte digitale Videos oder ein Fernsehprogramm, das statt auf Videobändern auf Festplatten gespeichert wird, soll der Branche zum endgültigen Durchbruch verhelfen. Bestes Beispiel ist Toshiba: Die Company hat durch den Erfolg von Apples MP3-Player "iPod" die Absatzzahlen ihrer 1,8-Zoll-Platten drastisch in die Höhe treiben können.

MP3-Player und Spielekonsolen

Noch ist das Segment Consumer Electronics klein: Bei Maxtor sind es knapp zehn Prozent der Einnahmen; vornehmlich stammen sie vom Unternehmen Tivo, das einen gefragten "Videorekorder" mit Festplatte herstellt. Seagate setzte zuletzt etwa sieben Prozent in diesem Bereich um, auch weil die Company die Speichersysteme für Microsofts Spielekonsole "Xbox" liefert. Wenn eines Tages der Top-Seller der Gaming-Branche, Sonys "Playstation", mit einer Festplatte ausgestattet ist, schnellen die Stückzahlen in dem Segment in die Höhe. Wachstumsraten von 50 bis 100 Prozent sollen kompensieren, dass die Nachfrage nach Desktop- und Server-Platten nur noch geringfügig wächst. Dass für die neuen Märkte aber auch innovative Technologien und Vertriebskanäle erforderlich sind, ficht die an Veränderung gewöhnten Anbieter nicht an.

Doch die dynamische Branche bietet weiterhin ihre verlässlichen Konstanten. Die Fusion von Hitachis und IBMs Festplatten-Business war ein vorläufiger Höhepunkt eines seit Jahren andauernden Konsolidierungsprozesses. Dass dieser nun angesichts des überraschenden Höhenflugs beendet sein soll, glaubt keiner der Beteiligten, weil der Wettbewerb weiterhin hart ist. Er wisse nicht, wie viele Anbieter es in einigen Jahren noch geben werde, sagt Seagate-Manager Dexheimer. Eines sei aber sicher: "Es sind weniger als heute." Tummelten sich 1985 noch etwa 80 Hersteller und 1998 weltweit ein Dutzend Firmen, konkurrieren gegenwärtig noch sieben Unternehmen um den auf 20 Milliarden Dollar geschätzten Markt. Neben den vier großen Anbietern Seagate, Maxtor, WD und Hitachi Global Storage Technologies sind noch Toshiba, Samsung und Fujitsu aktiv.

Auch ein Ende des Kapazitätswettlaufs ist mittelfristig nicht abzusehen: Im Juni hat Hitachi seine erste Serial-ATA-Festplatte für den Desktop mit einer Kapazität von 250 GB vorgestellt. Die Company selbst entschied sich indes für die Formulierung "ein viertel Terabyte". An die Abkürzung TB wird man sich also gewöhnen müssen, während MB aus dem Gedächtnis schwindet. Geht das technische Rennen in dieser Intensität weiter und verdoppelt sich die Kapazität alle zwölf Monate, sind in zehn Jahren Festplatten mit einem Volumen von 120 TB an der Tagesordnung. Das würde dann für etwa 35 Millionen MP3s reichen.

Platten leer?

Ein Wissenschaftler hat im Journal "American Scientist" ausgerechnet, dass mit dem aktuellen jährlichen Kapazitätszuwachs von rund 100 Prozent im Jahr 2012 Platten mit einem Volumen von 120 Terabyte (TB; 1 TB = 1000 GB) zum Standard gehören. Darauf würden sich genug MP3-Dateien speichern lassen, um 230 Jahre ununterbrochen Musik hören zu können. Wer die Platte hingegen mit DVD-Filmen vollschreibt (über eine dann zeitgemäße T1000-Standleitung?), kann knapp sieben Jahre seines Lebens ins Flüssigkristall schauen - pausenlos. Nicht absehbar ist derzeit, ob für die 35 Millionen Songs oder 30000 Filme bezahlt wird. Und braucht man mit einer T1000-Standleitung überhaupt lokalen Speicher? Das alles rechnet sich natürlich nur unter der Voraussetzung, dass Microsofts "Office-2013"-Büropaket selbst keine 20 Terabyte auf der Festplatte beansprucht.

Abb: Geregelter Markt

Die vier größten Harddisk-Anbieter kontrollieren knapp 84 Prozent des Marktes. Quelle: Gartner Dataquest