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27.10.2000 - 

Sun und EMC präsentieren sich in guter Verfassung

Das Formtief der IBM überrascht die IT-Branche

MÜNCHEN (CW) - Die schlechte Nachricht der vergangenen Woche kam von IBM. Der Branchenriese konnte im dritten Quartal nur bescheidene Gewinn- und Umsatzsteigerungen verzeichnen. Deutlich besser in Form sind derzeit Sun Microsystems und der Speicherspezialist EMC.

Dem Dinosaurier aus Armonk scheint die Luft auszugehen: IBM meldet eine gerademal dreiprozentige Steigerung des Quartalsumsatzes von 21,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum auf heuer 21,8 Milliarden Dollar. Zwar kletterte der Gewinn im dritten Quartal um gut ein Fünftel auf zwei Milliarden Dollar - im Vergleichszeitraum 1999 belief er sich auf 1,7 Millarden Dollar -, doch ist nicht zu übersehen, dass Big Blue zumindest vorerst unter einer deutlichen Absatzschwäche leidet. "Wir hätten im dritten Quartal gerne höhere Einnahmen verzeichnet", lautet denn auch das schlichte Fazit von Lou Gerstner. Der IBM-Chef macht drei wesentliche Faktoren für die verhaltene Entwicklung seines Unternehmens verantwortlich: Da gab es zum einen die internationalen Wechselkursschwankungen. Wäre der Euro nicht so schwach gewesen, hätte sich der Anstieg der Einnahmen immerhin auf sechs Prozent belaufen - und damit zumindest die Erwartungen der Analysten an der Wall Street erfüllt.

Auch für die Schwäche im Geschäft mit PCs und Servern führte der IBM-Chef externe Ursachen an. Zwar sei die Nachfrage groß gewesen, doch durch Versorgungslücken bei Chips und anderen Prozessorbausteinen konnte sie nicht ausreichend bedient werden.

Eher hausgemacht ist dagegen der Umsatzeinbruch von 24 Prozent im Mainframe-Verkauf. Verfrühte Ankündigungen des neuen E-Servers Z900 bremsten den Absatz der /390-Maschinen. Für die gesamte Hardwaresparte meldete der Konzern lediglich ein Umsatzplus um vier Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 9,5 Milliarden Dollar. Ebenfalls vier Prozent mehr Umsatz verzeichnet das Unternehmen in der Dienstleistungssparte. Die Einnahmen der IBM Global Services stiegen im Vergleich zum dritten Quartal 1999 von knapp 7,9 auf 8,2 Milliarden Dollar.

Im Softwaregeschäft kann Big Blue dagegen nur einen Rückgang der Einnahmen vorweisen. Der Umsatz schrumpfte um drei Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 2,9 Milliarden Dollar. Verantwortlich dafür, so IBM-Finanzchef John Joyce, sei ein schlechtes Timing im Vertrieb gewesen - Verträge hätten nicht rechzeitig abgeschlossen werden können. Als "besonders enttäuschend" bezeichnete Joyce hier das Ergebnis der auf System-Management spezialisierten Unternehmenstochter Tivoli Systems sowie der Verkauf von Betriebssystem-Software. Branchenbeobachter sehen vor allem in letzterem Bereich einen starken Handlungsbedarf: Tom Bittner, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Gartner, rät der IBM, sich statt der Akquisition von schwerverdaulichen Größen wie Lotus oder Tivoli mehr auf die Entwicklung integrierter Lösungen für die E-Commerce-Plattform Websphere zu konzentrieren.

Als einziger Lichtblick in der der Vierteljahresbilanz präsentierte sich das Geschäftsfeld PCs und Laptops. In dem zuletzt defizitären Sektor konnte der Konzern endlich wieder schwarze Zahlen schreiben. Zwar ist der Verkauf von Desktops noch immer verlustreich, doch sowohl mit tragbaren Rechnern als auch mit den auf PC-Grundlage gebauten Netfinity-Servern - die geschickterweise der Sparte zugeordnet werden - legte IBM zu und kam hier auf einen Gewinn von 65 Millionen Dollar.

Während das IBM-Ergebnis die Wallstreet erschütterte, konnte Intel für eine positive Überraschung sorgen. Das Unternehmen hatte schon vor Wochen unter Berufung auf die Nachfrageschwäche in Europa eine Gewinnwarnung ausgegeben und so für kräftige Turbulenzen an den Finanzmärkten gesorgt. Mit den jetzt veröffentlichten Quartalsergebnisssen ist es dem größten Chiphersteller jedoch gelungen, die korrigierten Erwartungen der Analysten zu übertreffen.

Der Marktführer unter den Halbleiterherstellern verbesserte im dritten Geschäftsquartal seinen Nettoprofit um rund 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 2,5 Milliarden Dollar. Darin enthalten sind allerdings auch Gewinne aus Zinseinkünften sowie dem Verkauf von Investitionsanteilen in Höhe von 966 Millionen Dollar. Ein realistischeres Bild vermittelt die Umsatzentwicklung, die mit einem 19-prozentigem Wachstum für Intel-Verhältnisse eher mäßig ausfiel. Insbesondere das Kerngeschäft, die Herstellung von Mikroprozessoren, wuchs nicht wie erwartet und bereitet dem Branchenprimus Kopfzerbrechen.

Pentium IV lässt bis 2002 auf sich wartenFinanzchef Andrew Bryant betonte, dass Einbrüche in diesem Bereich vor allem auf den Absatzrückgang im europäischen Markt zurückzuführen seien. Noch bis Mitte September hatte man hier sogar mit einem kräftigen Schub gerechnet, doch die Entwicklung des Euro sowie steigende Energiekosten hätten die Nachfrage abrupt zum Stillstand gebracht. "Unsere Erwartungen für Europa waren übertrieben", räumte Bryant ein. Erschwerend kam hinzu, dass das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr auch mit Lieferproblemen zu kämpfen hat. Außerdem mussten die Kalifornier sowohl die Ankündigung ihres neuesten Pentium-III-Prozessors als auch die des neuen mit 1,4 Gigahertz getakteten Pentium-IV-Chips revidieren. Letzterer sollte ursprünglich bereits im November ausgeliefert werden, jetzt verlagert sich das Vorhaben bis mindestens 2002.

Ein weiterer Schuh, der Intel drückt, ist der wieder erstarkte Konkurrent Advanced Micro Devices (AMD). Mit dem Verkauf schnellerer Chips ist es der Company im abgelaufenen Quartal gelungen, weitere Marktanteile zu ergattern. Zwar bleibt Intel mit einem Marktanteil von über 80 Prozent unbestrittener Branchenprimus, doch mit aktuell knapp 17 Prozent konnte AMD immerhin den Abstand verkürzen. Außerdem hat der Rivale die Preise massiv gesenkt und damit den Wettbewerb verschärft. In Kombination mit der gebremsten Nachfrage nach PCs dürften Analysten zufolge die künftigen Gewinne der Chiphersteller empfindlich zurückgehen.

Dass sich die Ergebnisse der IT-Giganten nicht in einen Topf werfen lassen, stellt vor allem Sun Microsystems unter Beweis. Nach den eher enttäuschenden Ergebnissen von IBM und Intel wartete die kalifornische Server- und Softwareschmiede mit erstaunlich guten Zahlen auf. Das Unternehmen präsentierte zum Abschluss seines ersten Geschäftsquartals eine Umsatzsteigerung von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und übertraf damit bei weitem die Erwartungen der Wallstreet-Analysten, die maximal mit einer Steigerung von 40 Prozent gerechnet hatten. Die Einnahmen kletterten von 3,15 Milliarden auf 5,05 Milliarden Dollar. Sun begründete den unerwarteten Anstieg vor allem mit der starken Nachfrage nach seinem neuen Speicherarray "Sun Stor Edge T3" sowie nach Web-Servern. Beim Nettogewinn legte die Company um 88 Prozent zu und verzeichnete ein Ergebnis von 510 Millionen Dollar.

Einziges Haar in der Suppe ist die um vier Prozent gesunkene Brutto-Gewinnspanne von Sun. Schuld daran seien die gestiegenen Kosten für Speicher, hieß es. Das Unternehmen musste kurzfristig auf dem teuren Spotmarkt einkaufen. Außerdem hatte Sun die Preise für seine Server gesenkt. Für das laufende Quartal rechnet Finanzvorstand Mike Lehmann mit einem gemäßigteren Umsatzanstieg von rund 40 Prozent. Der Auftragseingang habe allerdings bereits um mehr als 30 Prozent zugelegt. Entscheidend für diese Entwicklung sei der erfolgreiche Ausbau des Vertriebs gewesen, der von 300 auf 500 Mitarbeiter verstärkt wurde. Insgesamt stellte Sun im abgelaufenen Quartal 800 Beschäftigte ein, und Sun-President Ed Zander triumphiert: "Wer hätte gedacht, dass Sun schneller wachsen würde als Microsoft."

Ins gleiche Horn kann auch der Speicherspezialist EMC stoßen. Das in Hopkinton, Massachusetts, ansässige Unternehmen profitierte in seinem dritten Geschäftsquartal von der stürmischen Nachfrage nach Massenspeichern. Insgesamt setzte EMC knapp 2,3 Milliarden Dollar um, verglichen mit dem Vorjahresergebnis von 1,7 Milliarden Dollar ist dies eine Steigerung um 34 Prozent. Allein in seinem Kerngeschäft mit Speicherlösungen für Unternehmen erwirtschaftete die Company einen Umsatz von 1,65 Milliarden Dollar. Getrieben sei die Nachfrage vor allem durch die E-Commerce-Projekte in den Unternehmen, stellte der EMC-Vorstandsvorsitzende Mike Ruettgers fest.

Das Unternehmen habe in allen Bereichen Marktanteile hinzugewinnen können. Allein im asiatischen Raum legten die Einnahmen um mehr als 60 Prozent zu, während das europäische Geschäft unter der Euro-Schwäche zu leiden hatte. Dabei darf sich EMC für das erneute Rekordergebnis auch bei Konkurrenten wie IBM oder HP bedanken, denen es nicht gelungen ist, von dem boomenden Speicherbedarf zu profitieren. Auch für das laufende Quartal rechnet EMC mit einem weiterhin starken Wachstum. Für das Geschäftsjahr 2001 erwartet der Speicherriese mit einem Gesamtumsatz von zwölf Milliarden Dollar, eine Verdopplung des Ergebnisses von 1999.

Analysten machen für die positive Entwicklung auch die enge Kundenbindung verantwortlich, die dem Unternehmen nicht nur die Loyalität der Abnehmer sichere, sondern auch bessere Vorhersagen zum künftigen Geschäft ermögliche. Kritische Stimmen werfen dem Unternehmen jedoch vor, hier ein unschönes Spiel zu treiben. Thomas Kraemer von Merrill Lynch befürchtet, dass es manchem Kunden vielleicht zu eng werden könnte: "Es scheint, dass zahlreiche EMC-Kunden Stillschweigevereinbarungen unterzeichnen müssen. Das verhindert allzu viel Gerede über die Preise und sichert der Vertriebsmannschaft fette Provisionen."

Abb: Wachstum divergiert: Vor allem Ariba und Commerce One konnten mit beeindruckenden Zuwächsen glänzen - wenn auch auf einem vergleichsweise niedrigen Umsatzniveau. Quelle: Unternehmensangaben