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28.08.1981 - 

Hinter Standardsoftware vergeben sich oft "neutralisierte" Individualprogramme:

Das Geschäft mit der Anpassung von Paketen

Der leergefegte Markt für Software-Spezialisten zwingt die DV-Verantwortlichen, durch Einsatz von Standardsoftware die betrieblichen Abläufe effizienter zu gestalten. Der Rationalisierungseffekt geht jedoch häufig verloren, weil die angebotenen Softwarepakete nur die Hälfte von dem halten, was von ihnen erwartet wird. Modifizierung und Implementierung verschlingen so viel Manpower oder externe Beratungsleistung, daß mancher DV-Leiter vom Regen in die Traufe kommt.

Massives Mißtrauen gegenüber den Vertriebspraktiken und Sprüchen der Softwareverkäufer und die Befürchtung, daß umfangreiche Organisationsprobleme beim Einsatz standardisierter Software auftreten, verhindern bisher den Breiteneinsatz vorgefertigter Programmpakete.

Der Neutralitätsanspruch, der von Software-Erstellern den eigenen Standardprodukten zugesprochen wird, erweist sich in vielen Fällen spätestens bei der Installation eines Paketes vor Ort als frommer Wunsch.

Böses Erwachen aber auch auf seiten der Anwender. Nicht nur Heinrich Conrad, Leiter der EDV und Ablauforganisation der A Rohe AG, Offenbach, hat da seine Erfahrungen: Die Implementierung der Standardpakete "Lohn und Gehalt" sowie "Materialwirtschaft und Fertigungssteuerung" entzog ihm für fast ein Jahr die Arbeitsleistung von drei Mitarbeitern. Deren Aufgabe war es, die Pakete auf die hauseigenen Hardware-Spezifikationen zu trimmen und sie den Anforderungen des Unternehmens anzupassen.

"Fängt man an zu drehen, dann bimmelt das ganze Glockenspiel"

In seiner Abteilung weiß man jetzt, wie Standardprogramme anzufassen sind: "Wir lassen die Programme so wie sie sind und setzen eigene Entwicklungen drumherum, damit die Information geliefert wird, die eigentlich vonnöten ist." Dies auch auf die Gefahr hin, gewisse Routinen doppelt zu schreiben - "denn", so Conrad, die Standard-Software entspricht dem gewissen Schräubchen; fängt man an zu drehen, dann bimmelt das ganze Glockenspiel."

"Eine Einführung generalisierter Software ohne Modifizierungen in verschiedenen Unternehmen gibt es einfach nicht", meint Helmut Steeb, geschäftsführender Gesellschafter der Steeb Unternehmensberatung GmbH, Abstatt. Seine Kritik an vielen Standardpaketen geht dahin, daß sie auf ehemaligen Individualprogrammen beruhen, die "neutralisiert" wurden. Software-Entwicklung "am grünen Tisch" heißt sein Rezept, um den Neutralitätsanspruch zu erfüllen. Anpassungsprobleme lassen sich nach seiner Meinung zwar nie ganz abschaffen, aber der Aufwand werde stark reduziert. Für die erforderlichen hohen Vorleistungen wünscht er sich allerdings bessere staatliche Unterstützung.

Skeptisch gegenüber Standardprogrammen äußert sich auch H. A. Reimer, Prokurist der Interprogramm GmbH, Düsseldorf. Um Kosten und Ärger zu ersparen, empfiehlt er, vor dem Kaufentscheid eine genaue Systemanalyse durchzuführen und einen Forderungskatalog aufzustellen. "Bei der Mehrzahl aller Fälle", sagt Reimer, "stellt sich dann heraus, daß die Anpassung teurer wird als das Neuschneidern."

Vor der Vertragsunterzeichnung, rät Conrad, sollte der Interessent mit den Vergangenheitsdaten mehrerer Monate zum Anbieter gehen, und sie, wenn möglich, auf der gleichen Hardware-Konfiguration gegen Bezahlung durchrechnen lassen. Nur so werde die tatsächliche Leistung eines Paketes deutlich - und auch ab und zu eine Schwachstelle sichtbar. Eigene Mitarbeiter integriert er in die Installationsarbeiten, um bei späteren Modifizierungs- und Wartungsproblemen unabhängig von Externen zu sein, denn "diese Kosten kann man vermeiden".

Kritisch zur Preisgestaltung der Standard-Anbieter äußerten sich mehrere Anwender. "Goldene Nasen", so der Tenor, verdienten sich manche Software-Häuser nicht mit dem Verkauf ihrer Produkte, sondern erst mit der Implementierung und Modifizierung des Paketes: Vierstellige Tageshonorare für eigentlich selbstverständliche Installationsarbeiten scheinen keine Seltenheit. Selbst bei den von einigen Herstellern angebotenen Festpreisverträgen ist Wachsamkeit geboten. Durch sehr detaillierte Leistungsdefinitionen sind diese Verträge oftmals nur für eine Seite wasserdicht.

Um als Käufer nacht übervorteilt zu werden, empfiehlt Hans-Ulrich Nelte, Hauptabteilungsleiter DV der Krupp MAK-Maschinenbau GmbH, Kiel, den Rückgriff auf Musterverträge, wie sie zum Teil auch bei Behörden verwendet werden.

Trotz vielfacher Ansatzpunkte für Kritik sind sich die Anwender einig, daß der Einsatz von Standardsoftware unumgänglich ist.

Allerdings ist auch der Anwender oft nicht schuldlos an Mißgriffen: "Viele Gespräche, die ich führe, haben zum Inhalt, erst mal herauszufinden, was der Kunde eigentlich haben will", meint der Berater Helmut Steeb.