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24.03.1995

Das grosse Missverstaendnis

Als in den 60er Jahren junge Maedchen reihenweise in Ohnmacht fielen, wusste man, die Beatles koennen nicht weit sein. Wenn die ersten Dessous flogen, quirlte garantiert Mick Jagger seinen lasziven Koerper ueber die Buehne. Ich stand neiderfuellt dabei und wusste nicht, ob ich die Welt mit ihren Helden noch verstand.

Im ekstatischen Epizentrum einer Massenhysterie, in der ich als halbwegs unbewegter Mann zu bestehen suchte, sickerte mir nur noch ins Bewusstsein, dass die Verbindung von Sex, Drugs and Rock n' Roll sich wohl zu einer kritischen Masse ausbildet, die der Freisetzung von Energie unbedingt bedarf.

Das alles ist nicht neu. Neu ist, dass Legendenbildung nun auch in einem Metier betrieben wird, das denkbar ungeeignet schien als Grundierung fuer abgehobene Traeume.

Wir haben uns alle getaeuscht. Dieser Tage erobert ein offensichtlicher Megastar der DV-Szene die anscheinend vernebelten Gehirne eines hingebungswilligen Publikums und einer Medienschar, die sich in toto und kompromisslos dem Visionaer, dem Guru, dem Macher zu Fuessen wirft.

Bill, wir folgen Dir! Was als politisch moeglicherweise nicht ganz korrekte Losung daherkommt, gilt unbedingt fuer den Rummel, der heutzutage jeden Auftritt des Microsoft-Chefs begleitet. Es gilt nicht minder fuer die nachklappende Berichterstattung. Nuechtern ist dem Phaenomen Gates wohl nicht mehr beizukommen. Ein Mann geraet zur Lichtgestalt der Branche, ihm werden Etikettierungen angehaengt, die zwar superlativ, aber trotzdem nicht korrekt sind.

Weder hat Gates den dukatenscheissenden Esel, sprich das DOS- Betriebssystem, entwickelt. Noch hatte er als erster die Vision von den Informations at your fingertips. Wer Apples vor einem Jahrzehnt gedrehtes Knowledge-Navigator-Video kennt, weiss, dass mit Gates ein grosser Epigone am Werkeln ist. Gates entwickelte nicht die Idee fuer das Online-Business oder fuer Multimedia. Auch das Konzept einer anwenderfreundlichen grafischen Oberflaeche ist nicht seinem Kopf entsprungen.

Gates ist ein cleverer und intelligenter Geschaeftsmann, der sich erfolgreich an Trends haengt, die er nicht selbst vorgibt. Weswegen er als der geschaeftstuechtigste Trittbrettfahrer in die Geschichte eingehen duerfte.

Was das mit uns zu tun hat, warum das die DV-Szene beruehrt? Ekstatische Rockfans haben im Zweifelsfall zumindest eines: Spass. Die Branche, also auch die Microsoft-Konkurrenz, duerfte sehr wenig Gaudium haben an der Heiligsprechung des William H. Gates III. Seit dem Abschluss des unseligen Consent Decree zwischen Microsoft und dem US-Justizministerium wissen wir, dass es heilige Kuehe gibt, die nicht geschlachtet werden duerfen.

Je ergebener die Medien an der Legendenbildung mitwirken, desto mehr geraet Gates zum Tabu, das nicht mehr angetastet werden darf. Die Presse unterstuetzt auf diese Art ein Monopol, das dem Markt und damit den Anwendern nicht gut tun kann.