Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

04.02.2000 - 

Mobilfunkstandards der dritten Generation erhöhen den Datentransfer

Das Handy avanciert zur multimedialen Plattform

von Eckhard Rahlenbeck*

Hohe Wachstumserwartungen, aber auch umstrittene Zukunftsstandards prägen gegenwärtig die Diskussion im Mobilfunk. Eines ist jedoch sicher: Das Einheits-Handy ist tot. Die künftige Palette reicht von anspruchsvollen Smartphones für den professionellen Einsatz bis zu auf bestimmte Nutzertypen ausgerichteten Handsets für den Privatgebrauch.

Es heißt Abschied nehmen von massenmarktfähigen Universalgeräten im Mobilfunk. Diese Ansicht vertritt zumindest Rudi Lamprecht, Sprecher des Bereichsvorstandes des neuen Unternehmensbereiches Information and Communication Products der Siemens AG. An einer wesentlich stärkeren Diversifikation der Produktlinien führt für die Hersteller kein Weg vorbei. "Standard-Handys bieten heute für manche zu viel und für andere zu wenig an Funktionalität", sagt Lamprecht und setzt deshalb verstärkt auf die Entwicklung zielgruppenspezifischer Geräte.

Im Blickfeld der Strategie stehen die sogenannten vertikalen Marktsegmente. Im Klartext heißt das: Künftig wird es das Billig-Handy mit eingeschränkten Funktionen geben, das der Kunde sozusagen im Vorbeigehen am Wühltisch im Kaufhaus erwirbt. Auf der anderen Seite werden die Anbieter aber auch hochklassige Business-Handys mit Banking- und Transaktionsfunktionen produzieren, die eine Auswahl innovativer Datendienste enthalten. Denkbar ist zum Beispiel, die Mobiltelefone einer Versicherungsgesellschaft mit exklusiven Applikationen zu versehen, die Wettbewerbern nicht zur Verfügung stehen.

Der technologische Wandel, mit dem Gerätehersteller und TK-Dienstleister den Mobilfunkmarkt in den kommenden Jahren antreiben wollen, ist nicht risikofrei. Die Planungen sehen die schrittweise Einführung einer Kaskade neuer Übertragungs- und Vermittlungsstandards vor. Das betrifft zunächst die Aufrüststandards GPRS, HSCSD und EDGE (siehe Glossar) auf Basis des gegenwärtigen GSM-Systems und ab den Jahren 2002 und 2003 die Einführung der sogenannten dritten Mobilfunkgeneration (3G) mit einer komplett neuen Sendeinfrastruktur. Dabei wird die Integration der Paketvermittlung dem Austausch von Daten, Texten und Bildern via Handy wesentliche Vorteile bescheren. Da dann nur noch transferierte Bits und Bytes und nicht mehr Verbindungszeiten als Berechnungsgrundlage zählen, könnten Dienste immer online genutzt werden. Ferner wird die Sprach- und Bildqualität Verbesserungen erfahren.

Die vom Sachverständigenkreis der Bonner Regulierungsbehörde geäußerte Skepsis, "die Nachfrage nach mobilen Breitbanddiensten sei derzeit noch nicht abzusehen", teilt Siemens nicht. Dort hält man sich vielmehr an das Szenario des UMTS-Forums. Demnach gibt es im Jahre 2005 in Europa 200 Millionen Mobilfunkteilnehmer. Pro Teilnehmer und Monat werden dann durchschnittlich 32 MB genutzt. Doch die Gemeinschaft der Handy- und Smartphone-Nutzer wird alles andere als homogen sein. Zu den Heavy-Usern sind innerhalb dieser Nutzerschaft 32 Millionen Kunden zu rechnen, die verstärkt auf Breitbanddienste zugreifen und ein Verkehrsaufkommen von sogar rund 120 MB pro Kopf und Monat generieren. Mit anderen Worten, 2005 nutzen 16 Prozent der Mobilfunkteilnehmer Multimedia-Applikationen und generieren damit 60 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens.

Doch dank der Fortschritte bei der Datenkomprimierung darf eine verbesserte Übertragungsqualität bei verhältnismäßig geringeren Durchsatzraten erwartet werden. Siemens hält aufgrund neuester Kompressionsalgorithmen Videogespräche in guter Qualität mit Datenraten von nur 128 Kbit/s und sogar weniger für machbar.

Mittelfristig rechnen die Mobilfunkstrategen, dass die mobile Bild- und Videoübertragung einen beachtlichen Anteil am Verkehrsaufkommen ausmachen wird. Nur UMTS wird solche Kapazitäten für Echtzeit-Videogespräche in ausreichender Qualität bieten können. Die Marktstrategen setzen dabei stark auf jugendliche Nutzer, die jetzt schon die Zahl der Kurzmeldungen von Handy zu Handy allein in Deutschland monatlich auf 500 Millionen treiben. Im Zukunftsszenario hören und sehen sie Musikvideos oder bleiben durch kurze Videogespräche in Verbindung. "Ein mobil gefunkter Urlaubsgruß", so Lamprecht, "wird schneller und billiger beim Empfänger sein als die gute alte Ansichtskarte."

Doch bevor Handys der dritten Generation die Märkte erobern können, muss die bis in höchste politische Ebenen geführte Auseinandersetzung um international geltende Standards ein gütliches Ende gefunden haben. Die internationale Fernmeldeunion ITU hat versucht, die widerstrebende Normenvielfalt noch mit einer Superlösung IMT-2000 aufzufangen, die wohl eher schönfärberisch als Standardfamilie bezeichnet wird. IMT-2000 soll für die Spezifikationen gleich mehrerer Standards eine gemeinsame technische Lösung definieren. Dazu gehören die bereits zwischen Europa und Japan harmonisierte UMTS-Norm W-CDMA DS und der von den Amerikanern favorisierte Standard W-CDMA MS. Ein Fortbestand der Normenvielfalt würde aber die Stückkosten für die Geräte in prohibitive Höhen treiben. Die Frage bleibt: Kommt es zu einem Kompromiss an der Standardfront mit den USA?

Die Handys, Smartphones oder digitalen Assistenten der dritten Mobilfunkgeneration werden zumindest in der Anfangsphase auch herkömmliche GSM-Technik beinhalten, da die neuen UMTS-Netze vom Start weg nicht flächendeckend vorhanden sind. Eine solche Dualmode- oder Multimode-Ausstattung mit GSM nebst einem oder mehreren noch abzustimmenden 3G-Standards wird die Geräte mit Sicherheit teurer werden lassen als gewohnte GSM-Handys.

*Eckhard Rahlenbeck ist freier Journalist in Neckartenzlingen.

Glossar

GSM - Global System for Mobile Communication ist ein in Europa entwickelter, international weit verbreiteter Mobilfunkstandard mit einer Übertragungsleistung von 9600 Bit pro Sekunde.

GPRS - GPRS heißt General Packet Radio Service und ist ein Verfahren zur Erhöhung der Datengeschwindigkeit in GSM-Mobilfunknetzen. Noch in diesem Jahr werden in Deutschland zunächst 50 Kbit/s verfügbar sein, später rund 100 Kbit/s. Durch die Paketvermittlung bei der Übertragung bildet die Menge der ausgetauschten Daten und nicht die Verbindungszeit die Basis für die Gebührenberechnung.

EDGE - EDGE steht für Enhanced Data Rates for GSM Evolution. Dabei handelt es sich um eine Highspeed-Übertragungstechnik, die auf der Grundlage von GSM und GPRS durch neue Kanalcodierung Bandbreiten bis etwa 500 Kbit/s erreicht.

HSCSD - Das Verfahren High Speed Circuit Switches Data verwendet parallel acht GSM-Kanäle und erreicht damit eine Übertragungsrate von knapp 77 Kbit/s.

IMT-2000 - Von der ITU entwickelter Vorschlag, die von europäischer, japanischer und amerikanischer Seite favorisierten Normen der dritten Mobilfunkgeneration (3G) in einer Familie von Standards zu vereinigen.

UMTS - Universal Mobile Telecommunications System ist ein von europäischen Konsortien unterstützter Standard der dritten Mobilfunkgeneration (3G), der bis zu 200-mal schneller ist als die heutigen digitalen Mobilfunknetze. Die Einführung ist für 2002 geplant.