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29.10.1999 - 

Interview

"Das Hauptproblem sind sinnvolle Geschäftspläne"

Mit Jack Powers, Direktor des International Informatics Institute (IN3.org) und Conference-Chairman der Internet World in New York, sprach CW-Redakteur Wolfgang Terhörst.

CW: Sie haben einmal gesagt, es gebe zu viele Dilettanten, die über das Web schreiben. Wie meinen Sie das?

Powers: Das Verständnis des Internet resultiert bei den meisten Leuten aus Presseberichten. Die Publikumspresse, nicht so sehr die Fachpublikationen, setzt dabei stark auf Sensationsmeldungen. Sie interessiert sich hauptsächlich für Privacy und Pornografie. Dabei ist das Internet sehr viel komplexer, als es viele Menschen wahrnehmen.

CW: Welche Botschaft halten Sie denn für wichtiger?

Powers: Die wirkliche Herausforderung sind nicht heiß diskutierte Themen wie Bandbreite oder die Kosten des Internet-Zugangs. Das Hauptproblem liegt darin, sinnvolle, individuelle Geschäftspläne zu entwickeln. Und das gilt für kleine Firmen genauso wie für große. Ohne E-Mail-Adresse und eigene Website wird schon im nächsten Jahr kein US-Unternehmen mehr Geschäfte abwickeln können.

CW: Auch wenn Sie sagen, daß Privacy vielleicht ein überbewertetes Problem ist - gerade in Europa sorgt das Thema für viel Zündstoff.

Powers: In Amerika interessiert das tatsächlich niemanden. Wir haben Schwierigkeiten, Leute für eine Konferenz zu diesem Thema zu gewinnen. Die Konsumenten geben ihre Informationen ebenfalls freiwillig her. Das ist ein kulturelles Problem - übrigens gilt das auch für die Unternehmenskulturen.

CW: Welche Entwicklung steht für Sie als Conference-Chairman der Internet World derzeit im Mittelpunkt?

Powers: Was sich in den letzten Jahren radikal verändert hat, ist die Fokussierung auf Geschäftsmodelle. Die Technik ist in den Hintergrund getreten. Niemanden interessiert mehr die Frage, ob diese Hardware zehn Prozent besser ist als jene. Das Internet hat einen riesigen Markt entstehen lassen.

CW: Trotz aller rosigen E-Commerce-Prognosen: Heute sind weltweit erst zwei Prozent aller Menschen online.

Powers: In der Tat - und die Leute, die das Internet heute nutzen, waren schon immer die Vorreiter in der Anwendung neuer Medien, sei es Telefon oder Fax.

CW: Sie sprechen sogar von "Technopeasants", von "Technik-Landarbeitern". Warum ist es so schwierig, mehr Menschen, gerade in Afrika, Lateinamerika oder in den sozial schwächeren Schichten der westlichen Welt zu erreichen?

Powers: Sie können nicht quasi per Dekret die ganze Welt ans Internet anschließen. Aber nie zuvor war es auch für sozial benachteiligte Gruppen so leicht, sich eines Mediums zu bedienen und seine Vorteile zu nutzen, wie heute mit dem Internet. Wenn Sie über das Web Geschäfte abschließen oder nur Informationen einholen, weiß eben niemand, daß Sie in der Bronx wohnen. Die Zugangsbarrieren sind sehr niedrig, niemand kontrolliert das Internet, es ist organisch - fast wie eine Naturgewalt.

CW: Sollte der Staat mehr tun?

Powers: Wissen Sie, wir haben hier viele Diskussionen und viele Meetings - aber gewöhnlich hat sich das Thema, über das geredet wird, schon von selbst erledigt, wenn das Meeting vorbei ist. Staatliche Strukturen sind zu langsam, um der Dynamik des Internet wirklich gerecht zu werden.

CW: Wie wird das Internet in einigen Jahren aussehen?

Powers: Heute ist es immer noch im wesentlichen ein PC-dominiertes Medium. Aber wir sprechen zunehmend vom Wireless Internet, vom Set-top-box-Internet oder vom Screenphone-Internet. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die meisten Nutzer schon bald über den Fernseher ihre ersten Internet-Erfahrungen machen werden. Die alternativen Formen des Web-Zugangs werden interessante Herausforderungen mit sich bringen und das Web noch sehr viel alltäglicher erscheinen lassen als heute.

CW: Ihre fünf besten Tips für Unternehmen, die eine eigene Website planen?

Powers: Erstens: Seien Sie der Kunde. Setzen Sie sich an den Rechner, und stellen Sie sich vor, Sie seien der Besucher Ihrer Website. Zweitens: Kopieren Sie die besten Ideen. Schauen Sie sich erfolgreiche Websites an. Warum sollten Sie das Rad neu erfinden? Drittens: Verstehen Sie das Geschäftsmodell im Internet. Achten Sie auf Ihre bisherigen Kunden- und Händlerbeziehungen. Stoßen Sie niemanden voreilig vor den Kopf. Viertens: Passen Sie Ihre Logistik der weltweiten Präsenz an. Und fünftens: Kümmern Sie sich um das Sicherheitsbedürfnis Ihrer Kunden.