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28.01.1994

Das IBM-Empire schlaegt zurueck(Teil 2) Technologieguru verleiht fuer 1993 die Oscars fuer CPU-Architekturen

MUENCHEN (CW) - Immer zum Jahresende resuemiert Prozessorguru Michael Slater die Ereignisse des abgelaufenen Jahres und nennt die Sieger und Verlierer in einem zunehmend konkurrenztraechtigen Marktsegment. Der Herausgeber des "Microprocessor Report" versieht seine Oscar-Verleihung dabei durchaus mit einer originellen Note.

Im Zentrum des oeffentlichen Interesses sieht Slater auch IBM und die gemeinsam mit Motorola und Apple entwickelte Prozessorfamilie der Power-PC-Architektur. Diese verdient sich den Preis fuer diejenige Plattform in der Industrie, welche mit NT, Workplace OS/2, AIX, Solaris, Taligent und moeglicherweise auch Apples System 7 die meisten Betriebssysteme unterstuetzt.

1993 war auch deshalb ein gutes Jahr fuer das Herstellertriumvirat, weil Big Blue erste, mit der 601-Variante ausgestattete Systeme auslieferte und die 603-Version der neuen Architektur angekuendigt werden konnte. "Ueberschattet" wurden diese aus IBM-Sicht positiven Ereignisse durch das mit Abstand groesste Werbebudget, das im abgelaufenen Jahr in ein Produkt dieses Marktsegments investiert wurde. Auch hierfuer gab es eine "Auszeichnung".

Im Wettbewerb mit Intel-Prozessoren duerfte von Interesse sein, dass der fuer den Markt tragbarer Rechner gedachte Power-PC-Prozessor 603 ein erheblich besseres Preis-Leistungs-Verhaeltnis bietet als CPUs der X86-Familie. Bei ungefaehr gleicher Groesse wie ein 486- Baustein - und auf etwa der halben Flaeche der Low-cost- Prozessorvariante P54C des Pentium-Chips - bietet der 603 die Leistung von Intels Top-CPU. Damit ist der 603-RISC-Baustein erheblich kostenguenstiger als der P54C.

Naechste Power-PC-Generation kommt bald

Slaters Informationen zufolge kann man in den naechsten Monaten ferner die Einfuehrung der naechsten Generation der Power-PC- Architektur erwarten. Dieser 604-Prozessor ist nach IBM-Angaben ungefaehr zwei- bis dreimal so leistungsfaehig wie die jetzt angebotene 601-Variante. Mit ueber 200 Specint92 ist nach Meinung Slaters der 620-Baustein gar um den Faktor vier schneller als der 601. In Mengenstueckzahlen, glaubt Slater, werde der 604 im vierten Quartal 1994, der 620 im ersten Quartal 1995 auf den Markt kommen. Die mit Abstand hoechste Specfp92-Wertung und damit einen Preis fuer die schnell- ste Fliesskomma-Rechenleistung heimste zudem die Power2-Architektur ein. Bei dieser handelt es sich um die Multichip-Implementation der Power-Plattform, die auch unter der Bezeichnung Rios-2 bekannt ist.

Auch die Silicon-Graphics (SGI)-Tochter Mips Technologies Inc. (MTI) steht dreimal auf dem Treppchen: Der im Januar 1993 angekuendigte TFP-Prozessor hat eine Matrizenflaeche (die area) von 596 Quadratmillimetern, auf welcher allerdings zwei Chips untergebracht sind. Damit ist der Mips-Chip doppelt so gross wie der Pentium-Prozessor. Daraus resultieren die hoechsten Produktionskosten, was Slater eine weitere Trophaee wert ist. Gegenueber den 160 Dollar, die etwa fuer DECs 21064A-CPU zu veranschlagen sind, nehmen sich die rund 1000 Dollar des TFP durchaus handfest aus. Jedoch wird der TFP in Zukunft wohl eher Spezialanwendungen bedienen.

Das Hauptgeschaeft duerfte MTI mit seinen niedrigpreisigen CPUs machen. Auch diesbezueglich weiss der Technologieguru Mips fuer eine Wuerdigung gut: Mit dem R4200, der sein Debuet 1993 feierte, bietet Mips nicht allein einen Prozessor, der an die Fliesskomma- Rechenleistung eines 60-Megahertz-Pentiums heranreicht - was wiederum nichts anderes heisst, als dass es sich hier um einen interessanten Prozessor fuer Microsofts NT-Betriebssystem handelt. Mit 80 Dollar Produktionskosten bei 1000er Stueckzahlen ist der Mips-Chip momentan auch unschlagbar preiswert.

Intel-860-CPU ist so gut wie tot

Auch bei der Miniaturisierung haben Mips-Architekten die Nase vorn: Lizenznehmer IDT schoss mit dem nur 77 Quadratmillimeter grossen R4600 - Codename Orion - den Vogel ab. Das ist zwar nur ein einziger Quadratmillimeter weniger als beim R4200, doch mit 100 Megahertz Taktrate weist der IDT-Prozessor deutlich hoehere Spec- Werte auf. Erste Systemhersteller wie Deskstation haben fuer das gerade angelaufene Quartal darueber hinaus schon Boxen mit der 133- Megahertz-Variante des R4600 angekuendigt - IDT hat sich diesbezueglich allerdings noch nicht offiziell geaeussert. Damit wuerde der kleinste RISC-Chip leistungsmaessig an das momentane Topmodell von Mips, den R4400 mit 150 Megahertz, heranreichen.

Bis der T5, MTIs CPU der naechsten Generation, im Fruehjahr 1995 kommt, will Mips die Leistung durch einen bereits auf der Comdex praesentierten R4400 mit 200 Megahertz ausreizen. In Mengen sei dieser Prozessor Mitte 1994 verfuegbar.

Was zu einem eher traurigen Kapitel der Prozessorszene fuehrt: Wegen seiner Architektur von Branchenkennern mit viel Lob bedacht, scheint Motorolas 88110-RISC-Prozessor zum Sterben verurteilt. Zum einen liess die CPU seit der ersten Ankuendigung 27 Monate auf sich warten, was ihr den Titel fuer das am laengsten in der Warteschleife haengende Produkt eintrug. Zum anderen begann Motorola erst jetzt, eine 50-Megahertz-Variante auszuliefern. Ferner mehren sich die Anzeichen, dass nun auch Data General als einziger verbliebener bedeutenderer Systemhersteller die Loyalitaet zur Motorola- Architektur aufkuendigt. Damit verdient sich Motorolas 88110- Prozessor nach Meinung von Slater einen Zombie-Award.

Schon 1992 galt Intels 860-RISC-Chip als tot. Gedanken ueber ihn macht sich Slater nur mehr bezueglich einer passenden Grabinschrift.

(wird fortgesetzt)