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11.01.1980

Das Image der EDV-Leute muß aufpoliert werden

"Obwohl in der Öffentlichkeit die Problematik in und um die Datenverarbeitung immer häufiger diskutiert wird und selbst das Fernsehen bereits EDV-Einführungskurse abhielt", echauffiert sich Peter Lutze, DV-Chef bei der Landis & Gyr GmbH in Frankfurt, "ist es nach wie vor eine Frage fehlender Information, wie heute "Lieschen Müller" die EDV sieht. "Erich Tischlinger von der Bleyle KG in Stuttgart bedauert, daß der Mann auf der Straße den DV-Job noch immer im Mystischen ansiedele: "In der Vorstellung unserer Mitmenschen sind wir wie eh und je unantastbar und unfehlbar und gehen hexenmeisterlichen Tätigkeiten nach." In den Unternehmen scheint allerdings das Bild der DV-Leute inzwischen realistischere Züge angenommen zu haben. "Denn", so der Leiter der Datenverarbeitung bei der Spar-Zentrale, Bad Hersfeld, Hans Ruppel "die Zeiten, in denen Datenverarbeiter fast Narrenfreiheit genießen durften, gehören seit einer Weile der Vergangenheit an." ha

Peter Lutze, EDV-Leiter Landis & Gyr GmbH, Frankfurt

Das Image der EDV-Leute ist, häufig durch negative Erfahrungen Außenstehender geprägt. Sei es, daß jemand im eigenen Unternehmen Schwierigkeiten mit der Datenverarbeitung bekam oder beispielsweise nur eine komplizierte oder gar falsche Gasrechnung erhielt. Derartiger Mißmut überträgt sich natürlich auch auf das Ansehen der in der DV Beschäftigten. Obwohl in der Öffentlichkeit die Problematik in und um die Datenverarbeitung immer häufiger diskutiert wird und selbst das Fernsehen bereits DV-Einführungskurse abhielt, ist es nach wie vor eine Frage fehlender Information, wie heute "Lieschen Müller" die EDV sieht.

Prinzipiell wird "draußen'; wohl die Meinung vertreten, daß in der Datenverarbeitung viel Geld verdient wird. Hinsichtlich unseres Jobs vermutet man immer noch eine Art Geheimwissenschaft. Mit anderen Worten: An der Maschine steht der Mann mit Zauberstab und schwarzem Zylinder. Aber für dieses Image haben schließlich die meisten EDV-Leute innerhalb der letzten Jahre selbst eine Menge getan. Das Motto hieß: Bloß nicht in die Karten gucken lassen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Leute relativ schnell auftauen, wenn man sich mit ihnen intensiver befaßt. Das heißt, wenn man die EDV mehr "vermenschlicht", dann findet man meist offene Ohren. Gesprächspartner erkennen dann oftmals die auch für sie positiven Seiten der Datenverarbeitung und gestehen, daß sie bislang infolge fehlender Information eine völlig falsche Vorstellung von unserem Beruf hatten. Dies betrifft sowohl Mitarbeiter im eigenen Unternehmen als auch den Mann auf der Straße.

Hans Ruppel, EDV-Leiter, Spar Zentrale Nordhessen, Ensslin Handels GmbH, Bad Hersfeld

Als betroffener Datenverarbeiter fällt es naturgemäß schwer, etwas über das eigene Image zu sagen. Dies um so mehr, da ich mir über dieses Thema eigentlich nie Gedanken gemacht habe.

Es gibt kein Image der Datenverarbeitung - es gibt gute DV-Bereiche mit gutem Image und weniger gute DV-Bereiche mit weniger gutem Image. Dies kann aber immer nur bezogen auf die jeweilige Organisation und das nahe Umfeld gültig sein. Da, wo es nicht bereits heute der Fall ist, sollte man sich darauf einstellen, den Bereich Datenverarbeitung wie jede andere Fachabteilung eines Unternehmens zu sehen. Die Zeiten, in denen Datenverarbeiter fast Narrenfreiheit genießen durften, gehören der Vergangenheit an. Dies ist vor allem dadurch bedingt, daß gerade die übrigen Fachabteilungen an hohes Maß an Wissen über DV-Abläufe gewonnen haben. Andererseits wird auch künftig die Gattung der Programmierer abnehmen, die sich durch extrem individuelle Programmierung unersetzbar gemacht hat.

In der Öffentlichkeit wird das Image der DV zum Teil noch heute durch die Vorstellung des allwissenden Computers geprägt. Hinzu kommt die schwierige Wertung des Datenschutzes. Hier kann nur eine vernünftige Information durch die Medien Abhilfe schaffen.

Dietrich Brömmert, EDV-Leiter, Sohnlein Rheingold KG, Wiesbaden

Ein Betroffener kann die Frage nach dem eigenen Image sicher nicht leicht beantworten. Können wir es überhaupt richtig erkennen, oder sehen wir es so, wie wir gerne sein möchten? Von der DV Betroffene und die Nicht-Betroffenen urteil über uns. Der Personenkreis der Nicht-Betroffenen ist mittlerweile so geschrumpft, daß unser Image von ihnen kaum mehr angekratzt werden kann. Wir dürfen ihn also vernachlässigen.

Die zweite Gruppe ist für unser Image schon brisanter, da sie vom Säugling, den wir mit dem Geburtsschein versehen (den er nicht lesen kann), über den Kanzler, dem wir die Stromrechnung schreiben (die er ebenfalls nicht lesen kann), bis zum Verstorbenen, dem wir den Totenschein ausstellen (den er nicht mehr lesen kann), reicht.

Was soll's, das kann man doch ändern, werden Sie sagen! Aber es geht noch weiter.

Da sind jene, die beim Reisen in den Ostblock erwischt und gespeichert werden.

Und jene, die unberechtigte Mahnungen bekommen. Da sind die Falschparker, denen wir den Strafzettel schreiben. Und da sind, o Schreck laß nach, diejenigen, die in Efensburg ihr Punktekonto gepflegt bekommen.

Da sind noch die bösen Buben, die heimtückisch die Rundungsdifferenzen auf ihr Konto überweisen (diese Story sollte bald wegen Überalterung durch eine bessere ersetzt werden). Und jene, die die mühselig gesammelten Adressen an die Konkurrenz verkaufen.

Andere lamentieren, daß schon wieder eins Komma soundsoviel Prozent vom Umsatz verpraßt wurden und daß nur Blödsinn produziert wurde.

Und jene, die es schon immer besser, schneller, genauer konnten sowie jene, die wir mit neuen Abläufen aus ihrem Büroschlaf weckten.

Sie sehen, mit unserem Image scheint es nicht gut zu stehen.

Vielleicht hätten wir auf unsere Eltern hören und etwas Gescheites lernen sollen.

Oder wir sollten, wie die Pfadfinder, täglich eine gute Tat voll bringen.

Vielleicht sollten wir ganz einfach unsere Mitmenschen besser aufklären. Aber wer glaubt schon jemandem, der Steuerbescheide mit 0,00 Mark anmahnt?

Vielleicht würden wir in Zukunft besser den Hinterausgang benutzen.

Vielleicht finden wir aber noch jemanden, der uns mag.

Erich Tischlinger, Bereichsleiter Finanz- und Rechnungswesen, Systemplanung und Programmierung, Bleyle KG, Stuttgart

Obwohl es heute bereits im EDV-Bereich klar definierte Berufsbilder mit klar umrissenen Qualifikationsmerkmalen gibt, weiß der Mann auf der Straße noch immer nicht was ein Systemanalytiker, ein Systemplaner oder EDV-Organisator überhaupt ist. Wenn man bei irgendeinem Anlaß als EDV-Mann über seinen Beruf spricht, so wird man in der Regel als Programmierer eingestuft. Hier können sich Außenstehende schon eher etwas darunter vorstellen. Viele Mitbürger sehen allerdings den Job des EDV-Mannes noch immer im mystischen Bereich. Assoziationen beginnen mit dem weißen Kittel und hören mit dem Rechenschieber in der linken Tasche auf. In der Vorstellung unserer Mitmenschen sind wir (etwas überspitzt formuliert) unantastbar und unfehlbar und gehen hexenmeisterlichen Tätigkeiten nach. Dieser fade Beigeschmack stammt noch aus der Zeit der Tabelliermaschinen sowie der ersten Computergeneration.

Ein wichtiger Punkt bei dieser Meinungsbildung ist die Computerwerbung. Bei der Werbung für den Computer steht prinzipiell der Computer selbst im Vordergrund. Daß Voraussetzungen geschaffen werden müssen, vor allem im organisatorischen und personellen Bereich, wird meiner Einsicht nach nicht genügend dargestellt. Der völlig unvorbelastete Leser einer Computer-Anzeige meint: Ein Computer plus Programmierer, zusätzlich vielleicht noch ein paar Locherinnen, und die Sache läuft. Unterlaufen Fehler oder Pannen, so wird immer der Computer und nicht das Personal (Operator, Programmierer oder auch EDV-Organisator) als der Schuldige hingestellt. "Der Computer hat sich geirrt", liest man dann in den Entschuldigungsformularen deutscher Ämter oder Unternehmen.

Dieter Leicht, Leiter Organisastion und Programmierung, Lingner & Fischer GmbH, Bühl

Durch die schnelle Entwicklung der Computertechnik erschließen sich immer neue Anwendungsmöglichkeiten. Erwartungen wurden geweckt und die Administration soll weitgehenddurch Computereinsatz entlastet werden.

Dieser hohe Anspruch sehlummert in so manchen Herzen, ließ neue Berufe entstehen und führte vor allem aber grundsätzliche Veränderungen mit sich. Unsere Computerwelt ist standig im Wandel und permanenten Neuerungen ausgesetzt.

Das Interesse und Verständnis der direkt oder indirekt Betroffenen im "Benutzerradius" des Computers wurde jedoch für alltägliche Probleme bislang noch nicht geweckt. Häufig liest man in den Behördenformularen: "Unser Computer hat beschlossen, daß...." Das verwirrt natürlich mehr den "Otto-Normal-Verbraucher", als es ihn dem Computer näherbringt beziehungsweise ihn aufklärt.

Glorifizierung des Computergeschäfts, mangelnde Transparenz, Überforderung und Verunsicherung durch die Nichteinschätzbarkeit von technischen Neuerungen für den Nichtfachmann führen weiterhin zur Distanzierung.

Durch die in der Presse geführten Diskussionen über Mikroprozessoren, Datenschutz und -mißbrauch sowie über Arbeitsplatzbelastung durch Terminaleinsatz wird das Image der EDV belastet. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn sich beim Mann auf der Straße Widerstand regt, ein Negativimage der EDV-Leute aufgebaut wird und ein gelegentliches Abkapseln beider Seiten gefördert wird. Diese Problematik ist jederort feststellbar. Nur durch qualifizierte Information der indirekt Betroffenen und deren Einbeziehung in eventuelle Entscheidungsprozesse ist dieses Problem lösbar.

Das meiner Meinung nach gute Image der EDV-Leute sehe ich trotzdem insgesamt ungefährdet. Ich halte es jedoch für erforderlich, prinzipiell umzudenken, wenn man nicht von der technischen Entwicklung überrollt werden will.