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18.02.1994

Das Imperium schlaegt zurueck

Donnerwetter, das haetten viele Kritiker der Telekom gar nicht zugetraut! Zumindest wirkt das, was die Bonner zusammen mit France Telecom nun als eine Art "europaeische High-Bandwith- Gegenoffensive" zu Bill Clintons Vision einer neuen Technologiepolitik praesentierten, halbwegs serioes und von der strategischen Ausrichtung her schluessig und nachvollziehbar. Sage da noch einer, die Mannen um Helmut Ricke wuessten nicht, worauf es in zukuenftigen Maerkten ankommt! Es muss also zunaechst Abbitte geleistet werden - auch an dieser Stelle.

Bei aller Euphorie um die Information-Highways nuetzt es den Anwendern jedoch herzlich wenig, wie derzeit fast akademisch anmutend ueber scheinbar essentielle Themen wie "Fibre to the Curb", "Fiber to the Building" beziehungsweise "Fibre to the Home" diskutiert wird. Nicht die Glasfaser bis zum Endkunden, sondern die Tatsache, dass zukuenftige Multimedia-Dienstleister eine geeignete Netzinfrastruktur benoetigen und diese zu einem vernuenftigen Preis bereitstellen koennen, ist letztlich entscheidend. Dabei wird zumindest fuer die sogenannten Consumer- Multimedia-Dienste wie Pay-TV und Teleshopping das gute alte Kupfer-Telefonnetz noch laengere Zeit gute Dienste leisten muessen und auch koennen. Gleichzeitig gilt es aber, die optischen Uebertragungsstrecken ueberregional und im Bereich der Teilnehmeranschlussnetze fuer Dienste wie Breitband-ISDN, Datex-M und spaetere Uebertragungsverfahren wie ATM weiter auszubauen - alles Services, auf die Geschaeftskunden unabhaengig von unterschiedlichen Produktnamen diesseits wie jenseits des grossen Teiches schon laengst warten, sofern sie, man muss es wiederholen, bezahlbar sind.

Genau hier ist aber die Achillesferse des europaeischen und vor allem auch nordamerikanischen Ansatzes einer neuen Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Niemand weiss jedenfalls, woher die von der EU-Kommission wie von der Clinton- Administration veranschlagten Milliarden an Investitionen fuer den Bau digitaler Datenautobahnen kommen sollen. Was es indes kostet, quasi aus privater Hand ein auch nur annaehernd die Bezeichnung flaechendeckend verdienendes Glasfasernetz aus dem Boden zu stampfen, kann anhand des OPAL-Projektes der Telekom in den neuen Bundeslaendern nachgerechnet werden.

Zu hinterfragen bleibt auch, welche Anwendungen kuenftig sinnvoll und ueberhaupt wuenschenswert sind, insbesondere im privaten Consumer-Markt. Dabei sollte es weniger um den Blickwinkel diverser Compuserve-Juenger und Internet-Fanatiker gehen als vielmehr um den Aspekt, was neue Informationstechniken gesellschaftspolitisch bewirken koennen - vom Datenschutz einmal ganz abgesehen. "Triviale Teleprodukte haben zahlenmaessig den groessten Erfolg. Davon werden die Multimedia-Netze noch mehr bieten - frei Haus und billig", schreibt die Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" in einer Analyse, ueber die man zumindest am Rande schoener Zukunftsszenarien einmal nachdenken sollte.