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Internationaler Arbeitsmarkt wenig attraktiv


21.02.1992 - 

Das Interesse der Deutschen an Auslandsjobs läßt spürbar nach

FRANKFURT/M. (hk) - Die allgemeine Wirtschaftskrise und die sich verschärfenden. Arbeitsgesetzregelungen halten deutsche Arbeitnehmer davon ab, im Ausland ihre Brötchen zu verdienen. Erstmals wurden, so Ergebnis der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Frankfurt (ZAV), erheblich mehr ausländische Arbeitnehmer nach Deutschland als Deutsche ins Ausland vermittelt.

1991 hat die Auslandsabteilung der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) rund 10 000 Stellen von und nach dem Ausland vermittelt, das sind 1000 weniger als 1990. Von den insgesamt 10 382 Personen waren laut ZAV 1706 (16 Prozent) Deutsche, die eine Arbeit im Ausland aufgenommen haben, und 8676 (84 Prozent) Ausländer, die in der Bundesrepublik Beschäftigung fanden.

Das Ungleichgewicht erkläre sich nach Auffassung von Günther Schauenberg, Leiter der Auslandsabteilung bei der ZAV, durch den in verschiedenen Wirtschaftszweigen herrschenden Arbeitskräftemangel in der Bundesrepublik, der bei ungleich höheren Einkommen als in anderen Ländern ausländische Arbeitnehmer anzieht.

Speziell bei den Führungskräften sei die Zahl der Vermittlungen um 200 auf 510 zurückgegangen. Die ZAV begründet diesen Rückgang mit der nachlassenden Nachfrage aus de m Ausland, aber auch mit dem stark zurückgehenden Bewerberinteresse. Die Deutschen merken nämlich, daß ihr Land "eine Oase der Seligen" ist, so Schauenberg.

Das größte Kontingent an deutschen Fach- und Führungskräften, die im Ausland, tätig sind, stellten die Lehrer mit 28 Prozent, gefolgt von Ingenieuren (20 Prozent), Medizinern (13 Prozent) und Wirtschaftswissenschaftlern (zwölf Prozent).

Schauenberg bestätigt, daß das Interesse der Deutschen, im

Ausland zu, arbeiten, vordergründig groß sei, immerhin gebe es über

120 000 Anfragen pro Jahr. Allerdings "sind nur fünf Prozent vermittlungsfähig", so der Frankfurter.

Diese Diskrepanz hänge unter anderem damit zusammen, daß es bei vielen Bewerbern an den nötigen Sprachkenntnissen fehle und daß sie die wirtschaftliche oder soziale Situation des Landes, in dem sie arbeiten wollen, nicht ausreichend beachteten. "Wenn der Bewerber hört, daß es in den USA höchstens 14 Tage Urlaub im Jahr gibt und daß die Bezahlung schlechter ist, läßt das Interesse sehr schnell nach", weiß Schauenberg.

Hinzu komme, daß aufgrund der sich verschlechternden wirtschaftlichen Situation viele Länder die Gesetze für ausländische Arbeitnehmer verschärften.

Ohne eine Prozentzahl nennen zu wollen, gibt der Frankfurter Behördenchef allerdings zu, daß der Anteil der ZAV an Vermittlungen von Führungskräften ins Ausland "gering" ist. Dies betreffe vor allem Osteuropa. 1991 wurden sieben deutsche Führungskräfte in die ehemaligen RGW-Staaten vermittelt, wobei das Gehalt in den meisten Fällen von der Bundesrepublik gezahlt wurde. Darüber hinaus initiierte die ZAV sogenannte Gastarbeitnehmer-programme, die eine Beschäftigungsdauer in Deutschland zwischen zwölf und 18 Monaten ermöglichen. Konkret bedeutete dies, daß aus Ungarn, Polen und der CSFR jeweils 1000 Arbeitnehmer hier arbeiteten.

Ab diesem Jahr wird sich die ZAV eigenen Angaben zufolge einer zusätzlichen Aufgabe widmen, nämlich die Vermittlung von ausländischen Führungskräften nach Deutschland. Bereits seit vorigem Jahr betätigt man sich als eine Art Clearingstelle für Saisonkräfte aus Osteuropa. Hier reisten 1991 rund 130 000 Arbeitnehmer für eine dreimonatige Beschäftigung ein.