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14.06.1996 - 

Anwenderschulung/

Das Internet bietet Chancen für die eigene Weiterbildung

"Arbeitslosigkeit ist kein Randschicksal mehr, sie betrifft potentiell alle", stellt Professor Ulrich Beck aus München fest. Der Soziologe erläutert in einem Essay im "Spiegel", daß es zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr um die Umverteilung von Arbeit, sondern um die Umverteilung von Arbeitslosigkeit gehe - auch verdeckt in neuen Mischformen von Arbeitslosigkeit und Beschäftigung wie befristete, geringfügige oder Teilzeitarbeit.

Die Deutschen gelten allgemein als sehr gut ausgebildet - doch schreitet die technologische Entwicklung so rasant und unaufhaltsam voran, daß konsequentes, durchgängiges Lernen nun ein Gebot der Stunde ist. Gefordert sind auch eine erhöhte Flexibilität im Denken sowie der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Auch die Dienstleistungsgesellschaft ist im Zeitalter der Information und Kommunikation kein Garant für neue Arbeitsplätze: Tele-Banking zum Beispiel vernichtet Arbeitsplätze im klassischen Dienstleistungssektor des Filialbetriebs bei Banken, die Telekom - als nur ein Beispiel - baut bei gleichzeitiger Ausweitung des Angebots Arbeitsplätze ab, Unternehmen nutzen die Globalisierung zur Verlagerung ganzer Abteilungen ins Ausland, denn Deutschlands Arbeit ist zu teuer und somit unrentabel geworden.

Die Möglichkeiten und Einflüsse, die im folgenden am Beispiel der Datenverarbeitung aufgezeigt werden, gelten - mit nur leichten Abwandlungen - auch für andere Branchen und Bereiche.

Die Fußsoldaten der Informationswirtschaft

Denn auch die Datenverarbeitung bleibt nicht verschont. Zitat von Robert Reich, US-Volkswirtschaftler und Arbeitsminister der Clinton-Administration, im Beck-Essay: "Tatsächlich lautet - im Widerspruch zu den Propheten der Informationsgesellschaft, die einen Überfluß an hochbezahlten Jobs sogar für Leute mit einfachen Ausbildungen voraussagten - die ernüchternde Wahrheit, daß selbst zahlreiche Arbeitsplätze bei der Datenverarbeitung schlechtbezahlte Routinetätigkeiten werden. Die Fußsoldaten der Informationswirtschaft sind in Hinterzimmern sitzende Horden von Datenverarbeitern, die über Computer-Terminals in weltweiten Datenbanken arbeiten."

Zum einen trifft es in dieser Branche wohl zuerst die Jobs der einfachen Dienstleistung: Datentypisten und -innen zum Beispiel. Noch 1990 waren laut Marktforschungsinstitut Prognos über alle Branchen hinweg auf gut einem Viertel aller Arbeitsplätze Un- und Angelernte tätig. Dieser Wert wird sich bis zum Jahr 2010 auf 13 Prozent halbieren.

Global Outsourcing heißt das Schlagwort, das bei Kosten pro Arbeitsstunde um maximal zehn Mark in Südostasien für solche Leistungen zunehmend in das Repertoire der Unternehmensführungen Eingang findet. Deutschlands Arbeitskräfte müßten also entweder qualifizierter oder billiger werden. Hohe Löhne für einfache Jobs sind im weltweiten Wettbewerb untragbar.

Doch auch höherqualifizierte Arbeiten unterliegen zunehmend dem globalen Kalkulationsansatz. Die Kostensätze für Programmierstunden ausgebildeter Informatiker beginnen beispielsweise in Indien bei zwölf Dollar und bewegen sich bei hervorragender Qualität bis maximal 35 Dollar inklusive Nebenkosten. Im Verhältnis zu den hierzulande geltenden Sätzen mit einem Minimum von 50 Mark sind diese Werte äußerst attraktiv.

Das Szenario an sich ist also klar: Die immobile "faule Haut" hat überall - und auch in der Informatik - ausgedient. Es existiert keine Garantie mehr für einen Lebensarbeitsplatz, vor allem nicht ohne ständige Weiterbildung. Und hier heißt es zu schauen, was Informatik und Kommunikation anzubieten haben. Informatiker haben es da leichter, weil ihnen der Zugang zu den neuen Medien offensteht. Anwender anderer Branchen tun sich schwer, doch schießen die Kurse zum Thema Internet wie Pilze aus dem Boden.

Ist ein Arbeitsplatz bedroht, scheint es in vielen Fällen bereits zu spät zur Weiterbildung. Die Suche nach einem neuen Job beginnt. So bietet beispielsweise der Web-Server http://www.dv-job.de spezialisierte Stellenangebote für DV-Berufe, fein säuberlich nach Postleitzahlen-Bereich gegliedert.

Die Personalanzeigen erscheinen schon am Tag der Buchung im Internet. Die Trägerin DV-Job.de index GmbH aus Berlin führt Stellenangebote, veröffentlicht Gesuche und bietet auch Tips zum Thema Bewerbung - inklusive Informationen zum Gehalt - oder Personalberatung.

Die Seiten der Jobs & Adverts Online GmbH führen hingegen nicht nur DV-Berufe auf. Von technischen Sparten über Medienberufe, Banken, Vertrieb, Naturwissenschaften bis hin zu kaufmännischen Berufen soll das Angebot konstant ausgeweitet werden. Mitte Mai dieses Jahres gab es hier insgesamt 2000 offene Stellen. Häufig werden auch hier DV-Kenntnisse gefordert.

Doch die Jobsuche allein bringt die strukturelle Umwandlung nicht voran, wenngleich es sicherlich beruhigt, daß es in diesem Bereich noch offene Stellen gibt. Nach Meinung von Werner Kraus, Geschäftsführer von MDD aus Wiesbaden, ist auch inhaltliches Umdenken seitens aller Beteiligten notwendig.

Seine GmbH befaßt sich mit Unternehmensberatung und der Vermittlung weltweiter DV-Leistungen. Speziell für diese Branche gilt: "Angesichts des immensen Potentials an qualifiziertem DV- Personal in Schwellen- und Drittländern ist es angebracht, über Arbeitsinhalte nachzudenken", so der Manager. Es sei zu überlegen, sich hierzulande auf die Planung und Konzeption der Projekte zu spezialisieren und die operative Durchführung dahin zu verlagern, wo sie billiger ist.

Damit berührt Kraus einen Themenkreis, der in seinen Auswirkungen vielfach noch nicht gesehen oder schlichtweg ignoriert wird. Der Lebensberuf im Sinne unserer Vorväter existiert nicht mehr - und auch daher rühren viele Ängste um den Arbeitsplatz. Vor allem ältere Menschen fühlen sich durch neue Anforderungen an die Jobs und die Gefahr des Arbeitsplatzverlusts in ihrem Selbstwertgefühl getroffen.

In vielen Städten bilden sich inzwischen entsprechende Gruppen, deren Mitglieder durchaus auch aus hochqualifizierten Berufen und Ausbildungszweigen stammen. Hier bieten Sozialträger und Kirchen, die übrigens ebenfalls im Internet über Suchmaschinen wie "Dino" unter http://www.gwdg.de/ifbg/suche.html leicht zu erreichen sind, Adressen sowie Beratung.

Ein Faktor ist systemimmanent: Die Initiative zur Weiterbildung sollte heutzutage tunlichst vom Mitarbeiter selbst ausgehen. Angesichts knapper Budgets schikken Unternehmen häufig nur den Mitarbeiter zu einem Kurs, der sich vorab genauestens informiert hat und mit dem notwendigen Nachdruck hinter seiner Sache steht.

Das Angebot an Ausbildungsträgern ist ebenso vielfältig wie die Themenliste: Hier auszuwählen erfordert viel Geduld, denn wie fast überall finden sich schwarze Schafe auch in dieser Branche. Ein ausführliches Vorgespräch, der intensive Blick auf die zur Ausbildung vorhandenen Hard- und Software und auch die Hin- terfragung der Qualifikation des Ausbilders schaffen ein klares Bild.

So sind zum Beispiel die sogenannten Übungsfirmen - fiktive Unternehmen, die Praxiswissen vermitteln sollen - teils böse in die Schlagzeilen geraten. Immerhin gibt es in diesem Markt laut dem "Spiegel" rund 860 Unternehmen, die mit Übungsfirmen der Ausbildung dienen, finanziert von Gewerkschaften, Handelskammern, dem Kolpingwerk oder privaten Trägern. Der Vorwurf: Die Ausbilder seien häufig pädagogisch nicht geschult, die erlernten Arbeitsabläufe zu starr und fern der Wirklichkeit.

Es gibt eine Alternative, die allerdings noch mehr privates Engagement verlangt: Das Internet bietet sich allen Interessierten mit Unmengen von Material sowie - über Newsgroups - konkreten Kursen an. Diese Kurse sind meist geschlossene Nutzergruppen, so daß man zum einen intensiv suchen, zum anderen auch eine Anmeldung erfolgen muß.

Auch zu allgemeinen Themen des Berufs- und Arbeitslebens bieten die Benutzergruppen und die Foren der Internet-Provider genügend Stoff, um up to date zu bleiben. Leute, die sich diesen Wissensvorsprung erarbeiten, sind garantiert gefragt.

Die Welt nimmt dörfliche Strukturen an - dies gilt es zu nutzen. Was früher einmal die Dorflinde als Treffpunkt zum Gedankenaustausch und zur Weitergabe von Wissen und Erfahrung war, ist heute das Internet. Die Informatiker und DV-Spezialisten jeglicher Couleur sitzen hier - im Gegensatz zu allen anderen Branchen - direkt an der Quelle.

Sie sollten sich auch in ihrem Job einer Folgerung von Professor Beck bewußt sein: "Immer weniger gut ausgebildete, global austauschbare Menschen können immer mehr Leistungen und Dienste erbringen." Der Konkurrenzkampf mag manchem brutal hart erscheinen, doch entwickelt er auch positive Kennzeichen: Er ist in einem ständigen Wandel begriffen, ist von klaren wirtschaftlichen Grundregeln geprägt und bietet letztlich mehr Chancen.

Kurz & bündig

Offiziell über vier Millionen Arbeitslose allein in Deutschland, in den verschiedenen Branchen über die Jahre hin sechsstellige Zahlen zum Beschäftigungsabbau - und ein Ende ist nicht in Sicht. Dennoch gibt es Hoffnungsträger wie die Informations- und Kommunikationsbranche. Aber auch hier weht ein kräftiger Wind. Bessere Qualifikation allerdings sichert den Job nicht allein. Flexibilität und Denken in Zusammenhängen sind genauso gefragt.

Verschiebungen am Stellenmarkt

Die Stellenangebote verteilen sich in der DV laut einer Studie des EMC Medienservice Mitterholzer im Gesamtjahr 1995 auf 42 Prozent Informatiker, 26 Prozent DV-Fachleute ohne Studium, zehn Prozent Ingenieure, fünf Prozent Wirtschaftswissenschaftler und 17 Prozent mit anderen Qualifikationen.

Die Nachfrage nach Informatikern und Ingenieuren ist im vergangenen Jahr in Deutschland laut einer Statistik der Bundesanstalt für Arbeit um sieben bis zehn Prozent gestiegen, nach Mitarbeitern anderer Fachrichtungen indes um einige Punkte gesunken.

Das Lohnniveau ist differenziert nicht nur nach Tätigkeitsbereich, sondern auch nach Region und Praxiserfahrung sowie Sonderausbildungen. Das Geva-Institut aus München erstellt für knapp 50 Mark eine Gehaltsanalyse. Der entsprechende Fragebogen ist entweder unter dem Kennwort DV-Job.de per Post oder online unter http://www.dv-job.de/dv-rat4.html abrufbar.

*Horst-Joachim Hoffmann ist freier Fachjournalist in München.