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31.01.1997 - 

Interview

"Das Internet hat den Blick auf das Netzwerk verändert"

Mit Joe Marengi, President der Novell Inc., sprach CW-Redakteur Peter GruberCW: Welche Bilanz ziehen Sie nach knapp einem halben Jahr im Amt als President von Novell?

Marengi: Bei Novell hat sich einiges bewegt. Es ist uns vor allem gelungen, unsere Marschroute für die Novell Directory Services (NDS) endgültig festzulegen, publik zu machen und auch das Interesse der Entwickler und Kunden an NDS zu wecken. Aus meiner Sicht ist das die wichtigste Weichenstellung der letzten Monate, weil wir dieses Juwel der Novell-Entwicklung in der Vergangenheit etwas stiefmütterlich behandelt haben. Außerdem haben wir alle wichtigen Produkte rechtzeitig auf den Markt gebracht. Insofern bin ich zufrieden, aber wir haben keinen Grund, uns auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen.

CW: Novell ist immer noch auf der Suche nach einem CEO. Müssen Anwender nach dem Zickzackkurs der letzten Jahre unter einem neuen Spitzenmann nicht wieder Strategieänderungen befürchten?

Marengi: Nein, darüber sollten sich unsere Kunden keine Sorgen machen. Der Aufsichtsrat und ich haben alle Geschäftsbereiche von Novell in Zusammenarbeit mit einer Unternehmensberatung unter die Lupe genommen und, wo nötig, auf einen neuen Kurs getrimmt. Ich bin mir sicher, daß der neue CEO, den der Aufsichtsratsvorsitzende John Young und ich derzeit suchen, die eingeleiteten Strategiemaßnahmen mitträgt.

CW: Und wann kommt er?

Marengi: Wir führen derzeit mit mehreren Kandidaten Gespräche. Ich kann aber keine Namen und auch kein Datum nennen.

CW: Sie sagten eingangs, Novell hätte alle angekündigten Produkte rechtzeitig auf den Markt gebracht. Die für Ende 1996 angekündigte Integration der Electronic-Commerce-Software von Open Market wurde aber verschoben.

Marengi: Mit den Produkten meinte ich strategische Entwicklungen wie Groupwise und Intranetware, auf deren Launch wir uns voll konzentriert haben. Gewiß, die Integration der Open-Market-Technologie ist für No- vell wichtig. Viel wichtiger ist aber, daß wir uns zunächst auf Teile des Geschäfts konzentrieren, die für Novell im Moment strategisch noch vordringlicher sind. Wer übrigens behauptet, wir würden den Electronic Commerce verpassen, der täuscht sich. Mit unserer NDS-Strategie zielen wir ganz klar auf diesen Sektor ab.

CW: Kann sich Novell bei dem Unterfangen, eine führende Internet- und Intranet-Company zu werden, Verspätungen, insbesondere wenn sie mit dem Web zu tun haben, überhaupt leisten?

Marengi: Diese Ankündigung stammte noch aus der Zeit meines Vorgängers Bob Frankenberg. Novell darf nicht wieder den Fehler machen, auf allen Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Für uns ist zunächst das Directory das wesentlichste und kritischste Element des Electronic Commerce.

CW: Sie wollen mit Ihrem Produkt Intranetware - einem Bundle von Netware 4.11 mit Web-Technologien - zur Intranet-Company avancieren. Bislang nehmen die Kunden zwar das Produkt gut an, interessieren sich aber kaum für die Intranet-Features. Warum?

Marengi: Das ist generell eine Frage der Sicherheit. Wenn das Netzwerk - sprich das Internet - sicherer wird, wozu Novell ab Mai 1997 mit seinen angekündigten Border Services beitragen möchte, dann wird auch das Vertrauen der Anwender in Intranets und unser Produkt Intranetware wachsen.

CW: Im Moment assoziieren die Verantwortlichen aber eher Netscape und Microsoft mit dem Begriff Intranet.

Marengi: Gegenfrage! Wie viele Server hat Netscape bisher verkauft?

CW: Nicht viele, aber Netscape hat auch gerade erst damit begonnen und in Sachen Inter- und Intranet den besseren Ruf.

Marengi: Wir werden uns diesen Kredit verdienen.

CW: Wenn native TCP, Java und Proxy Services in Intranetware enthalten sind?

Marengi: Das ist schwer zu sagen. Entscheidend ist, die Zukunft des Networking aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Das Betriebssystem, das dem Netzwerk zugrunde liegt, ist nicht mehr wichtig. Es spielt keine Rolle, ob es sich um Unix, NT oder Intranetware handelt. Um ehrlich zu sein, das ist heute schon längst kein Thema mehr. Es ist egal, auf welchem System der Browser aufsetzt. Das Internet hat den Blick auf das Netzwerk verändert, weil der Client heute direkt mit dem Netz kommuniziert. Wenn es uns also gelingt, den Directory Service Layer auf das Netz aufzusetzen, dann wird man Novell automatisch als wichtigen Intranet-Player betrachten.