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11.08.2000 - 

Urheberrecht und Bezahlung für Inhalte

Das Internet verändert den Umgang mit Texten

Das Buch "Die Bibliothek der Zukunft" möchte den Wandel von Kulturtechniken durch das Internet einem weniger technikorientieren Publikum erläutern. Der Autor kommt dabei ohne Kulturpessimismus aus und legt dem Leser ans Herz, sich der neuen Medien zu bedienen. Eine gut kommentierte Linksammlung findet sich im Anhang. Von Inge Steutzger*

Zimmer, früher Redakteur der "Zeit", wendet sich vornehmlich an gebildete Internet-Anfänger, die sich für folgende Fragen interessieren: Wird das Buch in absehbarer Zeit verschwinden? Welche Veränderungen machen Bibliotheken derzeit durch? Wie können Textleser und -schreiber das Netz der Netze nutzen?

Trotz dieser Ausrichtung verfolgt der Autor auch den Anspruch, technische Hintergründe des elektronischen Publizierens zu erklären, freilich ohne sich dabei zu genau auf Details einzulassen. Angesichts der Problemstellung und des anvisierten Publikums ist dieses Unterfangen allerdings fragwürdig. Wer über die Veränderung der Kulturtechnik Lesen informiert werden will, möchte wahrscheinlich nicht vierzig Seiten über die Zeichensätze Ascii und Unicode sowie die Herkunft des Klammeraffen "@" vorgesetzt bekommen. Auch über die Geschichte des WWW kann man sich in praktisch jeder Einführungslektüre informieren.

Interessanter sind die kulturkritischen Fragen, die der Autor aufnimmt. Welche Zukunft hat das Buch? Zimmer ist der Meinung, Totengesänge seien unangebracht. Studien belegen, dass Leser komplexe, längere Texte nach wie vor auf Papier rezipieren. Und kaum jemand werde sich ganze Romane herunterladen und ausdrucken, das sei zu langwierig und teuer. Dennoch machen die Bibliotheken derzeit fundamentale Veränderungen durch. Der Beruf des Bibliothekars könnte sich zu einem "Bibliothekar-Informatiker-Dokumentaristen" wandeln, spekuliert Zimmer.

Auch Nutzen und Nachteile elektronischer Zeitschriften erläutert der Autor. Besonders die Explosion der Zeitschriftenpreise könnte die Aufbereitung und den Vertrieb auf elektronischem Weg fördern, mutmaßt er. Zimmer beruft sich auf Experten, die eine Ablösung des herkömmlichen durch das neue Zeitschriftenmedium in etwa zwölf bis 15 Jahren prognostizieren.

Das Buch beschäftigt sich ausführlich mit urheberrechtlichen Fragen. Das traditionelle Recht greife bei elektronischen Medien teilweise nicht mehr. Es müssten neue Bedingungen geschaffen werden, damit für redaktionell aufbereiteten Content auch bezahlt werde. Körperliche und unkörperliche Verwertung ist im neuen Medium nicht mehr klar trennbar: "Das digitale Werk ist unkörperlich. Es ist fast so unkörperlich wie der geistige Inhalt." Nach Zimmer zeichnet sich ein Kompromiss ab, der unterschiedliche Abstufungen für verschiedene Nutzungsarten vorsieht.

Schriftorientierte Internet-Einsteiger finden in diesem Buch viele Anregungen, wenngleich auf eine ordentliche Gliederung verzichtet wird. Eine Folge davon ist Redundanz. Das Buch wird der Interessierte fast lesen wie eine Website: Er springt von Kapitel zu Kapitel und sucht sich für ihn relevante Inhalte zusammen.

Dieter E. Zimmer: Die Bibliothek der Zukunft. Text und Schrift in den Zeiten des Internet. Hamburg: Hoffmann und Campe 2000. 331 Seiten, 39,90 Mark.

* Inge Steutzger arbeitet als freie Autorin in München.