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03.02.1995

"Das Investieren in den Ostmarkt will gut ueberlegt sein"

In die ehemaligen Ostblockstaaten zu expandieren, ist fuer die meisten mittelstaendischen Firmen immer noch ein Risiko. Die Angst Schiffbruch zu erleiden, laesst deutsche Unternehmer eher mit Vorsicht auf den fuer sie unbekannten Maerkten agieren.

Seit der politischen Wende im Osten hat sich der Markt fuer westeuropaeische Unternehmen von bisher rund 300 Millionen auf eine Milliarde Konsumenten ausgedehnt. Zunehmend guenstige Finanzdaten in einigen Regionen lassen Insider von einer Belebung und Stabilisierung von Industrie und Wirtschaft sprechen. Beweis: Mehr als 50 Prozent des gesamten Bruttosozialproduktes in den ehemaligen Ostblockstaaten werden heute bereits von privaten Unternehmen erarbeitet.

Ein Anreiz fuer westliche Investoren: Mit dem Engagement im Osten koennen sie ihren zunehmend wettbewerbs- und kapitalintensiven Maerkten ausweichen und dort agieren, wo sich erst neue Marktmechanismen herauszubilden beginnen. Ein sichtbares Indiz dafuer ist der sprunghafte Anstieg der Zahl auslaendischer Investoren vor allem in der Tschechischen Republik, in Slowenien und Ungarn.

Bevorzugte Marktplaetze sind Laender mit niedrigen Loehnen und Wechselkursen wie die Tschechische Republik oder Polen, wo die Notenbank durch monatliche Abwertungen des Zloty gegenueber dem westlichen Waehrungskorb um derzeit 1,4 Prozent die Inflation daempft. Die damit erreichte Stabilisierung des Preis- und Lohngefueges ermuntert auslaendische Anleger.

Wenn auch die Ostmaerkte lokken, die Expansion auf diesem Terrain hat ihre Risiken, weiss so mancher Unternehmer aus dem Westen. Nach anfaenglicher Euphorie habe man "Huerden beiseite raeumen und Rueckschlaege hinnehmen" muessen, erinnert sich ein Insider. Mit den Aktivitaeten im Osten werden die Firmen mit einem Markt konfrontiert, der ihnen wesensfremd ist. Moderne Akquisitionstechniken und aus dem Westen gewohnte Praktiken helfen da kaum.

Fuer ein wirkungsvolles Direkt- und Telemarketing fehlt es nicht nur an der passenden Infrastruktur, sondern auch am gut ausgebildeten Personal. Hinzu kommen Probleme mit den auslaendischen Mitarbeitern und Partnerfirmen. Ursache dieser Differenzen ist aber meist die mangelnde Sensibilitaet der Westfirmen fuer die Mentalitaet der Menschen und die Eigenheiten der Maerkte in Mittel- und Osteuropa.

Aufgrund ihrer regen Geschaeftsbeziehungen mit den frueheren RGW- Partnern sowie der Kenntnis von Sprache und Kultur duerften ostdeutsche Unternehmen hier wohl im Vorteil sein.

Das wichtigste Hindernis fuer ein Engagement im Osten ist jedoch das dort oft noch fehlende betriebswirtschaftliche Know-how. Es betrifft alle Geschaeftsbereiche und beeinflusst die Aktivitaeten der Niederlassungen in den osteuropaeischen Regionen.

Der einfache West-Ost-Transfer von Maschinen und bisher verwendeten wirtschaftlichen Mechanismen, den viele Westunternehmer betreiben, duerfte da kaum ausreichen. Historisch gewachsene, wirtschaftliche Denkweisen sind nicht von heut auf morgen zu veraendern.

Defizite koennen die in Osteuropa taetigen Westfirmen nur mit umfassenden Informations- und Management-Systemen ausgleichen. Sie sind nicht nur die Voraussetzung fuer die Planungs-, Finanz- und Geschaeftskontrolle der ost- und mitteleuropaeischen Dependancen, sondern ermoeglichen ein schnelles Reagieren auf die sich aendernden Marktanforderungen. Trotz der territorialen Entfernungen muessen aktuelle Daten zur Hand sein, um ein effizientes Business- Controlling der Ost-Niederlassungen zu ermoeglichen. International operierende Unternehmen brauchen dafuer eine spezielle Software.

Seit 1988 auf dem Markt, scheint sich das Warenwirtschafts- und Management-Informationssystem "Scala", vertrieben von der ISE Scala Informationssysteme GmbH aus Offenbach, bewaehrt zu haben.

Das PC-Produkt laeuft unter Netware, LAN Manager, Vines oder anderen Netbios-kompatiblen Netzwerk-Betriebssystemen sowie auf Unix-Maschinen von IBM, HP und Data General. Neben der Buchhaltung, Warenwirtschaft, Produktionsplanung und dem Projekt- Management werden damit dem Hersteller zufolge unter anderem Management-Informationen einschliesslich Trend- und Liquiditaetsanalysen, Budgetabweichungen und Abschlussrechnungen sowie Funktionen fuer den Marketing- und Service-Support bereitstellt.

Mit seiner Mehrsprachigkeit - im Angebot sind ueber zwanzig Sprachen, darunter auch Russisch, Polnisch, Rumaenisch, Slowakisch etc. - soll das System sehr flexibel sein. In bis zu dreissig Waehrungen koennten die Anwender damit konsolidieren, heisst es, ohne dass zeitaufwendige Umwandlungen noetig sind. Laut dem Anbieter wird das DV-Paket derzeit in ueber siebzig Laendern eingesetzt. Fuer all diese Regionen mit ihren Maerkten besitzt das System einen einheitlichen Programmkern, der von der schwedischen Firma Beslutsmodeller AB gepflegt wird.

Verantwortlich fuer die landesspezifischen Anforderungen wie Steuersysteme, Rechnungswesen etc. sind die Partnerfirmen des Offenbacher Entwicklers in den jeweiligen Laendern. Damit sei garantiert, so der Hersteller, dass die Software auch in Staaten wie Russland - rund 130 Firmen nutzen dort derzeit die Loesung - die geltenden Standards erfuelle.

Die Nachfrage nach Anwendungen, die das klassische Arsenal betriebswirtschaftlicher und buchhalterischer Funktionen mit modernen Management-Komponenten unterstuetzen, ist bei den Nutzern gross.

Dieser Trend spiegelt sich auch in den Prognosen des Marktforschungsunternehmens IDC wider, das im letzten Jahr in den USA ueber zweihundert Firmen nach ihrem Integrationsbedarf befragte. Spitzenreiter auf der Wunschliste waren die Buchhalter: 88,7 Prozent halten die Einbindung von EIS-Funktionalitaeten (Executive Information System) in andere traditionelle Buchhaltungs- und Warenwirtschaftsloesungen fuer sehr wichtig. Im Bereich Kundenservice sehen 70 Prozent der Befragten eine Integration als unbedingt notwendig an. Ein Ergebnis, das beweist, dass strategische Entscheidungen ueber das normale Mass von Dokumentieren und Verwalten hinausgehen.

Mit der wirtschaftlichen Oeffnung des Ostens und der Entstehung des europaeischen Binnenmarktes schafft nicht zuletzt der allgemeine Trend zur Globalisierung und Herausbildung eines gemeinsamen Weltmarktes die Rahmenbedingungen, die eine neue Form betriebswirtschaftlicher Software entstehen laesst. Wirkung haben solche Systeme jedoch nur, wenn sie in einem Unternehmen in allen Bereichen eingesetzt werden.

* Der Autor ist Mitarbeiter bei der Kommunikationsagentur Girgis GmbH, Ingelheim.