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19.09.1997 - 

Interview der Woche

"Das ist kein Schleudersitz-Posten"

CW: Sie haben einen langen Titel aufgegeben (Oracle Vice-President und Marketing Director East and Central Europe und CIS Middle East Africa). Welchen Herausforderungen blicken Sie jetzt entgegen?

JARNIK: Ich habe von Wien aus einen Markt mit immensem Wachstumspotential betreut, den ich nun meinem kompetenten Kollegen Les Bonney überlasse. In den vergangenen drei Jahren ist der Absatz in diesen Gebieten mit 90 Ländern, 1,4 Milliarden Einwohnern und 148 Sprachen signifikant stärker gewachsen als das Geschäftsergebnis von Oracle insgesamt, obwohl dort jährlich pro Kopf nur etwa 13 Dollar für Informationstechnik ausgegeben werden. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt das Aufkommen bei rund 1000 und in Deutschland bei rund 600 Dollar.

Nun betreue ich den größten europäischen IT-Markt. Das Land ist mir bereits vertraut; immerhin habe ich von meinen 34 Berufsjahren in der DV schon zwölf Jahre in Deutschland zugebracht. Die Stationen waren Siemens, Bull GE & Honeywell, Sperry Univac und Digital.

CW: Wie lange arbeiten Sie jetzt für Oracle?

JARNIK: Am ersten Oktober werden es drei Jahre.

CW: Immer in derselben Position?

JARNIK: Ja.

CW: Ihre Beziehung zu Pier Carlo Falotti soll nicht die beste sein. Haben Sie auch deswegen Ihre bisherige Position aufgegeben oder erwarten Sie in Ihrer neuen Eigenschaft stärkere Interferenzen im Zusammenspiel mit dem Europa-Chef?

JARNIK: Falotti kenne ich bereits aus meiner Zeit bei Digital. Schon damals haben wir hervorragend zusammengearbeitet. Letztlich war er es auch, der Ende August, als ich noch im Urlaub war, mit dem Angebot an mich herangetreten ist. Ungefähr zwei, drei Sekunden brauchte ich Bedenkzeit, um zuzusagen.

CW: Als Oracle vor gut eineinhalb Jahren ankündigte, die Landesorganisationen zugunsten global einheitlicher Unternehmenstrukturen zu schwächen, ging man auch davon aus, daß künftige "Country Manager" eher Vertriebsleiter sein sollten als Geschäftsführer mit klassischen Kompetenzen. Wie sehen Sie Ihre Rolle?

JARNIK: Der Geschäftsführer als Patriarch des Unternehmens gehört endgültig der Vergangenheit an.

CW: Ihr Vorgänger, Franz Niedermaier, galt aber als starke, dominante Führungspersönlichkeit.

JARNIK: Franz Niedermaier hatte seinen Stil. Ich werde meinen finden. Heute läuft Unternehmensführung auf eine Matrixstruktur hinaus, auch wenn sich bestimmte Aufgaben sicher nicht ändern.

CW: Dazu gehören?

JARNIK: Ich habe beispielsweise die direkte Verantwortung für das Lizenzgeschäft.

CW: Wie erklären Sie sich, daß Oracle länger als eineinhalb Jahre intensiv nach einem neuen Geschäftsführer suchen mußte? So wurde offen darüber spekuliert, daß die fetten Jahre vorbei sind. Nur weil vor dem Niedermaier-Ausstieg auf Teufel komm raus verkauft wurde, habe das Geschäftsergebnis das des Vorjahres noch übertreffen können. Nun aber sei das Terrain überfischt.

JARNIK: Ich kann und darf nichts über die bisherigen Ergebnisse im laufenden Geschäftsjahr sa- gen, doch wird am Ende kein Oracle-Mitarbeiter unzufrieden sein. Außerdem habe ich genügend Einblick in Interna von Oracle Deutschland, so daß ich weiß: Das ist kein Schleudersitz-Posten.

CW: Böse Stimmen behaupten, Sie hingen am Gängelband Ihres Vorgängers Niedermaier, der jetzt einen Beratervertrag in der Tasche hat.

JARNIK: Ich werde mich hier sehr wohl fühlen und so lange bleiben, wie Oracle mich läßt. Die Vereinbarungen laufen jedenfalls auf unbestimmte Zeit. Franz Niedermaier ist nun in erster Linie Privatier, aber mit Sicherheit werde ich mich in Einzelfragen an ihn wenden können.

CW: Welche Änderungen planen Sie?

JARNIK: Bisher waren wir hauptsächlich bekannt als Datenbankhersteller. Das wollen wir überwinden. Dazu gehören eine stärkere Vermarktung unserer Applikationslösungen sowie in Zukunft branchenspezifische Programme, die von uns stammen können oder von Partnern.

CW: Sie sprachen von Lösungspartnern. Beabsichtigen Sie, in Deutschland die Vertriebsstrukturen zu ändern?

JARNIK: Bislang setzen wir weniger als 40 Prozent durch indirekten Vertrieb um. Mit Hilfe von Partnern wollen wir diesen Kanal dramatisch verstärken.