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05.08.2016 - 

Bootprobleme, grauer Bildschirm

Das ist zu tun, wenn der Mac nicht mehr startet

Lucy Hattersley und
Peter Müller ist der Ansicht, dass ein Apple täglich den Arzt erspart. Sei es iMac, Macbook, iPhone oder iPad, was anderes kommt nicht auf den Tisch oder in die Tasche. Seit 1998 beobachtet er die Szene rund um den Hersteller von hochwertigen IT-Produkten in Cupertino genau. Weil er schon so lange dabei ist, kennt er die Apple-Geschichte genau genug, um auch die Gegenwart des Mac-Herstellers kritisch und fair einordnen zu können. Ausgeschlafene Zeitgenossen kennen und schätzen seine Beiträge im Macwelt-Morgenmagazin, die die Leser werktags pünktlich um acht Uhr morgens in den nächsten Tag mit Apfel und ohne Doktor begleiten. Privat schlägt sein Herz für die Familie, den FC Bayern, sechs Saiten, Blues-Skalen und Triolen im Shuffle-Rhythmus.
Wenn der Mac nicht mehr startet, können Sie in vielen Fällen das Problem selbst beheben. Eine Anleitung in zehn Schritten.

Es ist zum Verzweifeln: Wenn der Mac nicht startet, fühlt sich das an wie ein Totalverlust. Was kann man dagegen tun und sein System, die Programme und vor allem die persönlichen Daten retten?

Keine Panik, wenn der Mac nicht bootet. Wir helfen!
Keine Panik, wenn der Mac nicht bootet. Wir helfen!
Foto: Kaspars Grinvalds - Shutterstock.com

Macs sind zwar sehr zuverlässig, aber eben doch nur Computer und deshalb nicht zu 100 Prozent vor Ausfällen gefeit, die sich manchmal in einem verweigerten Startvorgang ausdrücken. Das kann viele Ursachen haben, bevor man also zu einer Lösung kommt, muss man erst das Problem genau kennen. Glücklicherweise gibt es für Diagnose und Kur ausreichend Maßnahmen. Diesen Ratgeber haben wir in zehn Schritte aufgeteilt, die zum Ziel führen. Die Maßnahmen gelten gleichermaßen für eine Reihe von Betriebssystemversionen, auch für das kommende macOS Sierra. Das ein oder andere Menü kann sich aber von Version zu Version leicht unterscheiden.

Schritt 1: Überprüfen Sie, ob sich Ihr Mac überhaupt anschaltet

Klingt erst einmal banal, aber der Grund, dass Ihr Mac nicht startet, könnte einfach darin liegen, dass er sich gar nicht erst einschaltet. Wenn Sie den Einschaltknopf drücken, keinen Startgong und keinen Lüfter hören, kein Licht an Monitor oder Komponenten angeht, dann liegt voraussichtlich dieser Fall vor. (Das bloße Fehlen des Startgongs kann aber auch bedeuten, dass Sie beim letzten Betrieb den Rechner stumm geschaltet hatten oder die Lautsprecher aus sind. Es müssen schon mehrere Symptome der Stille auftreten.) In der konkreten Situation ist es nicht ganz leicht, die Ursache zu finden, diese muss sich nicht in der Software oder konkret der Startroutine verbergen. Apple hat den Fall, dass sich der Mac nicht anschaltet, ein eigenes Supportdokument aufgelegt und gibt darin im wesentlichen vier Ratschläge. Zunächst soll man die Stromversorgung prüfen (Ist der Mac eingesteckt? Die eventuelle genutzte Steckdosenleiste auch angeschaltet?), sofern vorhanden, ein anderes Kabel nutzen, jedwede Peripherie wie Drucker oder USB-Hubs abstöpseln (natürlich nicht den Monitor...) und sofern erst kürzlich neue Hardware installiert wurde – wie ein neuer Speicherriegel oder eine Festplatte – überprüfen, ob diese Komponenten noch korrekt verbaut sind oder zur Not wieder ausbauen und die alten Komponenten zurück holen. Falls das alles nicht hilft, sollten Sie gleich versuchen, den SMC zurück zu setzen. Wie das geht, erklären wir in Schritt 7.

Schritt 2: Kein Videosignal - oder nur ein verzerrtes

Schaltet sich der Mac an, zeigt aber kein Bild, dann haben Sie vermutlich ein Problem mit dem Monitor. Falls Sie etwas angezeigt bekommen, aber sich nicht an Ihrem Mac anmelden können, dann weiter zu Schritt 3. Falls Sie aber Ärger mit dem Display vermuten, können Sie erneut Hilfestellung aus einem Apple-Support-Dokument beziehen. Apple rät in diesem Fall:

Hilft das alles nichts, rät das Dokument dazu, den PRAM zu löschen oder das System im sicheren Modus zu starten. Mehr dazu später.

Schritt 3: Festplattendienstprogramm im Wiederherstellungsmodus laufen lassen

Der Mac schaltet sich also ein und mit dem Monitor ist auch alles in Ordnung – warum bootet er dann immer noch nicht? Immer noch kann es dafür viele Gründe geben, in diesem Schritt wollen wir ausschließen, dass unsere Probleme mit der Festplatte zu tun haben oder sie gegebenenfalls beheben. Dazu benötigen wir das Festplattendienstprogramm – und damit es nicht nur eine Diagnose stellen kann, sondern entdeckte Probleme auch gleich repariert, müssen wir von einer externen Platte booten. Respektive einer eigenen Partition, die von der Systempartition getrennt ist. Seit OS X 10.7 ist daher die Rettungspartition an Bord des Mac, meist unsichtbar. Starten wir von dieser Partition, können wir von dort dann auch das Festplattendienstprogramm benutzen.

Auf der Rettungspartition ist ein Basissystem mit den wichtigsten Utilities.
Auf der Rettungspartition ist ein Basissystem mit den wichtigsten Utilities.

Vor dem Neustart müssen wir erst einmal sicher gehen, dass der Mac auch wirklich aus ist. Sollte irgendwo noch ein Licht glimmen oder uns ein grauer Bildschirm leuchten, drücken wir für fünf Sekunden auf den Ein/Ausschaltknopf, um den Mac wieder auszuschalten. Dann halten wir auf der Tastatur die Taten cmd und R gedrückt und schalten den Mac wieder ein. Sollte dieser Bootvorgang klappen, führt er zu einem Bildschirm, der uns einige OS-X-Dienstprogramme anzeigt. Klicken Sie auf das Festplattendienstprogramm. Dann klicken Sie auf das Symbol Ihrer Festplatte in der links angezeigten Liste und anschließend auf "Erste Hilfe" und "Ausführen" (OS X 10.11 El Capitan) respektive auf "Überprüfen" in früheren OS-X-Versionen (Apple hat das Festplattendienstprogramm beim letzten Update ein wenig renoviert...) Warten Sie dann einfach ab und lassen Sie das Tool einen möglichen Fehler reparieren.

Im Festplattendienstprogramm sehen Sie Ihre Platte quasi zweimal. Der Klick auf das Symbol mit dem Namen, der auch auf dem Schreibtisch zu sehen ist, ist der richtige.
Im Festplattendienstprogramm sehen Sie Ihre Platte quasi zweimal. Der Klick auf das Symbol mit dem Namen, der auch auf dem Schreibtisch zu sehen ist, ist der richtige.

Schritt 4: Sicherer Systemstart

Der sichere Systemstart testet schon während des Starts die Funktionalität des Mac und lässt einige Systemkomponenten und vor allem -erweiterungen unausgeführt. In seltenen Fällen hilft diese Methode, den limitierenden Faktor auszuschalten. Nach dem sicheren Systemstart kann dann ein völlig normaler Bootvorgang erfolgen. Den sicheren Start lösen Sie aus, wenn Sie während des Bootvorgangs die Shift- respektive Umschalttaste gedrückt halten. Sofern das Ihren zickenden Mac zum Leben erweckt, kann dieser Vorgang eine Weile dauern, da das System einige Prüfroutinen ausführt. Wenn Sie wissen wollen, was Ihr Rechner da macht, drücken Sie beim Start nicht nur die Shift-Taste, sondern gleich noch cmd und V, Sie starten dann im sogenannten Verbose-Modus, der während des Startens auf dem Bildschirm anzeigt, welche Checks zu welchen Ergebnissen führen. Als Laie werden Sie aber kaum wertvolle Informationen daraus ziehen, es sieht aber ziemlich cool aus...

Wenn der sichere Systemstart (mit oder ohne Verbose) zum Erfolg gereicht hat, starten Sie Ihren Mac einfach ganz normal neu. Wenn der Ärger damit behoben: Herzlichen Glückwunsch! Wenn nicht, dann lesen Sie bitte weiter.

Schritt 5: FSCK - File System Consistency Check

Wenn es nicht gerade Ihr eigener Mac ist, den Sie im Schweiße Ihres Angesichts und immer brennenderer Sorge zu reparieren versuchen, macht Schritt 5 direkt Spaß, fast noch mehr als der Verbose-Boot. Denn der File System Consistency Check fühlt sich richtig geeky an.

Schalten Sie erst den Mac aus und dann wieder an, während Sie die Tasten cmd und S gedrückt halten. Das "S" steht für Single-User-Modus, in dem Sie nun starten. Den Griff können Sie lösen, wenn auf einem schwarzen Schirm weiße Schrift erscheint. Warten Sie nun, bis eine Kommandozeile erscheint und tippen Sie:

fsck ßz

Bitte was? Scharfes ß? Aber ja doch, denn wir gehen davon aus, dass Sie eine deutschsprachige Tastatur benutzen. Im Single-User-Modus ist aber die US-Tastaturbelegung geladen – und darauf sind die Buchstaben nun einmal anders angeordnet. Auf Ihrem Bildschirm erscheint dann:

fsck -y

womit Sie Ihrem Mac sagen, er möge doch bitte den File System Consistency Check (fsck) ausführen und bevor er zurückfragt, ob das ernst gemeint ist, sagen Sie mit -y (respektive eben ßz) ihm klar und deutlich "Yes!" und betätigen gleich die Eingabetaste. Computer sind so.

FSCK hat schon so manchen zickenden Mac wieder auf Tour gebracht.
FSCK hat schon so manchen zickenden Mac wieder auf Tour gebracht.

Nach der Prüfung sagt Ihnen Ihr Rechner entweder "The volume [Name des Mac'] appears to be OK" oder – was Sie eigentlich nicht lesen wollten, vor allem nicht in der Lautstärke - "FILE SYSTEM WAS MODIFIED". Im ersten Fall können Sie ganz gelassen "reboot" in die Kommandozeile tippen und die Eingabetaste drücken, beim Neustart dann bitte keine Taste mehr festhalten. Im zweiten Fall führen Sie den Check nochmals durch, dabei müssen Sie nicht einmal den Befehl neu eintippen. Es genügt, die Taste Pfeil nach oben zu betätigen, der Befehl erscheint erneut, Sie müssen Ihn nur noch mit der Eingabetaste bestätigen. Entweder kommen Sie beim zweiten, dritten oder weiteren Versuchen zum Erfolg. Oder nicht. Bevor Sie es dutzende und hunderte Mal vergeblich versuchen, beschäftigen Sie sich lieber mit dem nächsten Schritt.