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12.09.1997

"Das Jahr-2000-Problem wird dramatisiert"

CW: Sie haben in der Öffentlichkeit das Jahr-2000-Problem relativiert und die Berichterstattung als überzogen dargestellt. Warum?

Pählig: Meiner Ansicht nach sollten anstelle der apokalyptischen Prophezeiungen endlich pragmatische Lösungsansätze in den Vordergrund gerückt werden.

CW: Sie gehören aber selbst zu den Mahnern...

Pählig: ...ich gebe auch keine Entwarnung. Aber diese enormen Zahlen für den Umstellungsaufwand, die von der Gart- ner Group und von anderen gehandelt werden - 600 Milliarden Dollar oder mehr - interessieren letztendlich niemanden. Das Problem wird zu stark dramatisiert. Ich habe neulich mit einem DV-Leiter gesprochen, der sagte, wenn es nach ihm ginge, könnte alle zehn Jahre eine Jahrtausendumstellung anfallen, weil er dann Gelegenheit habe, seine IT-Umgebung zu entrümpeln. Firmen nehmen die Chance wahr, um zu putzen.

CW: Entspringen die Warnungen, die zum Jahr-2000-Wechsel überall zu hören waren, dem Versuch der Tool-Anbieter und Berater, mehr Geschäft zu machen?

Pählig: Dieses Interesse hat natürlich jeder. Die Marktauguren, die mit ihren Prognosen in den Schlagzeilen auftauchen möchten, die Werkzeughersteller, die ihre Tools verkaufen wollen, und die Service-Provider, die zusätzlichen Umsatz erwarten.

CW: Aber die IT-Budgets in den Unternehmen sind begrenzt.

Pählig: Deshalb ist auch schon manches Internet- oder Intranet-Projekt, das vielleicht gestartet worden wäre, auf dem Jahr-2000-Altar geopfert worden.

CW: Wie geht CSC-Ploenzke das Geschäft an?

Pählig: Wir unterstützen viele Kunden bei der Bestandsaufnahme oder Inventur - wir nennen das Assessment. Das endet mit einem Masterplan, in dem festgeschrieben ist, mit welchen Werkzeugen und welchem Aufwand Applikationen zu einem bestimmten Zeitpunkt umgestellt werden sollen. Bei der Umstellung helfen wir im allgemeinen nicht. So viele Leute haben wir nicht.

CW: Ist die Personaldecke Ihrer Kunden für die Umstellung dick genug?

Pählig: Im Rahmen der "Initiative 2000" hat ein Kollege einen Artikel veröffentlicht, demzufolge die Personalkosten für Cobol-Programmierer bis zur Jahrtausendwende ins Unermeßliche steigen sollen. Assembler-Spezialisten müßte man angeblich schon klonen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Danach hat er rund 400 Bewerbungen auf den Tisch bekommen - überwiegend von pensionierten oder ehemaligen Programmierern.

CW: Liegen deutsche Unternehmen mit der Umstellung im Plan?

Pählig: Ich habe kürzlich zehn langjährige Kunden telefonisch befragt. Darunter waren einige Versicherungen, die keine Probleme haben. Dort wurde das Thema wegen der langfristigen Verträge schon vor Jahren adressiert. Bei den Bausparkassen lag der Aufwand bei maximal 4000 Manntagen. Manche Firmen arbeiten schon seit zwei Jahren an der Umstellung, andere fangen jetzt erst an, wieder andere haben gerade mit der Ausschreibung begonnen. Da beschleichen mich schon gewisse Zweifel. Kritisch könnte es auch bei den Behörden werden, die kein Geld haben.

CW: Ist der Boom im Markt für Standardsoftware mit dem Jahr-2000-Problem zu erklären?

Pählig: Einen erheblichen Teil der SAP-Einführungen könnte man auch als Jahr-2000-Projekte bezeichnen. Die Firmen haben die Wahl, ihre alte Software fit zu machen oder eine schon fertige Software einzuführen, die das Problem im Griff hat. Wenn die Anpassung pro Codezeile wirklich einen Dollar kostet, wie Analysten ausgerechnet haben wollen, dann ist dieses Geld besser in eine moderne Standardsoftware investiert als in Cobol-Altlasten.

CW: Viele Unternehmen sind IBM-fixiert oder haben einen anderen Generalunternehmer im Haus. Kümmern sich die Großen ausreichend um ihre Kunden?

Pählig: Die Anwender erwarten das natürlich. IBM zum Beispiel macht daraus ein Geschäft - wie alle anderen auch. Sie verkaufen neue Software, neue Compiler, die Jahr-2000-sicher sind. Allerdings haben die großen Anbieter ein Problem: Sie müssen ihre Produkte Jahr-2000-fähig machen, egal, ob Betriebssysteme, systemnahe Software oder anderes.