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17.07.1998 - 

Software-Entwicklungstrends/Das Testen der Applikationen wird wichtiger

"Das Jahr 2000 wird den Wert von Testing-Tools beweisen"

Mit Jayaram Bhat, Vice-President Marketing der auf Testing-Tools spezialisierten Firma Mercury Interactive Corp., Sunnyvale, sprach CW-Redakteur Ludger Schmitz.

CW: Verschieben sich, spätestens mit den derzeitigen Anforderungen durch die Jahr-2000- und Euro-Probleme, die Arbeitsschwerpunkte in den großen DV-Abteilungen von der Software-Entwicklung zur Behebung von akuten Problemen?

Bhat: Bis dato gibt es vor allem eine Verschiebung von traditionellen Entwicklungsarbeiten zu den beiden Notfallmaßnahmen Problem 2000 und Euro. Das wird noch zwei bis drei Jahre so sein. Danach wird es wieder eine stärkere Zuwendung zur Anwendungsentwicklung geben.

CW: Auch wieder zur Entwicklung anwendereigener, selbstgeschriebener Software?

Bhat: Standardsoftware vergrößert ihren Marktanteil, aber es gibt Grenzen. Die Organisationen betrachten IT als eine Quelle von Wettbewerbsvorteilen. Der Euro wird das noch deutlicher hervortreten lassen. Es geht um neue geschäftliche Möglichkeiten. Dazu braucht es mehr als Standardsoftware und etwas Customizing. Der Java-Boom hat seine Ursache auch darin, daß sich mit dieser Programmiersprache schnell, billig und mit einem Schlag für eine sehr heterogene DV-Landschaft Anwendungen entwickeln lassen, die ohne zahllose Kompromisse differenzierten Anforderungen entsprechen.

CW: Bringt die gewaltige Entwicklung um Java eine Renaissance der Individualprogrammierung?

Bhat: Ich möchte nicht zuviel spekulieren. Java ist der beherrschende Trend. Diese Sprache wird für absehbare Zeit die dominierende Technologie in der Applikationsentwicklung sein. Aber Java bedeutet "write once - and test everywhere". Der Vorteil, den Java in der Entwicklung bringt, ist beim Testen nicht so ausgeprägt. Die unterschiedlichen Java-Entwicklungswerkzeuge und die Verschiedenheit der Zielplattformen sind ernstzunehmende Probleme. Noch wird viel ausprobiert, aber sobald es an wichtige Applikationen geht, sind Testing-Tools unverzichtbar. Hier ist eine neue Nachfrage entstanden.

CW: Vor allem das Problem 2000 und die Euro-Umstellung haben Anbietern von Softwarewerkzeugen einen Boom beschert. Und es verwundert nicht, daß Sie als Anbieter von Test-Tools nun deren Bedeutung hervorheben.

Bhat: Aber nicht ohne Grund. Weltweit haben die IT-Organisationen den Wert des Testens noch nicht erkannt, schon gar nicht den des automatisierten Testens.

Das Problem 2000 und der Euro schaffen eine sehr kritische Situation für die Unternehmen und ihre Wettbewerbsfähigkeit. Sie könnten im Jahr 2000 vor dem Aus stehen; den Übergang zum Euro in den Griff zu kriegen ist kaum weniger wichtig. Ob man tatsächlich auf der sicheren Seite ist, läßt sich nur mit entsprechenden Werkzeugen feststellen. Das Problem 2000 und die Euro-Umstellung sind der endgültige und überzeugendste Beweis für die generelle Bedeutung von Testing-Tools.

CW: Jeder Anbieter von Jahr-2000- und Euro-Tools redet davon, wie hilfreich seine Tools für künftige Projekte seien.

Bhat: Für anständige Test-Tools behaupte ich das auch. Die werden in der Tat die Freigabe fehlerfreier neuer Anwendungen beschleunigen. Wir sind oft dann ins Geschäft gekommen, wenn Anwender zunächst mit eigenen Mitteln geprüfte Applikationen freigegeben hatten und dann im Anwendungsalltag Probleme bekamen. Wir konnten aufzeigen, daß mit Tools getestete Entwicklungen deutlich besser sind. Dann liegt der wirtschaftliche Wert solcher Werkzeuge auf der Hand. Und das Jahr 2000 wird den Wert von Testing-Tools geradezu schlagartig beweisen. Viele unserer Kunden haben den Nutzen der Tools zuerst in Jahr-2000-Projekten erfahren. Jetzt verwenden sie dieselben Werkzeuge für andere Arbeiten.

CW: Verändert sich damit die Funktion des Testens?

Bhat: Ursprünglich hieß Testen nur, den Code auf Fehlerlosigkeit zu überprüfen. Heute bedeutet es, das Funktionieren von Software in Prozeßketten zu analysieren. Wer die DV an den Geschäftsprozessen ausrichten will, muß die Anwendungen darauf überprüfen, ob sie deren logischen Strängen folgen. Und man muß die Software so auslegen, daß sie den Erfahrungen der Endanwender mit der Bewältigung ihrer beruflichen Aufgaben entspricht. Heute dienen Testing-Tools nicht zuletzt dazu, die tatsächlichen Geschäftsprozesse überhaupt erst sichtbar zu machen sowie in einem weiteren Schritt ihre Angemessenheit zu überprüfen.

CW: Dafür gibt es schon seit einiger Zeit Simulationssoftware.

Bhat: Es geht nicht darum, Prozesse zu simulieren. Soviel Simulationen jemand auch machen sollte, erübrigt das nicht die Überprüfung, ob das Ergebnis, die Software auch der Realität entspricht. Das ist heute Testen. Wir prüfen das Verhalten der Endanwender, um so mehr über die Prozesse zu erfahren, damit am Ende die Software getestet werden kann, ob sie beidem entspricht. Die Anwender wollen fehlerfreie Anwendungen bei der Freigabe. Sie möchten davon weg, daß der Arbeitsalltag der Endanwender den eigentlichen Test abgibt. Besonders das Problem 2000 hat gezeigt, daß sie darauf vertrauen möchten, daß die umgestellten Systeme tatsächlich einwandfrei sind.

CW: Folgt daraus, daß Endanwender direkter in die Überprüfung von Anwendungen involviert sein sollten?

Bhat: Nein, wichtiger ist es, die User in die Entwicklung der Geschäftsprozesse einzubeziehen, das heißt, a priori zu erfahren, wie die Prozesse im geschäftlichen Alltag denn nun tatsächlich aussehen. Dieser Blick auf die Unternehmensrealität und auf ihren Ausdruck in DV-technischen Prozessen wird ein immer wichtigerer Aspekt des Testens. Die wahre Herausforderung besteht dabei nicht in der Unterstützung dieser oder jener Technologie, sondern im Erkennen, was die Endanwender wie mit der Technik machen. Das ist des öfteren ganz anders, als es DV-Experten annehmen - und weiter haben die früher ohnehin fast nie gedacht.

CW: Heißt die Anforderung: Geschäftsanalytiker statt Systemanalytiker?

Bhat: In den DV-Organisationen gibt es neben vielen Experten für die Entwicklung immer mehr Leute für die Analyse der Geschäftsprozesse. Im Englischen heißen sie Business Analysts. Aber für die existieren bisher kaum geeignete Tools, die Werkzeuge waren einfach zu komplex. Eine neue Generation von Testwerkzeugen wird es ihnen ermöglichen, eine wichtigere Rolle in der Entwicklung und im Testen von Software wahrzunehmen.

CW: Bisher ist Software-Testing eine nicht gerade beliebte Aufgabe. Ändert sich die Einstellung?

Bhat: Früher war Testen eine ziemlich stupide Arbeit. Ein Projekt-Manager hat sich vor allem darum gekümmert, das meist manuelle und langwierige Testen an den richtigen Punkt im Zeit- und Organisationsplan zu bekommen. Aber moderne Tools automatisieren die Arbeit, und Projektverantwortliche können sich mehr darum kümmern, ob die Anforderungen der Anwender wirklich erfüllt werden, die Systeme den Prozessen entsprechen.

CW: Verändern die beiden aktuellen Hauptprobleme auch die Testing-Tools selbst?

Bhat: Sicher, es geht nicht nur darum, das Testen zuverlässiger und einfacher zu machen, es zu automatisieren sowie mehr über das Wirken der Systeme zu erfahren. Es ist ein Trend zu erkennen: Die Leute wollen verschiedene Tools für spezielle Zwecke einfacher integrieren können. In absehbarer Zeit werden Anwender eine breitere Auswahl haben, aus der sie sich für ihre Bedürfnisse das Beste zusammenstellen können.

CW: Wie viele andere Softwarehäuser macht auch Ihr Unternehmen zur Zeit mit Tools für das Problem 2000 und den Euro einen gewaltigen Teil des Umsatzes. Bricht zwischen 2000 und 2002 das Geschäft ein?

Bhat: Beide Bereiche sind ein Extrageschäft. Vor einem Jahr hatten wir für das Problem 2000 noch nichts, Euro-Tools sind ganz neu in unserem Angebot. Im Moment haben wegen dieser beiden Probleme die Anwender einen bedeutenden Teil ihrer Investitionen von der Anwendungsentwicklung weggelenkt. Sobald das ausgestanden ist, wird es wieder mehr Aufwand für Anwendungsentwicklung und die Anpassung von Standardsoftware geben. Weniger als zehn Prozent der IT-Organisationen verwenden derzeit Tools, die das Testen automatisieren. Herausforderungen wie das Problem 2000 und der Euro fördern die Verbreitung solcher Werkzeuge.

Angeklickt

Ob mit neuen Technologien wie Java die Software-Entwicklung wirklich so viel schneller geht, wie sich das viele erhoffen, muß sich erst noch zeigen. Denn das Problem 2000 offenbart derzeit, daß das Testen von Programmen eine unterschätzte Aufgabe ist. Bisher sind die Endanwender die wahren Tester. Weil das beim Datumswechsel ein Desaster zur Folge hätte, steigt derzeit die Nachfrage nach Testing-Tools.