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13.10.1995

Das Just-learn-what-you-need-Konzept Die Teilnehmer bestimmen den Verlauf ihrer Seminare selbst

13.10.1995

Von Ingo Zank*

Mit einfallslosen Standardschulungen ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Eine Moeglichkeit, auf die Beduerfnisse der Lernenden wirksam einzugehen, ist das Konzept "Just learn what you need".

In nicht wenigen Seminaren wird aus Kostengruenden alter Wein in noch aelteren Schlaeuchen verkauft. Immer oefter melden sich frustrierte Kursteilnehmer zu Wort. Qualifizierte Weiterbildung ist schliesslich kein optionales Extra, sondern eine beruflich ueberlebensnotwendige Dauermassnahme in einer von Business Re- Enginering und staendigem Wandel gepraegten Umwelt.

Weder Einzelkaempfer noch Massenanbieter

Just learn what you need, heisst also die Devise, aber wo sind die qualifizierten Trainer, die diesem Slogan Leben einhauchen koennen? Zugegeben, es ist nicht einfach, den gestiegenen Anforderungen muendiger Anwender gerecht zu werden. Es wird erforderlich sein, auf den verschiedenen Trainingsebenen wie Produkttraining, Fachtraining, Management-Training und extrafunktionalem Kompetenztraining jeweils angemessene neue Konzepte zu entwickeln. Und das ist nicht kostenlos, wenn es nicht umsonst sein soll.

Die Anforderungen an die Qualifikation der Trainerpersoenlichkeit steigen naemlich ebenfalls erheblich und lassen sich weder von Einzelkaempfern noch von Massenanbietern auf dem erforderlichen Niveau erfuellen. Die Bildung qualifizierter Trainerteams und ihre Betreuung durch externes beziehungsweise internes Coaching ist erfahrungsgemaess eine der Erfolgsvoraussetzungen fuer Anbieter, die sich am Just-learn-what-you-need-Prinzip orientieren.

Betreuung am Arbeitsplatz

Grossen Einfluss auf die Wirksamkeit von Trainingsmassnahmen hat nach unserer Erfahrung die Betreuung der Seminarteilnehmer an ihrem eigenen Arbeitsplatz. Coaching gehoert somit zu den wesentlichen Bausteinen eines modernen Trainingskonzeptes. Natuerlich ist es optimal, wenn Coach und Trainer ein und dieselbe Person sind. Unter Kostengesichtspunkten wird eine derartige Loesung jedoch nur fuer ausgewaehlte Trainings bei Fuehrungskraeften sinnvoll sein.

Kernpunkt von Just learn what you need ist aber die individuelle Gestaltung der Seminare selbst. Ausgangspunkt hierfuer koennen beispielsweise die beim Coaching gewonnenen Erkenntnisse oder eine vorab durchgefuehrte Anforderungsanalyse sein. Der Trainer stellt dann das individuell erforderliche Seminar aus vorhandenen beziehungsweise neu zu entwickelnden Lernbausteinen zusammen. Diese Vorgehensweise ist insbesondere bei firmenspezifischen Inhouse-Seminaren verbreitet. Wegen der damit verbundenen Kosten beschraenkt sich der Einsatz allerdings in der Regel auf groessere Unternehmen mit einer entsprechenden Zahl von Mitarbeitern mit aehnlichem Weiterbildungsbedarf.

Wie aber lassen sich Just-learn-what- you-need-Konzepte auch in oeffentlich angebotenen Kursen verwirklichen? Eine allgemeingueltige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Ein wichtiges K.-o- Kriterium stellt aber die Teilnehmerzahl eines Seminars und die Homogenitaet der Teilnehmergruppe dar. Es versteht sich von selbst, dass bei 25 und mehr Teilnehmern nicht jeder seine Fragen behandelt finden wird. Optimal sind Gruppen aus fuenf bis acht aehnlich qualifizierten Personen.

Ausgesprochen gute Erfahrungen, was die Akzeptanz und die Beurteilung des Lernerfolges durch die Teilnehmer angeht, wurden mit Kursen fuer Fuehrungskraefte gemacht, die nach derartigen Prinzipien organisiert waren. Dabei werden die Teilnehmer eingeladen, ihr Seminar nach Inhalt und Ablauf selbst zu strukturieren. So wird genau der Stoff behandelt, den die Teilnehmer brauchen. Dies hat zur Folge, dass alle hochmotiviert sind. Diese Methode ist natuerlich nur bei ueberschaubarer Teilnehmerzahl sinnvoll anwendbar.

"Zuerst hatte ich schon etwas Bauchschmerzen, als wir vom Trainer aufgefordert wurden, unser Seminar selbst zu konzipieren. Ich wollte mich doch gerade zuruecklehnen und abwarten, was uns so geboten werden wuerde", gibt ein Teilnehmer freimuetig zu. Ein anderer erinnert sich: "Wir hatten Gelegenheit, uns unsere unterschiedlichen Erwartungen bewusst zu machen und uns auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen." Insgesamt sprachen Teilnehmer immer wieder davon, dass sie die Seminartage intensiver durchlebt haetten, als sie es von anderen Veranstaltungen gewohnt waren.

Unterlagen fuer solche Seminare koennen natuerlich, wenn sie im vorhinein produziert werden, nur sehr grob den Seminarinhalt wiedergeben. Sie muessen durch Material ergaenzt werden, das die Teilnehmer selbst erarbeiten. Auch das wirkt sich gut auf den Lernerfolg aus. Selbstgestaltete Unterlagen werden auch noch nach laengerer Zeit immer wieder gerne zum Auffrischen der Kenntnisse genutzt.

Fuer solche Veranstaltungen qualifizierte Trainer sind nicht fuer einen Dumpingpreis zu engagieren. Immerhin wird erwartet, dass sich der Trainer beziehungsweise die Trainerin gewissermassen aus dem Stegreif auf einen ad hoc vereinbarten Kursverlauf einstellt. Trainerteams und Teamcoaching verhelfen zu dem erforderlichen Know-how, der Trainer wird zum Projekt-Manager.

Just-learn-what-you-need- Seminarkonzepte veraendern und erweitern sich im Lauf der Zeit immer wieder. Die Faehigkeit der Trainingsanbieter, auch fuer sich selbst einen entsprechenden Lernprozess zu gestalten, stellt eine entscheidende Voraussetzung fuer ihren Erfolg dar. Letztlich werden es die Teilnehmer sein, die mit den Fuessen ueber die zukuenftige Trainingslandschaft abstimmen und entscheiden.

*Dr. Ingo Zank ist Inhaber der Management-Beratung Coaching, Consulting and Crash Management und des Trainingsunternehmens Dr. Ingo Zank - Seminare und Training in Betzendorf.