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27.06.1975

Das Klima ändert sich - Ein Königreich zerbricht

Herbert Seitz, Geschäftsführender Komplementär im Rechenzentrum

Herbert Seitz KG

Da hatten sie sich wieder zu ihrem jährlichen Meeting eingefunden - die Herren EDV- bzw. Rechenzentrumsleiter. Doch wie ganz anders war die Stimmung. Wo man vor Jahresfrist noch in KBs, Betriebssystemen, virtuellen Speichern, TPAnwendungen, Datenbanksystemen, Abteilungsgrößen und anderem mehr geschwelgt hatte, herrschte heute bedrückende Zurückhaltung.

Was war geschehen? Vor längerer Zeit hatten vereinzelt Kollegen von schlechten Ergebnissen ihrer Firma gesprochen. Sie hatten darauf hingewiesen, daß evtl. Einsparungen im EDV-Bereich notwendig seien bzw. andere Überlegungen angebracht erschienen. Das jedoch schienen ihnen Ausnahmen - Einzelfälle, über die sich nicht lohnte nachzudenken. Schließlich war man ja bei einer ordentlichen Firma beschäftigt, in welcher der Wert der EDV-Abteilung richtig eingeschätzt wurde. Einzelne von Ihnen hatte jedoch damals schon leichtes Unbehagen befallen. Einer sogar war nachts im Schlaf aufgeschreckt. Schlimmes war ihm im Traum erschienen - man wollte seine EDV-Abteilung auflösen, mit einer befreundeten Firma kooperieren, oder die Arbeit in ein Dienstleistungsunternehmen geben. Unmögliche Bilder, die jedoch am Morgen - nachdem er seinen Heiligenschein vor dem Spiegel wieder zurechtgerückt hatte, verschwunden waren.

Heute jedoch war allen Anwesenden klar - Ungeheuerliches mußte geschehen sein.

Die EDV-Abteilungen, jahrelang gehegt und gepflegt von der Geschäftsleitung verwöhnt, für das Beste gerade gut genug, waren in das Rampenlicht bei der Kostenrechnung gerückt. Wie ganz anders war plötzlich ein Gespräch auf Geschäftsleitungsebene. Da wo man bisher mit Hochachtung empfangen wurde, um seine Wünsche zu äußern, wollte man nun Stellungnahme zu den EDV-Kosten, wollte man kurzfristig zu verwirklichende Einsparungsvorschläge hören.

So jedoch behelligte man die EDV-Abteilung mit angeblich falschem, zu teuerem EDV-System, viel zu hohem Personalbestand, zu teueren Klima- und Raumkosten.

Und als Gipfel der Unmöglichkeit, forderte die Geschäftsleitung schriftliche Stellungnahme zu den folgenden Punkten.

1) Abbau der schnellen Peripherie, - Einführung von Mehrschichtbetrieb.

- welch widersinniger Gedanke. Welcher Mitarbeiter wäre denn hierzu bereit. Wie sollte man so etwas dem einzelnen beibringen. Und zusätzlich könnte das zur Folge haben, daß man bei Problemen des nachts aus dem wohlverdienten Schlafe geweckt würde. - Unmöglich.

2) Kündigung der Mietanlage - Abschluß eines Leasingvertrages.

- Wie sollte man denn bei langen Leasingverträgen und nur solche wären kostenseitig interessant - noch mit seinem System am neuesten Modell bleiben. Nur der technologisch neueste Stand konnte der Firma von Nutzen sein. Und wo blieb schlußendlich das persönliche Image. - Niemals.

3) Kündigung des Großsystemes - Anmietung von 2 kleineren Systemen, mit dem Hinweis, daß bei weiterem Geschäftsrückgang dann eine Anlage abgemietet werden könnte, ohne daß man den EDV-Betrieb einstellen müßte.

- eine Forderung ohne jeglichen Sachverstand. Wie sollte man großausgelegte Programme verkleinern oder in mehrere Phasen zerlegen? Was würden denn dazu die Software-Spezialisten sagen - die würden doch sofort kündigen - und außerdem wäre so etwas einem Konsoloperator nie zuzumuten. Und zudem konnte man mit der bisherigen Mannschaft nie zwei Systeme bedienen. - Nicht realisierbar.

4) Die gesamten Arbeiten in ein Rechenzentrum übergeben.

- Das wäre das Letzte. Wie sollte denn ein RZ diese komplizierten Abläufe durchführen, das Operating beherrschen, sich bei den urvermeidlichen Stop's weiterhelfen. Dazu wären die dafür notwendigen Arbeitsunterlagen nicht vorhanden. Schließlich hatte man bisher wichtigere Dinge zu tun gehabt als Dokumentationen und Operatinganweisungen zu erstellen und zu pflegen.

- Geht also logischerweise nicht.

5) Kündigung des neuesten Modells - Anmietung einer Anlage der vorherigen Serie.

- Wo würde man denn hinkommen - das war tiefstes EDV-Mittelalter - unzumutbar.

Ja und weil dem alles so ist, und eine Änderung der bisherigen EDV-Situation nicht durchführbar erscheint, muß alles beim alten bleiben. So jedenfalls beschlossen die Herren EDV-Leiter zu später Stunde bei ihrem Meeting. Man müsse halt gegebenenfalls der Geschäftsleitung mit unmißverständlichen Worten seine Meinung sagen.

Lieber Leser, entschuldigen Sie - die Phantasie war mit mir durchgegangen. Natürlich ist so etwas niemals möglich - in der Vorstellung der EDV-Leiter.

Die harte Wirklichkeit wird ihnen in Kürze jedoch noch ganz andere Überlegungen abfordern - sofern sie ihren Job behalten wollen. Die Zeiten der ungekrönten Könige sind vorbei. Die Geschäftsleitungen haben ihre Einstellung zur EDV geändert.

Über 7000 Konkurse erwarten die Wirtschaftspessimisten für 1975. Viele Firmen mit EDV werden dabei sein, und wo der Konkursverwalter Platz nimmt, ist auch für einen EDV-Leiter kein Stuhl mehr frei. Wieviel Schuld er selbst an diesem Tatbestand hat, (schließlich betrug sein Jahrestat für die EDV zirka zwei Prozent des Jahresumsatzes seiner Firma) darüber nachzudenken bleibt ihm nun Zeit.

Übrigens, und das sei abschließend nicht vergessen - es gibt auch in unserem Lande EDV-Leiter, die seit Jahren kostenbewußt arbeiten, und mit geringstmöglichem Aufwand, ein optimales Ergebnis erzielen. Das allerdings sind Ausnahmen.