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29.10.2004

Das Klima im TK-Markt wird milder

Guten Quartalszahlen und optimistischen Analystenberichten stehen ein sich abschwächendes Halbleitergeschäft sowie mäßige Konjunkturprognosen gegenüber. Die COMPUTERWOCHE wagt eine Bestandsaufnahme.

Die ITK-Branche beweist sich wieder als treibende Kraft für die Volkswirtschaft", verkündete kürzlich Bernhard Rohleder, Geschäftsführer des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem Wachstum der deutschen ITK-Branche um 2,5 Prozent auf 131,6 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr sollen die Geschäfte sogar um 3,4 Prozent auf ein Gesamtvolumen von rund 136 Milliarden Euro zulegen. "Damit hat die ITK-Branche die Wachstumsschwäche der vergangenen Jahre deutlich überwunden", macht Rohleder sich und den IT-Unternehmen Mut.

Die Ergebnisse der Marktforscher stützen diesen Optimismus. So rechnet IDC bis 2008 weltweit mit einem jährlichen Anstieg der IT-Ausgaben um rund 6,5 Prozent. Die Meta Group erwartet für 2004 ein Wachstum von vier Prozent. Im kommenden Jahr würden die CIOs fünf Prozent mehr Geld für IT-Investitionen ausgeben können. Auch die Analysten von Gartner gehen davon aus, dass die weltweiten IT-Ausgaben 2005 im Jahresvergleich fünf Prozent steigen werden. Angesichts der wachsenden Konkurrenz aus Schwellenländern wie Indien, China oder Brasilien müssten Unternehmen heute mehr denn je daran arbeiten, ihre Produktivität mit Hilfe von IT zu steigern, begründete Gartners Forschungschef Peter Sondergaard diese Prognose.

IT-Konzerne legen zu

Dass die Kunden ihre Budgets wieder für IT-Anschaffungen öffnen, macht sich auch in den jüngsten Bilanzen der großen IT-Anbieter zum dritten Quartal 2004 bemerkbar. IBM steigerte seinen Umsatz im Jahresvergleich um fast neun Prozent auf 23,4 Milliarden Dollar und fuhr einen Gewinn von 1,8 Milliarden Dollar ein. Chipriese Intel verbuchte mit 8,5 Milliarden Dollar um acht Prozent höhere Einnahmen als noch vor Jahresfrist. Unter dem Strich stand ein Plus von rund 1,9 Milliarden Dollar, 15 Prozent mehr als im dritten Quartal 2003.

Auch die Telekommunikationsausrüster meldeten fast durchweg gute Zahlen. Motorola vervierfachte im Vergleich zum Vorjahresquartal seinen Gewinn auf 479 Millionen Euro. Ericsson katapultierte seinen Vorsteuerertrag sogar um den Faktor sechs auf 772 Millionen Euro nach oben. Ähnlich vielversprechende Nachrichten kommen aus dem Internet-Sektor.

Der Schwung scheint zunehmend auch die Softwarebranche zu erfassen. Microsoft steigerte seinen Profit mit 2,9 Milliarden Euro auf ein neues Rekordniveau. SAP zieht unbeirrt seine Bahnen im Markt für Business-Applikationen und erhöhte im Jahresvergleich den Nettogewinn um 15 Prozent, den Umsatz um zwölf Prozent. Zuletzt meldete selbst das durch die Übernahmeversuche seitens Oracles arg gebeutelte Peoplesoft ein Umsatzplus und schwarze Zahlen. Auch die Sorgenkinder der Branche wie Sun und Siebel können wieder hoffen. Allerdings sind diese Comebacks zum größten Teil auf eine rigide Kostensenkungspolitik und harte Einschnitte beim Personal zurückzuführen.

Kein Anlass zur Euphorie

Angesichts dieser Zahlen müsste die IT-Welt eigentlich in Ordnung sein, sollte man meinen. Euphorie will indes nicht so recht aufkommen. Offensichtlich misstrauen die Führungsetagen der IT-Anbieter dem sich abzeichnenden Aufschwung. Mit ihren Prognosen dämpften die Verantwortlichen zu hohe Erwartungen für die kommenden Monate. So rechnet beispielsweise die SAP-Führung für das vierte Quartal bei den Einnahmen mit Softwarelizenzen nur noch mit einem Plus von sieben bis acht Prozent. Im abgelaufenen Quartal betrug das Wachstum noch 13 Prozent. Microsofts Finanzchef John Connors kalkuliert für das im Juli begonnene Geschäftsjahr 2004/05 nur noch mit einer Umsatzsteigerung von 5,6 bis 6,4 Prozent. Das wäre das niedrigste Wachstum seit dem Börsengang vor 18 Jahren.

Misstrauen im Chipmarkt

Genährt wird das Misstrauen durch die nachlassende Entwicklung im Halbleitersegment, die als Indikator für den gesamten IT-Markt gilt. So meldet beispielsweise der Dachverband der Halbleiterbranche, die Semiconductor Industry Association (SIA), dass sich das Wachstum seit August 2004 deutlich abgeflacht habe. Angesichts wachsender Lagerbestände hätten die Hersteller schnell reagiert und ihre Produktion gedrosselt.

Neben den zyklischen Schwankungen innerhalb der IT-Branchensegmente dürften auch die weltweiten Konjunkturentwicklungen kaum Anlass für eine allgemeine Entwarnung geben. So rechnen die führenden Wirtschaftsinstitute in Deutschland für das kommende Jahr nur noch mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 3,2 Prozent. Im laufenden Jahr prognostizieren die Auguren ein Plus von 3,9 Prozent. Das Abflauen begründen die Experten mit sich abschwächenden Impulsen aus China und den USA sowie steigenden Energiepreisen.

In Deutschland steht das Konjunkturbarometer weiter niedrig. So bleibt laut einer Schätzung führender Wirtschaftsforscher das Wachstum mit einem geschätzten Plus von 1,5 Prozent für 2005 weiter Schlusslicht in Europa. In einem Internationalen Standort-Ranking der Bertelsmann-Stiftung landet Deutschland unter 21 Industrienationen abgeschlagen auf dem letzten Platz. Seit 1991 hätten sich die Standortbedingungen kontinuierlich verschlechtert, so das Fazit der Studie.

Anzeichen für eine Klimaverbesserung gibt es derzeit kaum. So sei nach Einschätzung der Wirtschaftsexperten keine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt zu erwarten. 2005 sei mit durchschnittlich 4,24 bis 4,35 Millionen Erwerbslosen zu rechnen. Die anhaltende Unsicherheit, was den eigenen Arbeitsplatz betrifft, wird nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) weiterhin die Kauflaune der Verbraucher trüben. Damit dürfte sich auch die Hoffnung auf das Anziehen der Binnennachfrage zerschlagen haben.

Zu diesen trüben Aussichten will die optimistische Prognose der Bitkom-Verantwortlichen nicht so recht passen. Das scheinen auch die Verbandssprecher zu spüren, und so knüpfen sie ihre Wachstumsprognosen an die Rahmenbedingungen: Um ein höheres Innovationstempo zu erreichen, müsse beispielsweise das Bildungssystem umfassend reformiert werden. Innovative Branchen und Technologien dürften nicht mit zusätzlichen Abgaben und Gebühren belastet werden. Defizite gebe es außerdem bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte. Daher müsse die Regierung bereits zugesagte Mittel für die Forschungsförderung freigeben.