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26.10.1990 - 

Schulung und Kommunikation mit Business TV

Das Lernen via Satellit wird europaweit eingesetzt

In den USA, Japan und einigen Ländern Europas wird Business TV zunehmend von Firmen für Schulungen, Marketing-Veranstaltungen und die interne Kommunikation genutzt. Auch die IEEE, der Weltverband der Elektrotechnik- und Elektronikingenieure, nutzt Business TV, und zwar seit 1982. Am 7. November 1990 wird zum ersten Mal ein Seminarprogramm der IEEE europaweit zu empfangen sein.

Unter Business Television (BTV) werden die von Unternehmen produzierten Fernsehsendungen verstanden, die von einem ausgewählten Publikum live empfangen werden können und dem Zuschauer Rückfragen per Telefon erlauben (siehe Abbildung). Von einer Unternehmenszentrale lassen sich zur gleichen Zeit eine im Prinzip unbegrenzte Anzahl von Filialen und Produktionsstätten erreichen. Eine in deutscher Sprache erstellte Sendung wird simultan übersetzt und zum Beispiel in verschiedenen EG-Ländern ausgestrahlt.

Für die Programmproduktion und -verteilung benötigt man ein professionelles Produktionsstudio oder zumindest einige Bild- und Tonaufnahmegeräte, eine Sendeanlage, einen Satelliten und Empfangsantennen. Sendungen können mit Fernsehgeräten empfangen oder durch Großbildprojektion auf große Leinwände projiziert werden. Das Equipment ist inzwischen preiswert zu mieten oder zu kaufen.

Der zunehmenden Bedeutung der Computersimulation trägt die IEEE mit seiner 38. Business TV-Veranstaltung Rechnung. Drei anerkannte Experten (Dr. Lean, Xerox Corp., Dr. Liu, Cornell University, Dr. Lu, University of Illinois) sprechen drei Stunden über Anwendungsmöglichkeiten der Computersimulation und neueste Forschungsergebnisse. Im Anschluß an die Demonstrationen und Referate besteht die Möglichkeit, aus Nordamerika und Europa telefonisch Fragen zu stellen. Empfangsmöglichkeiten stellt die Infoware GmbH in Köln zur Verfügung. In den USA wird bei der Veranstaltung "schnelle Software-Entwicklung" mit zirka 150 angeschlossenen Instituten, Universitäten und Firmen gerechnet.

Diese Veranstaltung ist ein Beispiel für ein sogenanntes Ad-hoc-event. In den USA wurden allein im letzten Jahr mehr als 500 Ad-hoc-events von Firmen organisiert, um flächendeckend Schulungen oder Marketing-Aktivitäten einem ausgewählten Publikum anbieten zu können. Die IEEE- Veranstaltung ist nicht die erste BTV-Veranstaltung in der Bundesrepublik. Im letzten Jahr setzten zum Beispiel EDS, Federal Express, Sea World of Florida, Texas Instruments und die TU München dieses Medium in Deutschland ein .

In den USA setzen alle größeren Computerhersteller (IBM, DEC, HP, Wang, NCR, Unisys, Tandem, Apple) firmenspezifische BTV Netzwerke ein. Die Netzwerke bestehen zur Zeit aus 40 bis 300 Empfangsstationen. Je nach Netzwerk werden drei bis 20 Veranstaltungen im Monat angeboten. Die IBM nutzte zum Beispiel im Juni 1988 ihr Netzwerk, um in einer dreistündigen Sendung die AS/400 ihren Vertriebsbeauftragten vorzustellen. In Großbritannien beginnt der "Blaue Riese" zur Zeit mit dem Aufbau eines BTV-Netzwerkes. Dies wird als erster Schritt verstanden, um ein europaweites Netzwerk bereitzustellen.

IBM sparte im zweiten Jahr der BTV-Anwendung bereits acht Millionen Dollar, insbesondere Reisekosten, ein. Das ist allerdings nicht der Hauptgrund für die BTV-Nutzung. Die geringen Produktlebenszyklen und der mit den neuen Produkten verbundene Bedarf an schneller und flächendeckender Informationsübermittlung führt zum verstärkten BTV-Einsatz.

DEC nutzt in den USA BTV zum Beispiel für das Kundentraining. Über BTV erreichte Digital mit einer Veranstaltung 700 Kunden, um sie mit einer Software vertraut zu machen. Das Training wurde nicht nur über das Digital Video Network angeboten, sondern mobile Empfangsstationen sind auch in Hotels und direkt bei Kunden zur Verfügung gestellt worden.

Apple Computer wendete sein Apple TV Network an, um den Apple Macintosh II CX zu präsentieren. Darüber hinaus wurde das Programm in das damals 100 Filialen umfassende Netzwerke der Firma Computerland eingespeist. In den Filialen konnten Verkäufer und Kunden die Präsentation verfolgen.

Computerland, eine der weltgrößten Händlerorganisationen für PC-Hard- und Software, nutzt BTV insbesondere, um Verkaufs- und Dienstleistungstrainings durchzuführen. Auch Software-Anbieter wenden die Methode des sogenannten "cross networking" an. So präsentierte zum Beispiel Lotus ein neues Softwareprogramm über das Digital Video Network dem Marketing- und Vertriebspersonal von DEC.

Insgesamt nutzen mehr als 90 Firmen und Institutionen in den USA BTV. Neben der Computerindustrie sind es insbesondere Automobilfirmen, Banken, Versicherungen, Handelsorganisationen sowie staatliche und kirchliche Organisationen, die insgesamt mehr als 25 000 Empfangsstationen betreiben.

Der Erfolg von BTV in den USA führte dazu, daß entsprechende Vorhaben in Europa realisiert wurden beziehungsweise in Planung sind. In Großbritannien existiert mittlerweile wie in den USA ein Computer Channel. Dabei handelt es sich um ein Pay-TV-Programm, das insbesondere Hard- und Softwareschulungen sowie Informationen über die Computerindustrie anbietet. Gegen eine monatliche Gebühr können Interessenten das Programm verfolgen.

Dr. Albert Thienel ist Projektleiter Business TV, Personal und Organisationsentwicklung bei der Scientific Consulting Dr. Schulte-Hillen in Köln.