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Das letzte Netzhemd

12.03.1982

Was im Vorfeld der Einführung lokaler Netze derzeit passiert, ist das Gegenteil von geplanter Veralterung, nämlich ungewollte Verkaufsverhinderung. Die Bemühungen der einschlägigen Hersteller erschöpfen sich darin, technische Details ihrer jeweiligen Gebäude-Netzwerke zu diskutieren, anstatt den potentiellen Anwendern Problemlösungen für konkrete Aufgaben anzubieten.

Da propagiert die "Ethernet-Family" eine Basisband-Variante, macht sich Wang für das breite Band stark, kocht IBM - vorerst noch im verborgenen - ein Ringnetz-Süppchen (Seite 3): Der Laie staunt, der Office-Automation-Fachmann wundert sich - und das Topmanagement blockiert Investitionsentscheidungen.

So heißt der Bürospruch '82 "Abwarten und Tee trinken". Derweil verkaufen Telefonhersteller Telefone, Nebenstellenanlagenhersteller Nebenstellenanlagen, Datenendgerätehersteller Datenendgeräte: Büro-lntegration findet nur in Testlabors statt - und in Hochglanzbroschören.

Das "normale" Gerangel um Protokolle und Pakete, um Kabel und Kanäle trägt auch nicht gerade dazu bei, die Unsicherheit im Markt zu beseitigen.

So sah sich Xerox, Entwickler von Ethernet, jetzt genötigt, zu den "Halbwahrheiten" und "Vorurteilen" um Ethernet Stellung zu nehmen. Xerox-Richtigstellung: "Ethernet ist mit Sicherheit kein Gerücht mehr - es ist eine Realität, eine Tatsache." Die Frage, was "Ethernet" denn ist, wurde damit nicht beantwortet: Ein Approach für Inhouse-Netzwerke, Netzwerkprodukte - sprich: Endgeräte - , eine neue "Stekker"-Technologie - oder gar nur eine, wenn auch brillante Marketing-ldee? "Sicher von jedem etwas", wäre wohl die richtige Auflösung.

Was den Marketing-Aspekt betrifft: Das Prestige von Ethernet als De-facto-Standard für lokale Netzwerke ist mittlerweile größer als sein realer Hintergrund. Das von den "Ethernisten" angewandte Verfahren der Busverbindung hat sich zwar in der Minicomputerei als ein außergewöhnlich erfolgreiches Instrument der Verkaufspolitik erwiesen, aber was zählt das schon, wenn es um den hart umkämpften Markt "Büro der Zukunft" geht. Es wurde jetzt, wie Mini-Marktführer DEC als einer der Ethernet-Befürworter ausführt, für die lokale Zusammenarbeit von Endgeräten jedweder Art (Textsystem, Kopierer, Personal Computer etc.) angewandt. Neu ist, daß die Elektronik der Ankopplung in hochintegrierten Chips verfügbar wird, eine technologische Meisterleistung von Intel. Dem Komponenten-König kann es deshalb nicht egal sein, ob das Xerox-Busnetz Standard wird oder nicht. Die Vorteile des Arrangements mit Xerox liegen auf der Hand: Die Ethernet-Controller sind Chip-Gräber par excellence.

Weniger eindeutig ist dagegen die Motivlage bei der Digital Equipment Corporation, die denn auch erst angekündigt hat, demnächst ihre ersten Ethernet-Produkte anzukündigen. Dieses Commitment ist weniger wert als allgemein angenommen wird. Denn noch ist Ethernet ja nicht "durch". Damit ist auch gleich die Xerox-Misere angesprochen. Der Kopiergigant steht und fällt mit Ethernet. Denn es ist abzusehen, daß das Basisgeschäft mit Xerografen langfristig zurückgehen wird - und ein Computerbein hat Xerox bekanntlich nicht. Wenn der Ethernet-Entwickler nun alle anderen Hersteller zu gemeinsamer Büroarbeit einlädt, so ist das vor diesem Hintergrund verständlich - der Anwender wird sich gleichwohl unsentimental für die beste Lösung entscheiden, und die steht nicht im Bus oder im Ring, sondern (noch) In den Sternen.