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30.01.1976

Das Magnetkonto ist noch lange nicht tot

Den so zählebigen, oft "klassisch" genannten Datenträgern und Speichermedien der Datenverarbeitung ist schon oft das baldige Ende prophezeit worden. Dazu verlockt wohl jede Produktart mit langjähriger Marktpräsenz. Dazu trägt mehr noch die Attraktivität jüngerer Methoden und Techniken bei. Auch spielt die Neigung eine Rolle, sich lieber mit Rekordleistungen als mit den mausgrauen Erfahrungen bei den arrivierten Methoden zu befassen. Obendrein sind solche Prognosen nicht besonders riskant. So gab etwa die heute beobachtete Rückdrängung der Lochkarten den Propheten recht. Sehr fraglich aber bleibt es, ob ein anderes, nur wenig geringer verbreitetes Medium das gleiche Schicksal teilt, das inzwischen ebenfalls hochbetagte Medium "Magnetkonto". Auf alle Fälle ist bei ihm noch mit einer vieljährigen Lebensdauer zu rechnen.

EDV zu Fuß?

Diese These vertritt jedoch kaum ein Fachbeobachter, dessen Hauptfeld die Groß-EDV ist. Aus ihrer Sicht, gilt das Magnetkonto ohnehin als Ausdruck einer "EDV zu Fuß". In der Tat gibt es kaum ein anderes Medium, bei dem die maximal erzielbaren Eingabe-, Verarbeitungs-, Ausgabe- und Speicherleistungen schon technisch bedingt derart eng begrenzt und derart wenig entwicklungsfähig erscheinen. Auch nehmen die Magnetkonten nicht an dem allgemeinen Trend zu immer niedrigeren Kosten pro Speicherstelle teil. Vor allem aber zeichnen sich im Preis- und Leistungsbereich der Magnetkontencomputer

Datenträger und Speichermedien mit wesentlich höheren Kapazitäten, mit vielfach schnellerem Zugriff und mit flexibleren Betriebssystemen und niedrigeren Kosten ab. An der Spitze liegen zur Zeit die Disketten und Magnetbandkassetten. Mit immer geringerem Abstand folgen ihnen die kleinen Plattenspeicher, zumeist in Versionen mit je einer Fest- und Wechselplatte.

75 000 MKC-Installationen

Kein Wunder also, wenn die Magnetkontokarte selbst in ihrem Vaterland in die Kritik gerät, in der Bundesrepublik Deutschland. Aber die Endzeit-Propheten sind auch hier nicht frei von pragmatischen Marktstrategien. Mehr als 75 000 Installationen von Magnetkontencomputern bilden eine riesige Marktreserve für jüngere Systementwicklungen. Rückblickend muß es als weitblickende Strategie deutet werden, wenn etwa die IBM bereits drei Jahre vor der Premiere des konkurrierenden Systems /32 hierzulande eine einjährige Kampagne durchgeführt hat. Provozierendes Thema: "Computer oder mittlere Datentechnik?".

Andererseits kann es nicht als Symptom der geringen Entwicklungsfreudigkeit gelten, wenn das Magnetkonto bis heute am seltensten in seinem ureigenen Benutzerkreis in Frage gestellt worden ist. Trotz aller Alternativen hält nämlich das Marktwachstum fürs Magnetkonto noch immer an. Die einschlägige Fachindustrie widmet diesem Bereich gar seit 1975/76 eine beachtlich umfangreiche Klasse neuer Systeme, um noch kleinere Anwender an diese Technik heranzuführen: Erheblich unterhalb des bisher gewohnten Kostenbereichs, beginnend mit rund 35 000 DM, hält seitdem eine neue Klasse von "MKCs" in die Büros Einzug. Hintergrund des somit andauernden Erfolgs sind triviale Wahrheiten. Zur richtigen Systemauswahl fährt selbst im kleinsten Unternehmen nicht das Ziel des Leistungsrekords, sondern der Plan, ausnutzbare Leistungen sicherzustellen, die im Rahmen des eigenen finanziellen Spielraums zugänglich sind. Im Feld der kleineren DV-Aufgaben verlieren höchste Durchsatzraten und kürzeste Zugriffszeiten ihre Bedeutung. Um so höher aber werden Rationalisierungschancen veranschlagt, die sich durch eine optimale Organisation mobilisieren lassen.

Trauma "Integration"

Angesichts solcher Prioritäten hält kaum eine andere DV-Methode bei vergleichbarem Aufwand mit den Möglichkeiten Schritt, die für die Magnetkontenverarbeitung typisch sind. So alt wie die EDV ist etwa der Traum von der "integrierten Datenverarbeitung". Erst die leistungsfähigsten Betriebssysteme für Datenbanken und Terminalsysteme rücken seine Erfüllung in der Groß-EDV näher. Die Magnetkonten-Verarbeitung erschließt aufgabenentsprechende Integrationen zwischen den Abläufen in komplexen Gebieten mit einer erstaunlichen Spannweite und bei denkbar geringstem Aufwand. Nicht in der Benutzung von elektronisch gesteuerten Funktionen haben die mittelständischen Unternehmen dank der Magnetkontenverarbeitung den viel versprochenen "Anschluß" an die EDV gefunden. Im Rahmen ihrer Bedürfnisse sind die Betriebe vielmehr durch die integrierte Datenverarbeitung den Groß-EDV-Benutzern ebenbürtig geworden. Mit Magnetkonten ist die Zusammenführung, Verknüpfung, Verdichtung und Verrechnung von a en möglich, die im Zuge der Fakturierung und Buchführung nur einmal erfaßt werden müssen.

Ein großer Teil der Magnetkonten-Benutzer hat vor dem Schritt in diese, Methode auf traditionelle Weise allein für den Einklang zwischen Sachabwicklungen und Zahlungsverkehr bzw. Buchhaltung gesorgt. Datenauswertungen für die Disposition, Planung und Geschäftsführung blieben mit manuellen und mechanischen Techniken zu kostenträchtig. Auch hat dieser Stil der nebeneinander verwalteten DV-Aufgaben oft zu einem unharmonischen Bearbeitungsrhythmus beigetragen. Lieferte ein Fachbereich Ergebnisse, so bereitete ein anderer wohl gerade das Zahlenmaterial auf, das mit diesen Ergebnissen im Sinnzusammenhang steht. Und so weiter. All solche Phänomene konnten nach Übergang auf eine integrierte Datenverarbeitung vergessen werden, die sich auf Magnetkonten stützt. Vor allem aber blieben auch die Vorteile der Vorgänger-Organisation gewahrt, die Sachaufgabe-Nähe und die nicht zu unterschätzende Koppelung zwischen verbalen und maschinell lesbaren Konteninformationen.

Einzug der Disketten

Seitdem in den Preis- und Leistungsbereich der Magnetkontencomputer jüngere Datenträger und Speichermedien Einzug halten, sind denn auch nicht die eben umrissenen Eigenschaften in Frage gestellt worden. Vielmehr setzten sich die Fachspezialisten bislang nicht sonderlich erfolgreich mit dem Problem auseinander, diese Eigenschaften mit den Möglichkeiten der nun verfügbaren Speicherkapazitäten, der höheren Zugriffsleistung und der Speicherorganisation zu verbinden. Nach anfänglicher Skepsis in der Fachindustrie ist es heute zur Verknüpfung zwischen Magnetkonten-, Magnetbandkassetten-, Disketten- und Plattenverarbeitung gekommen, wobei die verfahrensspezifischen Eigenschaften all dieser Medien im Rahmen integrierter Systeme dort zum Zuge kommen, wo sie ihren Hauptnutzen bieten. Etwa in der Fäkturierung mit integrierter Debitorenbuchhaltung.

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So alt wie die EDV ist. .. der Traum von der "integrierten Datenverarbeitung". . .

Mit Magnetkonten ist die Zusammenführung, Verknüpfung, Verdichtung und Verrechnung von Daten möglich. ..

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Kein Ersatz in Sicht?

Hier werden die Debitoren nach wie vor mit Magnetkonten erfaßt und zur Rechnungserstellung eingegeben, während die Artikeldaten von Floppy Disks abgerufen bzw. mit diesem Medium fortgeschrieben werden. Dadurch sind hohe Leistungsgewinne möglich, wenn bislang das Handling mit Hunderten von Artikelkonten in Kauf zu nehmen war. "Lupenreine" Floppy Disk-Systeme bieten hingegen nur selten für eine komplexe integrierte DV-Organisation mit Magnetkonten gleichwertigen oder besseren Ersatz. Die Hürden zeigen sich dabei hauptsächlich im erforderlichen Betriebssystem mit all seinen Zwängen. Bei vergleichbarer Leistung und Organisation käme in vielen Fällen dann gleich ein plattenorientiertes DV-System in Frage. Damit aber wäre ein Kostensprung, verbunden, der den finanziellen Rahmen vieler heutiger Benutzer von Magnetkonten-Systemen sprengt.

* Herbert F. W. Schramm ist freier EDV-Fachjournalist