Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

05.11.1982 - 

Zuständigkeitsverteilung bei der DV-Organisation

Das Management muß die Leitlinien vorgeben

MÜNCHEN (CW) - Wie in anderen Bereichen hängt auch in der Fertigung der Erfolg aller organisatorischen Konzepte davon ab, in welchem Umfang sich das Management mit dem Systementwurf identifiziert. Bei der Projektierung von DV-Systemen in der Fertigung sollten sich daher die Entscheidungsträger von Beginn an einschalten und die Leitlinien frühzeitig abstecken, um mögliche Konkurrenzsituationen zwischen der DV-Abteilung für die klassischen kommerziellen Anwendungen und der technischen DV-Abteilung gar nicht erst entstehen zu lassen.

In der Zeit der Partiallösungen zur DV-Organisation war

- der Wirkungsgrad der Anwendungen organisatorisch begrenzt,

- die sachliche Verantwortung zum Teil der DV-Abteilung übertragen,

- Entwicklungskosten relativ gering und somit

- das Risiko einer Fehlentwicklung nicht erheblich. Hier war das Management nicht gefordert.

In der heutigen Zeit jedoch, wo alle neu konzipierten Anwendungen integrierte Planungs-, Steuerungs- und Informationssysteme sind, hat erstens

- die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und zweites

- die Einsatzplanung der Manpower-Ressourcen einen anderen Stellenwert bekommen.

- Allein für die Bereitstellung der heute erforderlichen Mittel ist das Management aufgrund seines Überblicks und seiner Autorität gefordert. Aber auch die klare Definition von Zielen und die Überprüfung ihrer Einhaltung bedingen eine entsprechende unternehmerische Kompetenz.

Betrachtet man unter diesen Vorzeichen die DV-Organisation in der Fertigung, so findet man einige Bereiche, in denen das Management nach Abstecken der Rahmenbedingungen die Verantwortung in die entsprechenden Fachbereiche delegiert hat. Dieses war möglich, weil hier eine spezielle Fachkompetenz erforderlich ist und diese Bereiche keine unternehmenspolitischen Aktionsparameter darstellen - sofern sie sich an ihren wirtschaftlichen Rahmen halten.

Der EDV-Einsatz in den Bereichen Projektierung und Entwicklung/ Konstruktion kann unter dem Schlagwort CAD grob zusammengefaßt werden. Die Verantwortung und Zuständigkeit für diesen Bereich liegt eindeutig bei den Anwendern selbst, da hier die speziellen Belange des Anwenders in den Vordergrund treten.

Die Tätigkeiten der Datenverarbeiter erstrecken sich im wesentlichen auf die Beratung in Fragen der Hardwareauswahl, Software und ergonomische Gesichtspunkte.

Mit zunehmender Einsatzerfahrung der Anwender wird der Wunsch nach Erweiterung der Software zur Lösung firmenspezifischer Problemstellungen größer. Die Entwicklung firmenspezifischer Software wird entweder mit Personal aus der eigenen Abteilung, Mitgliedern der CAD-Anwendungsgruppe, oder in enger Zusammenarbeit mit der eigenen DV-Abteilung, jedoch unter Verantwortung, der Anwendungsabteilung durchgeführt.

Häufig wird auch der Weg einer externen Programmierung beim Hersteller der Hard-/Software, in Softwarehäusern oder Hochschulen beschritten.

Auch die Zuständigkeit bei der NC-Programmierung (CAM) ist eindeutig geregelt. Die für diese Anwendung existierenden Programme sind allgemeingültig für die Anwendungsfälle Drehen, Bohren, Fräsen etc. geschrieben.

Die Software ist in der Regel implementiert auf kleinen bis mittleren Prozeßrechneranlagen, die in der Arbeitsvorbereitung verfügbar sind.

Ebenso eindeutig sind die Zuständigkeiten im Bereich der Systeme zur Prozeßsteuerung und Betriebsdatenerfassung mit den entsprechenden Betriebsdatenerfassungsgeräten. (Sofern die erfaßten Daten nicht Eingabedaten für komplexe kommerzielle Systeme sind.) Bei diesen Anwendungen werden die entscheidenden Akzente durch die Betriebsleitung gesetzt. Die Aufgaben der Datenverarbeitung beschränken sich meist auf die Beratung bei der Auswahl von Hard- beziehungsweise Software. Bei der Realisierung sind die Datenverarbeiter streng an die Vorgaben der Fertigungsingenieure gehalten. Ihre Verantwortung erstreckt sich auf die Erstellung effizienter Software.

Für die bisher diskutierten Anwendungsbereiche sind folgende Merkmale typisch:

- Es gibt keine konkurrierenden Systeme auf einem Rechner.

- Die Rechner sind nach Erstellung der Software hochspezialisierte "Fachidioten".

- Eventuell teilen sich mehrere Anlagen eine organisatorische Aufgabe.

Die Probleme bei der Zuständigkeit für die DV-Organisation in der Fertigung ergeben sich dort, wo die Anwendungen der Fertigung mit zum Teil bereits existierenden Systemen aus anderen Bereichen konkurrieren. Dies gilt zum Teil für Systeme zur Fertigungsplanung. In besonderem Maße trifft es jedoch auf alle Systeme zur Fertigungssteuerung zu. Unter Fertigungsplanung sollen in diesem Zusammenhang alle Maßnahmen verstanden werden, die von langfristiger Wirkung für das Unternehmen sind, während unter Fertigungssteuerung jene Maßnahmen subsumiert werden, die für den laufenden Betrieb erforderlich sind.

Aus dieser Definition wird ersichtlich, daß die Anwendungssysteme zur Fertigungsplanung, seien sie zyklisch oder azyklisch, nicht unter besonderem Termindruck stehen, so daß die Konkurrenzsituation zu den klassischen kommerziellen Anwendungen nicht so ausgeprägt ist. Ausnahmen bilden in diesem Fall die ausgesprochenen Langläufer, die eine DV-Anlage über einen längeren Zeitraum blockieren.

Bei den Anwendungssystemen zur Fertigungssteuerung jedoch ist die Konkurrenzsituation zu Systemen wie Fakturierung, Buchhaltung und Lohn und Gehalt sehr viel deutlicher. Hierzu seien einige typische Anforderungen, die ein System zur Fertigungssteuerung an den laufenden Betrieb der Datenverarbeitung stellt, aufgezählt:

- hohe Verfügbarkeit im 24-Stunden-Betrieb (Analogie zur Prozeßsteuerung, Back-up-fähige Systeme , Hot-stand-by-Systeme),

- Dialogsysteme mit kurzen Responsezeiten,

- komplexe Datenbanksysteme mit kurzen Verarbeitungszeiten,

- Datensichtgeräte, die unter extremen Umweltbedingungen fehlerfrei arbeiten.

Wenn man bedenkt, daß noch viele Datenverarbeitungs-Abteilungen dem Bereich Rechnungswesen unterstellt sind, kann man verstehen, daß viele Betriebsleiter den Datenverarbeitern mit dem Mißtrauen entgegentreten, sie würden nur nachrangig bedient. Dies hat in vielen Unternehmen dazu geführt, daß neben der Datenverarbeitungs-Abteilung für die klassischen kommerziellen Anwendungen (Buchhaltung, Kostenrechnung, Fakturierung, Personalsysteme etc.) eine weitere Datenverarbeitungs-Abteilung, meist mit dem Beiwort technisch oder betrieblich, eingerichtet wurde.

Es ist naheliegend, daß hieraus einerseits Abgrenzungsprobleme entstehen, andererseits innerbetriebliche Konkurrenzsituationen geschaffen werden.

Freilich: Wo und in welcher Verantwortung die DV-Abteilung(en) letztlich einzuordnen ist (sind), hängt im wesentlichen auch von der Unternehmensorganisation als solcher ab.

Der Umfang der heute zur Realisierung anstehenden Projekte im Bereich Fertigungssteuerung macht es dringend erforderlich, den Kosten für die Projektrealisierung einerseits und den Wirtschaftlichkeitseffekten durch den Einsatz dieser Anwendungssysteme erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen.

Bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit müssen quantitative und qualitative Momente berücksichtigt werden. Aus diesen Gründen ist die Übersicht und Entscheidungskompetenz des Managements in hohem Maße gefordert. Nur hier kann der nötige Nachdruck in ein Projekt gebracht werden und alle Vorteilhaftigkeitskriterien gewürdigt werden.

Auch der Projektverfolgung sollte das Management größte Aufmerksamkeit zuteil Werden lassen, um dem Entstehen von Dauerläufern vorzubeugen. Bei Projekten dieses Umfangs ist die Gefahr, daß das Realisieren reiner Selbstzweck wird, latent vorhanden. Zur Festlegung der Ziele, die mit einem Anwendungssystem erreicht werden sollen, bedarf es der Erfahrung und Übersicht des Managements (zum Beispiel: Werksleitung). Es ist falsch, anzunehmen, daß das DV-Personal den erforderlichen Überblick hat! Wenn den DV-Mitarbeitern eine solche Aufgabe allein überantwortet wird, dann erhält man Systeme, die für die DV ausgelegt sind und nicht für die eigentliche Anwendung. Das führt oft zu Enttäuschungen und zur Ablehnung der DV. Wenn eine Anwendung falsch konzipiert wurde, kann das effizienteste Programm diesen Mangel nicht heilen! Natürlich kann ein DV-Mitarbeiter die Projektleitung übernehmen, wenn er die volle Unterstützung des Fachmanagements und der späteren Anwender hat.

Das Management initiiert die Projektierung eines DV-Systems in der Fertigung. Es bestimmt den Projektleiter und die Ziele, die mit dem Projekt erreicht werden sollen. Es überwacht die Einhaltung der Termine und Ziele und sorgt für die Bereitstellung aller zur termingerechten und qualifizierten Realisierung erforderlichen Mittel.

Die DV-Abteilung kann nur für die Effizienz der Software und die Qualität der DV-technischen Systemplanung verantwortlich zeichnen.