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01.04.1994

Das Ministerium fuer Landwirtschaft vertraut auf PCs

Nach dem Motto "Keep it simple" errichtet das Saechsische Staatsministerium fuer Landwirtschaft, Ernaehrung und Forsten seine Computerinfrastruktur als Client-Server-Architektur. Vernetzte DOS-PCs sind die Traeger des Systems. Fuer den DV-Verantwortlichen Karl-Otto Feger hat dieses Konzept Vorbildfunktion: "Wir muessen den angeschlossenen Behoerden immer voraus sein."

Im Saechsischen Staatsministerium fuer Landwirtschaft, Ernaehrung und Forsten (SLM) basiert die DV-Infrastruktur auf PCs. "Wir sind vermutlich die einzige oeffentliche Verwaltung, die ihr Geschaeft zum groessten Teil mit PCs abwickelt", erklaert Feger, der in der Dresdner Behoerde fuer die Informationstechnik verantwortlich ist.

Der DV-Experte hatte das grosse Glueck, praktisch auf der gruenen Wiese starten zu koennen. Keine DV-Altlasten, keine ueberkommenen Programmstrukturen aus den Anfaengen der Datenverarbeitung mussten beruecksichtigt werden. Im Jahr 1991 wurden die ersten Arbeitsplatzcomputer in der Behoerde installiert.

Das SML umfasst verschiedene Aemter. Die Landesanstalt fuer Landwirtschaft mit neun Abteilungen ist vorwiegend in der angewandten Forschung taetig, waehrend die 14 Aemter fuer Landwirtschaft, die dem Regierungspraesidium Chemnitz zugeordnet sind, praktische Arbeit fuer Landwirte leisten, etwa Beratung. Sie fungieren als Schnittstelle zwischen dem Ministerium und den Buergern. Drei Aemter fuer laendliche Neuordnung beschaeftigen sich hauptsaechlich mit der Flurbereinigung.

Eigenes Institut betreut den Host und die Netze

Ausserdem gibt es zwei Forstdirektionen mit zirka 60 Forstaemtern, die Landesanstalt fuer Forsten und eine Reihe von Schulen und Fortbildungsstaetten, die nicht zuletzt auch fuer die DV-Schulung der Mitarbeiter des Ministeriums und der Aemter zur Verfuegung stehen. Insgesamt sind rund 3000 Menschen in diesem Bereich beschaeftigt, davon etwa 200 im Dresdner Ministerium.

Die saechsischen Landwirte haben gegenueber ihren Kollegen in den alten Bundeslaendern den Vorteil, dass die durchschnittliche Betriebsgroesse bei etwa 100 Hektar im Vergleich zu durchschnittlich 13 Hektar im Westen liegt. Theoretisch lassen sich diese grossen Flaechen wirtschaftlicher bearbeiten als die kleinen. Das SML hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erzeuger ueber freie Marktwirtschaft und wirtschaftliche Absatzpolitik zu informieren. Wissensvermittlung ueber Bundes- oder EU-Foerdermoeglichkeiten ist genauso wichtig wie Verkaufsfoerderungsaktionen, und ueberall ist das Ministerium mit seinen Aussenstellen der Ansprechpartner fuer Land- und Forstwirte.

Dem Ministerium ist das Institut fuer Informationsverarbeitung angegliedert. Dort wird der ueberwiegende Teil der Verwaltungssoftware fuer das SML entwickelt sowie die Hardware und die Netze gewartet. Der Jumbo, ein "IBM ES9000"-Mainframe, erledigt die mit dieser Technologie zu bewaeltigenden Aufgaben. Informationen ueber Ertraege und Erntemengen, ueber Flaechennutzung, Nutztierbestaende und tierische Leistungen wie Milch- und Eiererzeugung, muessen bundesweit fuer das Statistische Jahrbuch ueber Ernaehrung, Landwirtschaft und Forsten sowie dem Statistischen Landesamt des Freistaates Sachsen bereitgestellt werden.

Standards sollen den Wildwuchs verhindern

Die drei Aemter fuer laendliche Neuordnung arbeiten mit Middle-Size- Computern des Typs "Decstation 5000" von Digital Equipment. Im SML begann das Computerzeitalter ausschliesslich mit PCs. "Wir haben eine Art Vorzeigefunktion und muessen den angeschlossenen Behoerden immer etwas voraus sein", erklaert der DV-Verantwortliche Feger.

Um den viel gefuerchteten Wildwuchs in der Hard- und Softwarelandschaft zu vermeiden, hat Feger Standards definiert, auf deren Einhaltung er besteht. Nur durchgehende Datenstrukturen koennen aus seiner Sicht einen durchgaengigen Informationsfluss ermoeglichen. Ausserdem bieten sie die Vorteile hoher Transparenz und eines leicht zu realisierenden Datenschutzes.

Das Ministerium und die angeschlossenen Behoerden setzen bereits rund 800 PCs ein. 1200 Maschinen sollen es einmal werden. Das Rueckgrat aller Anwendungen, die auf Basis von Client-Server- Konzepten entwickelt werden, sollen PC-Netze sein. Zentrale Datenbanken erledigen Such- und Sortierfunktionen fuer die PC- Clients. Die Netzlast wird durch Sybase-SQL-Datenbanken niedrig gehalten, die nur die angeforderten, selektierten Daten und nicht ganze Dateien ueber das Netz schieben.

Zur "Keep-it-simple"-Strategie des DV-Profis gehoert auch, bei der Hardware auf Markenfabrikate zu setzen, um Wartungspersonal zu sparen. Landesweit stehen nur vier Mitarbeiter fuer diese Aufgaben zur Verfuegung. "Wir haben fast zu drei Vierteln Compaq-PCs im Einsatz, daneben PCs von Nokia und SNI", fasst Feger zusammen.

Rund 180 PCs werden im SML fuer klassische Bueroaufgaben wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Grafikerstellung und Datenbanknutzung installiert. Alle Anwendungen laufen unter MS- Windows. Als Daten-Server unter dem Betriebssystem Novell Netware sind "Prosignia"-Rechner von Compaq im Einsatz. Die entscheidenden Leistungsmerkmale der 486er Computer sind fuer das SML das "Insight Server Management", das die Systemverfuegbarkeit gewaehren soll, sowie der Zugriffsschutz.

Das wichtigste Programm, das die Gruppe um DV-Teamchef Feger entwickelt und in den einzelnen Aemtern installiert hat, wickelt die Aufgaben im Zusammenhang mit der EU-Agrarreform ab. Die Vorgaben der Europaeischen Union fuer die Bewilligung von Foerdergeldern sind aeusserst komplex, weil alle Flaechen- und Nutzungsdaten des landwirtschaftlichen Betriebs benoetigt werden, so dass ein Antrag schnell auf einen Umfang von 60 Seiten anschwillt. Die Software ist mit dem Textverarbeitungsprogramm "Word" verknuepft, das rund 80 Prozent aller Anwendungen im SML ausmacht.

Auch in der Pressestelle des Ministeriums wird hauptsaechlich die Textverarbeitung benutzt. Grossen Nutzen ziehen die Presseleute zudem aus dem Fax-Server: 40 Prozent aller Presseinformationen werden per Fax direkt aus dem Rechner an rund 50 Adressaten versendet. Ausserdem ist das E-Mail-System ein wichtiges Kommunikationsmittel innerhalb des SML und zukuenftig auch im gesamten Geschaeftsbereich.

Im Dresdner Ministerium sind Clients und Server ueber ein lokales Netz miteinander verbunden. Die Protokollwelt ist dort sauber: Nicht einmal auf Unix wollte sich Referent Feger einlassen, um Protokollproblemen bei der Vernetzung auszuweichen. "Jeder zusaetzliche Aufwand an Systemadministration kostet mich Personalressourcen, die ich nicht habe", so seine simple Rechnung.

Online-Verbindungen zu den anderen Aemtern und Behoerden des SML im Freistaat Sachsen gibt es noch nicht. Die Aemter arbeiten autark und tauschen mit dem Institut fuer Informationstechnik regelmaessig Daten aus, die unter anderem in das Agrar- und Forstwirtschaftliche Informationssystem Sachsen (AFISS) eingespeist werden.

Neben Programmen wie Textverarbeitung, Terminplanung und Tabellenkalkulation existieren in den Aemtern weitere Anwendungen. So werden auf den PCs auch Prognosen ueber die Entwicklung der Bodenfeuchtigkeit oder der Krankheiten bei Getreidesorten errechnet. Breiten Raum nimmt auch die Auswertung von Landessortenversuchen ein. Jedes verkaufte Saatgut muss eine Zulassung besitzen, die von der Landesanstalt fuer Landwirtschaft nach entsprechenden Versuchen und deren Auswertung erteilt wird. Eine weitere PC-Anwendung sind die Bestandsanalysen fuer die Nutztieraufzucht.

Im SML arbeitet man zuegig an weiteren Anwendungen. Verwaltungsprogramme wie Personalwesen und Adressverwaltung haben Prioritaet. "Ein hausinternes Telefonverzeichnis, das auf dem Datenbank-Server installiert ist, war unsere erste Client-Server- Anwendung - fast als Spiel zu bezeichnen, aber gut zum Testen", erklaert Feger. Auch die Registratur des Posteingangs zaehlte zu den fruehesten Anwendungen. Um den Grundstein fuer die integrierte Vorgangsbearbeitung zu legen, fehlen aber unter anderem noch Scanner, Retrieval-Systeme und grosse Archivbildschirme.

Softwareverteilung via Netz zum Ziel gesetzt

Zu Fegers Aufgabenspektrum zaehlt es auch, die Mainframe-Welt in die Client-Server-Architektur einzubinden. Der Mainframe soll als zentraler Server die Basis fuer verteilte Datenbanken bilden und als ressortweites Archiv dienen. Bis diese Loesung, an der IBM und der Datenbankhersteller Sybase arbeiten, fertig ist, muss auch das landesweite Kommunikationsnetz aufgebaut sein.

Das Weitverkehrsnetz soll voraussichtlich auf den X.25-Standard aufsetzen und neben der Datenbankkommunikation auch die elektronische Verteilung von Software an Aemter und Behoerden, den Dokumentenaustausch, das Netz-Management und die elektronische Post unterstuetzen.