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14.02.1997 - 

Zuversicht auf der OOP '97 und Java Expo

Das Nahziel: Komponenten für Geschäftsanwendungen

Zweifel an der kommerziellen Reife von Objekttechniken äußerte Siemens-Nixdorf-Vorstand Peter Pagé in seiner diesbezüglich häufig von Widerspruch unterbrochenen Ansprache. Zu den zentralen Argumenten des SNI-Managers gehörte, daß die Funktion der Vererbung über- und die der Kommunikation von Objekten unterschätzt werde.

Hinter diesem Einwand verbirgt sich Werbung für SNIs hauseigene objektorientierte Entwicklungsplattform "Comunity", die mit Microsofts OLE-Technik erstellt wird, bei der es keine Vererbung im strengen Sinne gibt. Man habe es mit den klassischen OO-Verfahren versucht, sei damit aber nicht klargekommen, begründet Pagé seine Vorbehalte gegen Vererbung - zumindest für kommerzielle Anwendungen.

"Nennen Sie mir nur ein Großprojekt im nicht-technischen Bereich, bei dem Vererbung eine wichtige Rolle spielt", forderte Pagé das Plenum auf. Sofort schossen eine Reihe von Händen in die Luft, um ihn zu widerlegen. Die genannten Beispiele ließ Pagé jedoch nicht gelten, weil sie zu technisch seien. Kritik erntete er auch für die Behauptung, objektorientierte Datenbanken seien für Anwendungen im großen Stil nicht geeignet. Unwidersprochen blieben jedoch die Hinweise, daß es bislang an Komponenten-Bibliotheken für kommerzielle Anwendungen fehle. Auch fehlende Standardmethoden mahnte er an.

Dabei hat Pagé offensichtlich nicht bedacht, daß die Branche im Analyse- und Design-Bereich mit der "Unified Modelling Lan- guage" (UML) gerade erst ein wichtiger Schritt in Richtung objektorientierter Geschäftsanwendungen gegangen ist. An der seit Jahren betriebenen Verschmelzung der marktführenden Entwicklungsmethoden von Jacobson, Rumbaugh und Booch hat sich in der Schlußphase selbst Microsoft beteiligt. Ivar Jacobson, der das seit Januar dieses Jahres gültige Verfahren in München vorstellte, kündigte darüber hinaus ein mit den beiden Kollegen gemeinsam verfaßtes Buch über Prozeßmodellierung für kommerzielle Anwendungen an. UML und Buch hätten zum Ziel, die Kommunikation zwischen DV-Abteilung und Unternehmensleitung zu verbessern. Ja- cobsons Argument: "Erst wenn der Unternehmens- und IT-Manager einander verstehen, wenn sie über geschäftliche Erfordernisse reden, lassen sich die Hindernisse zur Schaffung von Komponenten auf breiter Ebene beiseite räumen."

An der Entstehung einer Komponentenindustrie in den kommenden zwei Jahren zweifelt auch Pagé nicht. Tatsächlich wurde in vielen Veranstaltungen und Diskussionen deutlich, wie sehr die Entwickler auf das Java Developer Kit (JDK) von Javasoft warten, mit dessen Hilfe sich erstmals auf professionelle Weise Java-Komponenten schaffen lassen sollen. Schon jetzt hat der enorme Java-Boom dazu geführt, daß bereits ein Jahr nach Vorstellung der Sprache Büropakete wie "Corel Office" damit programmiert wurden.

Diese Begeisterung hat inzwischen bei den Smalltalk-Entwicklern die Befürchtung hervorgerufen, daß ihnen Java-Projekte den Rang ablaufen könnten.

Eine solche Entwicklung käme um so ungelegener, als Smalltalk nach Aussage von Herstellervertretern wie Georg Heeg und Gemstone-Geschäftsführer Andreas Schwarze gerade in Deutschland aus dem Projektstadium herausgetreten ist und zunehmend in ernstzunehmenden Geschäftsanwendungen eingesetzt wird. Die Smalltalk-Spezialisten glauben allerdings, daß Java aus Gründen der Sprachähnlichkeit eher im Feld der C++-Entwickler wildern wird. Trotz des großen Potentials von Java vor allem im Internet-Bereich kämen für kommerzielle Projekte derzeit nur bewährte Sprachen in Frage.

Auch das Personal am IBM-Stand, das vor allem für die Entwicklungsumgebung "Visual Age for Java" warb, empfahl für akute Aufgaben Smalltalk. Die IBM versicherten den zweifelnden Smalltalk-Entwicklern, daß auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Produkte kurz vor der Auslieferung ständen.

Ein weiteres Indiz für die zunehmende Reife der OO-Branchen lieferte die Rede von Annrai O'Toole, Chief Technology Officer der irischen Iona Technologies Ltd., Dublin. Gleich zu Beginn machte er klar, daß Objektorientierung wenig mit der Ablösung bisheriger Techniken zu tun habe. Es gehe vielmehr um die Integration der sogenannten Legacy-Anwendungen". Diese alten Programme sind gut, denn sie funktionieren", brachte O'Toole seine Haltung auf den Punkt.

Außerdem erinnerte er an das Versprechen der Standardorganisation OMG, nur Techniken zu zertifizieren, mit denen sich Altanwendungen objektorientiert kapseln und so in moderne Umgebungen einbinden lassen. Das zentrale Instrument dafür sei die Corba-Schnittstelle oder auf Windows-Systemen Microsofts Active-X-Technik.

Als Beispiel berichtete O'Toole vom Flugzeughersteller Boeing, der sich vorgenommen habe, seine DV mit 20 MVS-Systemen und hunderten von Unix-Servern für rund 50000 Anwender zu integrieren. Konkret arbeite der Konzern unter der Bezeichnung "Cots" daran, sieben voneinander bislang unabhängige Fertigungssysteme auf Corba-Basis miteinander zu verbinden.

Als wichtigste Herausforderung der Objekttechnologie betrachtet O'Toole derzeit die Skalierbarkeit. So müsse man die Transaktionstechniken der Mainframes neu erfinden. Auch hier würdigte er die Bemühungen Microsofts, machte aber gleichzeitig kein Hehl aus seiner Abneigung gegen die seiner Meinung nach damit verbundenen monopolistischen Bestrebungen. Technisch gesehen seien die OMG-Techniken reifer. Außerdem bezweifelte Ionas Cheftechniker die Ernsthaftigkeit des Unternehmens, Active X auf andere Plattformen zu bringen. Seiner Meinung nach hat Microsoft der Standardorganisation The Open Group Active X nur überlassen, um den schwarzen Peter der von den Anwendern geforderten Öffnung loszuwerden und im Fall des Scheiterns jemand anderen verantwortlich machen zu können.

Java Expo

Die von der Sigs Conferences GmbH in München ausgerichtete Konferenzmesse OOP '97/Java Expo entwickelt sich neben der Objectworld zur wichtigsten Veranstaltung für Entwickler im deutschsprachigen Raum. Aus diesem Grund wollen die Veranstalter auf weitere Versuche verzichten, die in den USA erfolgreiche Software Developers Conference (Software Devcon) zu etablieren. Die Münchner Veranstaltung platzte dieses Jahr aus allen Nähten. Nur mit Mühe fanden die rund 100 Aussteller auf 85 zum Teil winzigen Ständen Raum. Im Zentrum des Interesses standen jedoch die zehn parallel laufenden Vortragsreihen, von denen sich drei Java, zwei C++ und einer Smalltalk widmeten. Eine Verteilung, die der Interessenlage der hauptsächlich aus Entwicklern bestehenden Besucherschaft entsprach. Weitere Themen waren Analyse/Design, Komponenten/Frameworks sowie Verteilung und Anwendungsentwicklung. Außerdem gab es eine Sonderveranstaltung für Ada-Entwickler. Verzichtet wurde in diesem Jahr auf eine Vortragsreihe für Teilnehmer aus dem Unternehmens-Management. Insgesamt waren mit 893 Konferenzteilnehmern 15 Prozent mehr angemeldet als im Vorjahr. Insgesamt rechnen die Veranstalter mit etwa 3000 Besuchern.