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19.12.1997 - 

Interview

"Das Netzwerk wird zum Nabel der Welt"

CW: Netscape hat es stets als Vorteil seiner Produkte bezeichnet, multiplattformfähig zu sein. Nun will Microsoft Browser für Windows 3.1, Macintosh und Unix herausbringen. Wie sieht Netscapes Antwort aus?

Andreessen: Microsoft verspricht das seit drei Jahren, hat aber bisher nichts ausgeliefert. Sie sollten es besser bleiben lassen. Auch auf der Server-Seite unterstützt Microsoft weder die verschiedenen Varianten von Unix und Netware noch frühere Versionen von NT. Netscapes Produkte decken 100 Prozent dessen ab, was im Business-Bereich derzeit installiert ist, Microsofts ungefähr 20 Prozent.

CW: Mit Windows NT hat Microsoft eine starke Stellung im Server-Markt für kleine und mittlere Unternehmen erreicht. Wie will sich Netscape hier abheben?

Andreessen: Ähnlich wie Desktops müssen Server heutzutage in heterogene Netzwerke integriert werden. Netscapes Produkte garantieren Plattformunabhängigkeit. Microsoft versucht Betriebssystem-Upgrades zu verkaufen, während wir die gesamte installierte Basis unterstützen wollen.

CW: Hat sich Netscapes Messaging- und Groupware-Vision im letzten Jahr gewandelt?

Andreessen: Kaum. Wirklich gefestigt haben wir die Idee innerhalb der Industrie, daß Messaging und Groupware auf offenen Standards beruhen sollten. Gleichzeitig sollte die Verwaltung über ein einziges, großes LDAP (Lightweight Directory Access Protocol)-Verzeichnis möglich sein. All das haben wir inzwischen implementiert.

CW: Netscape hat das Java-Logo in der aktuellen Version des Browsers "Navigator" entfernt. Wann werden Sie es wieder einbinden?

Andreessen: Innerhalb eines Vierteljahres. Wir werden sehr bald vollen Support für das Java Development Kit (JDK) 1.1 bieten.

CW: Wie sehen Ihre Pläne bezüglich XML (Extensible Markup Language) aus?

Andreessen: Wir werden Visual Javascript um XML-Unterstützung und -Verzeichnisdienste ergänzen (Visual Javascript ist ein Drag-and-drop-Werkzeug zur Entwicklung von Web-Seiten mit HTML, Javascript und Javabeans, Anm. d. Red.). Außerdem verfügen wir über eine komponentenorientierte Rendering-Maschine als Basis unseres zukünftigen Clients mit dem Codenamen "Gemini".

CW: Netscapes Push-Modul, der "Netcaster", ist offensichtlich nicht besonders erfolgreich. Wie wollen Sie dieses Produkt entwickeln?

Andreessen: Wir sehen sehr wohl großen Zuspruch unter unseren Anwendern. Allerdings müssen wir den Nutzwert deutlicher machen und die Bedienung erleichtern. In der nächsten Ver- sion des "Communicator", der Weiterentwicklung unseres Navigator, werden entsprechende Verbesserungen enthalten sein.

CW: Wie stehen Sie zu den Gerüchten, daß Netscape, IBM, Lotus, Sun und Novell eine gemeinsame Front gegen Microsoft eröffnen wollen?

Andreessen: Es gibt ein amüsantes Akronym, das Microsoft selbst eingeführt hat und natürlich abschätzig gebraucht: Noise. Das steht für Netscape, Oracle, IBM, Sun und Everyone else. All diese Unternehmen haben die gemeinsame Vision, daß das Netzwerk zum Nabel der Welt wird. Die Netzwerke der Zukunft werden praktisch alle Unternehmen und Individuen mittels einer ungeheuren Vielfalt an Zugriffsvorrichtungen verbinden. Wir haben aus diesem Grund eine Serie taktischer und strategischer Partnerschaften geschlossen. Diese reichen vom NC über Corba (Common Object Request Broker Architecture) bis hin zu Java. Dabei handelt es sich allerdings um keine formale Vereinigung. Die Allianz basiert vor allem auf praktischen Geschäftsmöglichkeiten und erweist sich als weit effektiver als erwartet.

CW: Zielt das nicht doch auf den Ausschluß von Microsoft?

Andreessen: Nein. Vielmehr liegt der Allianz eine Auffassung von Netzen zugrunde, derzufolge Betriebssysteme immer unwichtiger werden und Vorgänge wie E-Commerce mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Microsoft kann an dieser Welt teilhaben - allerdings sind sich alle genannten Unternehmen darin einig, daß sie auf offenen Standards aufgebaut werden sollte. Kunden sollten in dieser Welt ein Maximum an Wahlmöglichkeiten und Flexibilität erhalten. Für gewöhnlich schließen Microsofts Eigeninteressen solche Anstrengungen aus.