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09.07.2004 - 

Kolumne

"Das öffentliche IT-Desaster"

09.07.2004
Christoph Witte Chefredakteur CW

Was haben Maut, Herkules und Fiscus gemeinsam? Bei allen handelt es sich um Projekte des Bundes, sie haben mehr oder weniger mit IT zu tun und sind problembehaftet oder gar massiv gefährdet. Die Liste der Gemeinsamkeiten lässt sich fortführen: Sämtliche Vor-haben müssen unterschiedliche - zum Teil gegensätzliche - Interessen unter einen Hut bringen und weisen eine enorme Komplexität auf. Ums liebe Geld geht es natürlich auch: Vom Gelingen dieser Projekte hängt es ab, ob der Bund Milliardenbeträge einsparen kann.

So nehmen wir Deutschen - mit Otto "Zeus" Rehhagel als löblicher Ausnahme - uns offenbar regelmäßig mehr vor, als wir beherrschen. Beispiel Maut: So etwas gab es noch nirgends, ein satellitengestütztes System zur Abrechnung gefahrener LKW-Kilometer. Dass es niemand hat, weil keiner auf die Idee kam, es so kompliziert anzugehen, und weil es technisch sehr schwierig zu realisieren ist, hätte uns vielleicht stutzig machen sollen.

Ein großer Wurf sollte auch Herkules werden, das IT-Konsolidierungsprojekt der Bundeswehr. Es scheiterte nicht an seiner Komplexität, sondern am Geld (siehe Seite 1).

Monetäre Überlegungen dürften auch der Grund dafür sein, warum das Fiscus-Projekt voraussichtlich in diesen Tagen ergebnislos beendet wird. Fiscus steht für "Föderales integriertes standardisiertes computer- unterstütztes Steuersystem" und sollte allen Finanzämtern in Deutschland eine einheitliche Software bescheren. Jetzt, nach 13 Jahren, Hunderten Millionen Euro und ohne konkretes Resultat wird das Projekt wohl von Hans Eichel endgültig zu Grabe getragen. Fiscus geriet aufgrund der widerstreitenden Interessen von Bund und Ländern zum Fiasko.

Warum ist die Gefahr zu scheitern gerade bei öffentlichen Projekten so groß? Es wäre viel zu kurz gedacht, der öffentlichen Hand die alleinige Schuld zu geben. Sicher, die Ausschreibungs- und Entscheidungsprozeduren sind zu kompliziert, aber auch in der Privatwirtschaft scheitern Großprojekte, nur kümmern sich weder Rechnungshöfe noch Presse darum. Unternehmen begraben ihre IT-Leichen meistens heimlich.

Doch die beiden wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen von IT-Vorhaben fehlen der öffentlichen Hand fast immer. Weder sind die Projekte in der Größe und technisch überschaubar, noch sind die Verantwortlichkeiten geklärt. Letzteres ließe sich wohl nur mit einem IT-Chef des Bundes bewerkstelligen, in dessen Verantwortungsbereich die gesamte IT fällt, sobald es um länderübergreifende Belange geht. Da das aber in unserem föderalen System ein Wunschtraum bleibt, werden wir auf erfolgreiche IT-Projekte auf Bundesebene weiter warten müssen.