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28.06.1985

Das OSI-Netz, aus dem die DEC-Träume sind

Digital Equipment will sich mit der Erklärung, die eigenen Netze und Systeme "kompromißlos auf das OSI-Modell abzustimmen" (O-Ton DEC), marktpolitisches Renommee verschaffen "mehr Freiheit für den Anwender" heißt das ohne Frage populäre Motto des Mini-Marktführers (Seite 1).

Sicher ist eines: Die publikumswirksame Aktion, die DEC letztlich kaum mehr als ein Absichtslächeln kostet, weil "Open Systems Interconnect" noch in den Sternen steht, wird die IBM nicht freuen - der Marktführer ist durch den Anspruch groß geworden, Großmeister im Sprüchemachen zu sein. So hört man denn auch aus Stuttgart, OSI sei schon immer ureigenste IBM-Sache gewesen, schließlich wolle der SNA-Anwender wissen, für welche "fremden" Netzwerk-Systeme er via Gateway empfangsbereit bleibt.

Bei Digital sieht es nicht anders aus. Die meisten Kunden sind durch die DEC-eigene Netzarchitektur DNA und das DEC-eigene Betriebssystem VMS festgelegt. Diese Kunden will man einerseits binden, ihnen andererseits jedoch die Möglichkeit nicht verbauen, an der OSI-Entwicklung teilzuhaben.

Bleiben, bei DEC, die Investitionen. Heute sind (Nicht-IBM-)Anwender nicht mehr bereit, herstellerspezifische Einschränkungen hinzunehmen. Das bedeutet für die Nummer zwei auf dem Computermarkt: Produktentwicklungen im Netzbereich, die Normungsprozesse Ó la OSI außerachtlassen, werden vom Kunden nicht mehr honoriert - ein Return on Investment ist gefährdet.

Für den US-Anbieter DEC, so die Konsequenz, blieben alle Türen verschlossen, wurde man dem europäischen OSI-Standard nicht seine Reverenz erweisen. Die OSI-freundliche Politik DECs wird vollends verständlich auf dem Hintergrund schwindender Verkaufschancen: Die IBM, im technisch-wissenschaftlichen Feld bisher eher zurückhaltend, ist drauf und dran, mit Low-cost-Produkten (ASCII-Datenstationen etc.) sowie "Prozeßrechnern" (4361, 4381, aber auch die neuen Sierra-Modelle 3090/200 und 3090/400) Labors und Werkstätten zu erobern - der Markt wird eng für DEC & Co.

Es so zu belassen, wie es war (Schmoren im eigenen DECnet-Saft), hätte für den Mini-Primus langfristig unangenehme Folgen haben können. Den OSI-Schwur deshalb als Muster ohne Wert abzutun - weil DEC gar nicht anders konnte -, wäre unfair in der Sache: Mehr Freizügigkeit, was Netzimplementierungen betrifft, ist aus Anwendersicht dringend geboten. Da rennen die ISO-Leute offene Türen ein. Wenn so wenig Klarheit darüber besteht, wer, was und wo eigentlich "drin" ist in der Kommunikationsszene (Stichwort ISDN), darf man sich nicht wundern, daß die Anwender mauern.

Drei Gründe sprechen dafür, daß das Konzept der "offenen" Systeme durch die DEC-Ankündigung gestärkt wird: Erstens können es sich sämtliche IBM-Konkurrenten nicht mehr leisten, eigene (Netz-)Wege zu gehen (siehe oben). Die Europäer haben sich bekanntlich schon für eine Zusammenarbeit ausgesprochen. Digital Equipment als US-Lokomotive des OSI-Zuges? Kein so übler Gedanke.

Zweitens: Die europäischen Postverwaltungen müssen ihr Angebot auf der Basis eines Dienste integrierenden digitalen Netzes vorantreiben. Nur dann nämlich lassen sich die gewaltigen Investitionen in ISDN rechtfertigen. Die Anwender, drittens, wollen endlich wissen, wo's langgeht. Gleichwohl: OSI braucht Zeit - und die IBM liegt mit SNA auf der Lauer.