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09.03.1984

Das PC-Mißverständnis

Seit letzter Woche steht ein Bildschirmcomputer auf meinem Schreibtisch. Der "Golfball" bleibt vorerst freilich in Reichweite. Noch traue ich dem Wordstar-Frieden nicht so recht. Aufmerksame Leser der Kolumne werden bereits bemerkt haben, daß hier erstmals in der Ich-Form geschrieben wird. Wir halten uns sonst streng an das "Wir" - und das soll auch so bleiben.

In diesem Fall läßt sich Egoismus indes nicht vermeiden. Keine Sorge: Für einen Selbsterfahrungsbericht, etwa unter der Überschrift "Wie ich programmiert wurde", ist uns das Editorial zu schade, ganz abgesehen davon, daß der Platz nicht reichen würde. Die Erwähnung an solch exponierter Stelle verdankt der Computer ABC von DEF (Man hat mich gewarnt, Schleichwerbung zu betreiben) allein der Ironie einiger Kollegen, wie ich mich denn als frischgebackener " Pici"-Anwender fühle.

Gute Frage. Nicht wie die Lästerer vielleicht meinen. Das altbewährte Schreibzeug schlummert bis auf weiteres im Stand-bye-bye. Frühschäden, die sich in Euphorie äußern, sind auch nicht zu erkennen. Es geht alles seinen fortschrittlichen Gang. Aber wähne ich mich im Besitze eines "persönlichen" Werkzeugs, eines sogenannten "Personal Computers"? Keineswegs. Ich mußte das Gerät nicht aus eigener Tasche bezahlen, gedenke auch nicht, eine intime Beziehung mit ihm einzugehen. Ich benutze es in meinem Job, speziell für Textverarbeitung, betrachte die intelligente Schreibmaschine als Arbeitsplatzcomputer - und so heißt das System auch in der Herstellerwerbung (Ob man mir jetzt auf die Schliche kommt?).

So, nun aber endgültig zurück ins gewohnte "Wir". Kein Anwender empfindet Schadenfreude, wenn die Computerindustrie an ihrem eigenen Wortschwall erstickt. Aber nicht nur Begriffsstutzige erwarten eigentlich, daß wenigstens angedeutet wird, was mit einer bestimmten Bezeichnung gemeint ist.

Wir geben offen zu, mit dem "Pörsonell" so unsere Probleme zu haben. Niemand spricht vom persönlichen Auto, von der persönlichen Schreibmaschine, vom persönlichen Buch. Und kleine Computer wie gehabt haben wir: MDT-Anlagen, Arbeitsplatzcomputer, Bildschirmcomputer, Tischcomputer, Business Computer, Minicomputer, Mikrocomputer - um nur die wichtigsten Aufkleber zu nennen.

Man sieht, es geht auch ohne Anleihe bei der Sozialkunde (Oh, Du mein PC!). Wenn Sie mich fragen (Sorry, das war der letzte Ausrutscher): Die Steigerung Mikro-Mini-Mainframe drückt eigentlich alles aus. Damit läßt es sich schreiben - vor allem darüber. Die PC-Taufe war gewiß eine Marketing-Meisterleistung der IBM. Der normale PC ist nämlich alles andere als ein Personal Computer - wir lassen uns noch eingehen, daß ein Chef-Spielzeug wie der Mac von Apple diesen Namen verdient -, sondern ein ausgewachsenes Business-System.

Was nun den Einsatz der Mikros als Workstations in mittleren und großen Unternehmen betrifft, so ist erst recht nicht einzusehen, daß hier von "persönlichen" Computern gesprochen werden muß.

Die Mikros lösen zunehmend die installierten Terminals ab, verhalten sich beispielsweise wie 3270-Datensichtgeräte. Warum also die Dinge nicht beim (richtigen) Namen nennen? Sind Sie, liebe CW-Leser, diesen Hickhack um das werbewirksamste Etikett nicht auch langsam leid? Die Redaktion hat übrigens die Rubrik "Personal Computing" wieder in "Mikrocomputer" umbenannt.