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04.08.2000 - 

Die Spitze bei vielen Hightech-Unternehmen formiert sich neu

Das Personalkarussell in der IT-Branche dreht sich

MÜNCHEN (CW) - Es kommt einer groß angelegten Wachablösung gleich, was sich derzeit in den Führungsetagen von Hightech-Unternehmen tut: Joseph Galli von Amazon.com geht zu einem Internet-Startup, Marimbas schillernde Chefin Kim Polese macht Platz für John Olsen, und Juan Villalonga, Chairman des spanischen TK-Konzerns Telefónica, tritt zurück.

Joseph Galli tauscht seinen Posten als President und Chief Operating Officer (COO) bei Amazon.com gegen die Chefposition beim B-to-B-Experten Verticalnet ein, der über 50 branchenspezifische Online-Marktplätze betreibt. Der 42-Jährige konnte der Versuchung nicht widerstehen, CEO einer Internet-Company zu werden. Zudem wollte er wieder in die Nähe seiner Kinder ziehen, die an der Ostküste leben - Verticalnet ist in Horsham, Pennsylvania, ansässig. Galli ersetzt bei dem Startup, das vor kurzem eine 100 Millionen Dollar schwere Investition von Microsoft erhalten hat, Mark Walsh, der dem Unternehmen als Chairman erhalten bleibt.

Galli nimmt nach 13 turbulenten Monaten seinen Hut als Nummer zwei hinter Amazon.com-Frontmann Jeffrey Bezos. Er soll sich in der lockeren, familiären Unternehmensstruktur des Online-Händlers in Seattle, Washington, nicht wohl gefühlt haben. Eingeweihte Kreise berichten von Zusammenstößen des eher als Hardliner bekannten Galli mit den Angestellten. Besonders unbeliebt soll er sich durch interne Kosteneinsparungsmaßnahmen gemacht haben. Andere Stimmen vermuten, Galli sei mit der zweithöchsten Position unzufrieden gewesen.

Galli hatte bereits vor seinem Antritt bei Amazon.com Aufsehen erregt. Dem ehemaligen Topmanager von Black & Decker wurde Mitte vergangenen Jahres neben dem Posten bei Amazon.com auch eine Führungsposition beim Getränkekonzern Pepsico angeboten. Galli konnte sich lange nicht entscheiden, lehnte dann in letzter Minute die Stelle bei Pepsico ab. Sein Rücktritt fällt für Amazon.com mit einer schwierigen Zeit zusammen. Analysten bemängeln die anhaltenden Verluste, die hohe Schuldenlast und die angeblich schwindenden Cash-Reserven. Angesichts der prekären Situation vieler Dotcoms verlieren auch die Investoren allmählich ihre Geduld.

"Ein guter CEO weiß, wann er an seine Grenzen stößt", erklärte Kim Polese, als sie ihren Posten als Chefin des auf Softwaredistribution via Internet spezialisierten US-Anbieters Marimba niederlegte. In einer für das Silicon Valley ungewöhnlich offenen Stellungnahme sagte die 38-Jährige, ihr fehle die Management-Fähigkeit, das Unternehmen in die nächste Wachstumsphase zu führen. Sie interessiere sich viel mehr für Produkte, Partnerschaften und Vertrieb. Daher mache sie dem erfahreneren Manager John Olsen Platz: Der 49-Jährige war zuletzt als President der Einheit Design Realization bei Cadence Design Systems tätig. Er soll nun das mit einer Marktkapitalisierung von 514 Millionen Dollar eher kleine Marimba in ein Branchenschwergewicht verwandeln. Polese wird dem Unternehmen jedoch in der neu geschaffenen Position des Chairman und der noch etwas vage definierten Rolle des Chief Strategic Officer erhalten bleiben.

Die aufgrund ihres Alters und Aussehens bei den Medien beliebte Managerin und Ingenieurin hatte sich zunächst als Top-Frau bei Sun Microsystems mit der Einführung der Programmiersprache Java einen Namen gemacht. 1996 gründete Polese Marimba, damals Pionier im Bereich Push-Technologie. Nach zunehmender Konkurrenz auf diesem Gebiet stellte sie das Unternehmen auf Softwaredistribution via Internet um. Polese brachte die Firma vor 15 Monaten nicht nur erfolgreich an die Börse, sondern führte sie zudem aus den roten Zahlen. Zusammen mit ihrem Rücktritt verkündete Polese die erstmals schwarzen Zahlen des Unternehmens. Im zweiten Quartal meldete Marimba einen Nettogewinn von 1,3 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor verzeichnete die Firma noch einen Verlust von 1,5 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg um 75 Prozent auf 12,1 Millionen Dollar.

Auch Juan Villalonga, der umstrittene Präsident und Vorstandschef des spanischen TK-Konzerns Telefónica, hat bei der Vorstandssitzung seinen Rücktritt erklärt. Seine Position übernimmt Cesar Alierta, Chairman der Tabakgruppe Altadis. Villalonga war zunehmend wegen seines autoritären Führungsstils kritisiert worden. Der 47-Jährige soll die spanische Regierung sowie die Hauptinvestoren von Telefónica zu wenig über wichtige Deals informiert haben. Ins Kreuzfeuer der Kritik geriet Villalonga erstmals, als er den umstrittenen früheren EU-Kommissar Martin Bangemann als Berater engagieren wollte. Nachdem der Aufsichtsrat des Unternehmens unlängst die von Villalonga vorgeschlagene Fusion mit dem niederländischen TK-Anbieter KPN abgelehnt hatte, verschlechterte sich die Stimmung im Konzern weiter. Zuletzt produzierte der Topmanager wegen angeblichen Insiderhandels Schlagzeilen. Villalonga hat derartige Vorwürfe zurückgewiesen.