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21.05.2004 - 

IT in der Logistik/Supply-Chain-Event-Management: Drohende Engpässe rechtzeitig erkennen

Das Potenzial steckt in der Lieferkette

Logistische Netze werden immer komplexer. Besonders global agierende Unternehmen müssen mit Hilfe effizienter Controlling-Instrumente unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse steuern. Tools für das Supply-Chain-Event-Management (SCEM) machen die logistischen Abläufe transparent und decken Planabweichungen zeitnah auf. Bei der Auswahl ist besonders auf die Produktreife zu achten. Von Andreas Baader und Sven Montanus*

Outsourcing und Globalisierung ändern die Logistikstrukturen. Aus geradlinig verlaufenden Wertschöpfungsketten werden komplexe Supply Chains mit Netzcharakter. Partnerunternehmen - etwa Lieferanten, Kunden und Logistikdienstleister - werden tiefer in die Wertschöpfung integriert. Damit einhergehend steigt die Abhängigkeit der Partner voneinander. Nicht vorhersehbare Engpässe oder Ausfälle legen im schlimmsten Fall die gesamte Supply Chain lahm. Software für das Supply-Chain-Event-Management überprüfen dagegen den Geschäftsprozess und signalisieren eine verfügbarkeitskritische Planabweichung zeitnah.

Grenzen der klassischen Supply-Chain-Planung

In den vergangenen Jahren haben Unternehmen verstärkt in Software für die Supply-Chain-Planung investiert. Diese Werkzeuge schließen die Lücken herkömmlicher ERP-Systeme. Das Gros der auf dem Markt verbreiteten ERP-Lösungen arbeitet sukzessive. Dabei werden sämtliche Planungsschritte nacheinander abgearbeitet. Eine Rückkopplung zu den vorgelagerten Planungsschritten findet meist nicht statt, so dass dort nachträglich auftretende Veränderungen nicht mehr berücksichtigt werden.

Moderne Supply-Chain-Tools arbeiten dagegen simultan. Mit ihnen hat der Planer eine Gesamtsicht auf die Wertschöpfung und alle relevanten Einflussgrößen. Ändert sich einer der Planungsparameter, kann das schnell berücksichtigt werden.

Nicht alle Beteiligten wollen Transparenz

Was hier theoretisch einleuchtend klingt, lässt sich in der unternehmerischen Praxis allerdings nur schwer umsetzen. Aufgrund der wachsenden Komplexität der logistischen Strukturen ist die Anzahl der Planungsparameter so stark gestiegen, dass Veränderungen einzelner Einflussgrößen im Gesamtgeflecht der Planungsparameter nicht unmittelbar erkennbar sind. Zwar nimmt die Planungsqualität mit der Nutzung von Supply-Chain-Tools deutlich zu, doch nach wie vor gibt es Abweichungen. Bis heute ist es nicht möglich, alle Einflussgrößen in der Planung zu berücksichtigen. Dazu müsste das planende Unternehmen jederzeit Zugriff auf geschäftskritische Informationen in allen vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen haben. Da eine solche Transparenz nicht immer von allen Beteiligten gewollt ist, beschränkt man sich in der Regel auf eine Auswahl der wichtigsten Planungsparameter. Damit sind in der Praxis der Supply-Chain-Planung ihre Grenzen gesetzt.

Tools erlauben schnelles Eingreifen

Fällt etwa eine Produktionsmaschine unerwartet aus, liefert ein Lieferant das benötigte Material in der falschen Menge oder verspätet sich ein Transport wegen schlechten Wetters, führt dies zu einer unvorhersehbaren Abweichung von der ursprünglichen Planung. An dieser Stelle setzt das Konzept des Supply-Chain-Event-Managements an. SCEM-Werkzeuge überprüfen kontinuierlich das logistische Prozessgeflecht auf Basis vordefinierter "Events". Tritt ein bestimmtes Ereignis (Event) zu spät, unerwartet oder gar nicht ein, meldet ein SCEM-Tool die Abweichung. Ein Unternehmen kann dann unverzüglich reagieren.

Bei der ereignisorientierten Steuerung der Supply Chain wird der Prozessfortschritt auf Basis von Prozessmeilensteinen, nicht aber die jeweils eingebundene Ressource per se überwacht. Der Prozessmeilenstein bezeichnet, zu welchem Zeitpunkt oder innerhalb welchen Zeitraums ein bestimmtes Ereignis laut Plan eintritt. Dabei lassen sich prinzipiell vier Ereignisformen unterscheiden:

- Ein reguläres Ereignis tritt zu einem Zeitpunkt oder innerhalb eines Zeitfensters ein, zu dem es erwartet wurde.

- Ein verspätetes Ereignis tritt erst nach einem Zeitpunkt oder nach Ablauf eines Zeitfensters ein, zu dem es erwartet wurde.

- Ein nicht gemeldetes Ereignis hätte zu einem Zeitpunkt oder innerhalb eines Zeitfensters eintreten sollen, tut dies jedoch nicht - auch nicht mit Verspätung.

- Ein unerwartetes Ereignis tritt zu einem Zeitpunkt oder innerhalb eines Zeitfensters ein, obwohl es nicht erwartet wurde.

Zeitnah Problembehebung einleiten

Tritt ein Ereignis ein, bedeutet dies den erfolgreichen Abschluss eines Teilprozesses. In der Regel wird dadurch ein Folgeprozess angestoßen. Verlässt beispielsweise ein Ersatzteil ein Warenlager, wird die termingerechte Warenausgangsbuchung im ERP-System als ein reguläres Ereignis betrachtet.

Den Folgeprozess bildet die Übergabe des Ersatzteils an das Speditionsunternehmen. Die Verladung ist das entsprechende Ereignis. Findet die Verladung des Ersatzteils erst nach Ablauf des planmäßigen Zeitpunkts statt, gilt das Ereignis als verspätet. Über diesen Status wird der zuständige Mitarbeiter per E-Mail informiert. So kann er zeitnah Maßnahmen zur Problembehebung einleiten und gegebenenfalls einen Expresstransport beauftragen.

In der Ersatzteilversorgung lässt sich mit Supply-Chain-Event-Management viel ausrichten. Sei es die Lieferung von Ersatzteilen in die Kofferräume von Servicetechnikern oder die Direktzustellung an den Einsatzort - jedes Ersatzteil muss auftragsbezogen exakt und rechtzeitig durch das logistische Netzwerk gesteuert werden. Wenn ein Servicetechniker bei einer stillstehenden Maschine eintrifft, muss er sofort das bestellte Ersatzteil zur Verfügung haben.

Leistungsmessung hilft Engpässe voraussehen

SCEM-Systeme helfen Retouren und Reparaturen zu organisieren. Oft können Komponenten oder Baugruppen in spezialisierten Reparaturwerkstätten schnell und kostengünstig instandgesetzt werden. Dadurch lassen sich teure Neukäufe vermeiden. Auch der Aufbau von Datenbanken, die die Garantieabwicklung unterstützen, sowie das Verfolgen ausgebauter defekter Komponenten sind möglich.

Bei der Prozesssteuerung gilt es aufgrund der hohen Komplexität der logistischen Netzwerke, aus der Fülle der Ereignisse die herauszufiltern, die die Verfügbarkeit einer Ware beeinträchtigen können. SCEM-Tools sollen eine effiziente Entscheidungshilfe bieten und den Anwender nur über solche Planabweichungen informieren, die den reibungslosen Ablauf der Geschäftsprozesse gefährden. Bei der Einführung eines SCEM-Tools ist exakt zu bewerten, welche logistischen Abläufe verfügbarkeitskritisch sind und deshalb kontinuierlich überwacht werden müssen.

Die Auswertung der Logistik-Performance bietet die Möglichkeit, drohende Engpässe im Voraus zu erkennen. So kann die Leistungsfähigkeit der Supply Chain nachhaltig gesteigert werden. Über logistische Kennzahlen - so genannte Key Performance Indicators (KPI) - lässt sich die Leistungsfähigkeit von Geschäftsprozessen messen. Eine wichtige Kennzahl wäre etwa, wie oft eine Spedition verspätet liefert. Überschreitet diese Kennzahl einen definierten Grenzwert, wird der zuständige Mitarbeiter automatisch informiert. Auf diese Weise lassen sich nach und nach die Schwachstellen eines logistischen Netzwerks aufdecken.(bi)

*Dr. Andreas Baader ist Partner des Beratungsunternehmens Barkawi; Sven Montanus ist dort als Consultant tätig.

Software für das Supply-Chain-Event-Management (SCEM)

Der Markt für SCEM-Software teilt sich in drei Anbietergruppen auf: Spezialanbieter, SCM-Softwarehersteller und Anbieter von ERP-Systemen. Zu den auf dem europäischen Markt am weitesten verbreiteten SCEM-Spezialwerkzeugen gehören die Produkte der US-amerikanischen Softwarehersteller Descartes und Viewlocity sowie die Lösungen der deutschen Anbieter Axit und Star-Trac. Die Programme der vier Spezialanbieter greifen auf bestehende ERP-, SCM- und CRM-Systeme zu - unabhängig vom jeweiligen Hersteller. Dadurch wird die ganze Lieferkette transparent. Die Anwendungen bewerten die operativen Daten auf Basis definierter Ereignisse. Treten verfügbarkeitsgefährdende Planabweichungen auf, schlägt die Software Alarm.

Auch Hersteller umfangreicher Softwaresuites für das Supply-Chain-Management haben SCEM-Tools in ihre Produktpalette integriert. So bietet i2 Technologies zwar keine dedizierte SCEM-Lösung an. Der "Transportation Manager" und der "Execution Manager" enthalten aber Funktionen für die ereignisorientierte Steuerung der Supply Chain. Manugistics offeriert mit "Networks Monitor" und "Networks Visibility" gleich zwei Module, mit denen Unternehmen Geschäftsprozesse in Logistiknetzen überwachen können. Während die Produkte von i2 Technologies vor allem in technisch orientierten Branchen Anwendung finden, ist der Schwerpunkt von Manugistics im Handel und in der Konsumgüterindustrie zu sehen.

Auch kleine Anbieter erfolgreich am Markt

Die SAP liefert im Rahmen ihrer Produktreihe Mysap SCM die Komponente "Event Manager" aus. Sie bietet insbesondere für die Unternehmen, die bereits SAP R/3 oder Komponenten der Mysap Business Suite einsetzen, den Vorteil der leichteren Integration. Neben SAP haben auch andere große ERP-Softwarehersteller Produkte für die ereignisorientierte Steuerung von Logistikprozessen im Programm. Diese beschränken sich jedoch auf das Management von Transportprozessen. Peoplesoft vermarktet beispielsweise im Rahmen der Produktreihe "Enterprise One" (ehemals J.D. Edwards) das Modul "Transportation Management", mit dem Unternehmen physische Warenbewegungen zwischen Lieferanten, Kunden und dem eigenen Unternehmen steuern können. Standardschnittstellen zu großen Expressdienstleistern wie UPS und Fedex sind vorhanden. Ähnliche Produkte bieten auch SSA im Rahmen der Baan und Intentia für die Movex-Produktreihe an.

Interessierte Unternehmen sollten bei der Auswahl einer SCEM-Software besonders auf die Produktreife achten. Diese lässt sich am besten anhand erfolgreich abgeschlossener Referenzprojekte bewerten. Aufgrund des hohen Integrationsaufwands behaupten sich kleine Anbieter mit hoher Serviceorientierung erfolgreich am Markt. Vor allem im Umfeld von Legacy-Systemen und komplexen Systemlandschaften werden kleine und mittelgroße Spezialanbieter auch mittel- und langfristig erfolgreich sein.