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EDV in der Schule:


22.06.1979 - 

Das Programmieren wird entdeckt

Es bedarf keines Computers, um zu berechnen, wann Datenverarbeitung in unseren Schulen zum ersten Mal auf dem Lehrplan stand. Es genügen die Finger zweier Hände, um die Anzahl der Jahre zu berechnen. Dabei ist es müßig, darüber zu streiten, ob das Lehrfach zuerst "Informatik" oder "Organisation und Datenverarbeitung" oder ähnlich hieß. Von "Informatik" spricht man überwiegend an Gymnasien oder technisch ausgerichteten Schulen. An beruflichen und kaufmännischen Schulen wird schlicht und einfach von "Organisation und Datenverarbeitung" gesprochen.

Eine weitere wichtige Unterscheidung besteht darin, daß Informatik in der Regel ein Wahlfach ist, das heißt, es ist dem Schüler freigestellt, am Unterricht teilzunehmen oder nicht. An kaufmännischberuflichen Schulen, wie zum Beispiel Berufsoberschulen, Fachoberschulen, Berufsschulen oder Wirtschaftsschulen wird Datenverarbeitung als Pflichtfach unterrichtet. Hier müssen alle Schüler teilnehmen. Eine dritte Variante ist das sogenannte Wahlpflichtfach. Der Schüler wird zu Beginn des Schuljahres gefragt, ob er an dem Unterricht teilnehmen will oder nicht. Er hat also die Wahl. Entscheidet er sich für die Teilnahme, muß er allerdings das ganze Jahr den Unterricht besuchen. Er hat ein Pflichtfach gewählt - daher also der Name "Wahlpflichtfach". Dazu ist relevant, daß beispielsweise in Bayern fast alle entsprechenden Lehrpläne in Überarbeitung

"Organisation und Datenverarbeitung müssen nebeneinander und sich ergänzend erklärt werden"

sind und in Kürze neu veröffentlicht werden dürften.

Gründe für die Auseinandersetzung sind unter anderem:

- Die Richtlinien der Kultusministerkonferenz sehen nur ein einstündiges Fach vor.

- Die Organisationslehre, die ja eng mit der Datenverarbeitung zusammenhängt, soll abgetrennt werden und in der Betriebswirtschaftslehre verschwinden.

- Die Software kommt gegenüber der Hardware zu kurz.

Der Streit über die Anzahl der Unterrichtsstunden zieht sich im Moment durch die ganze Schulwelt. Im Rahmen der Bemühungen, den Schulstreß zu mindern, wurden Stunden gekürzt und sogenannte Einstundenfächer belassen. Es gibt viele Gegner dieser Einstundenfächer, die sehr ernstzunehmende Gründe dagegen vorbringen können:

Ein Schuljahr beginnt Anfang September und schließt Mitte Juli. Dazwischen liegen die Herbst-, die Weihnachts-, die Oster- und - eventuell - die Pfingstferien. Es stehen dem Lehrer dann nicht einmal 40 Unterrichtsstunden zur Verfügung. Wenn man dann

"Die Software kommt gegenüber der Hardware zu kurz"

noch einige Stunden für Prüfungen, Ausfälle etc. abzieht, dann bleiben nicht mal 30 Stunden für das Erarbeiten des Stoffes. Was kann in dieser Zeit wohl besprochen werden? Nicht viel!

Eine sinnvolle Einführung in die Datenverarbeitung und Organisation an der Schule erfordert mindestens ein zweistündiges Fach, wobei, wie an den bayerischen Fachoberschulen, der Unterricht über zwei Jahrgangsstufen abgehalten werden sollte. Nicht sinnvoll wäre eine Trennung von Organisation und Datenverarbeitung, wie es in bestimmten Lehrplänen beabsichtigt ist. Sollte dies geschehen, so hinkt die Schule weit hinter der Praxis her! Diese hat schon lange erkannt, daß die Datenverarbeitung nicht im luftleeren Raum existieren kann, sondern ein Hilfsmittel im Bereich der betrieblichen und Unternehmensorganisation ist. Richtig wäre es, zwei Jahre lang Organisation und Datenverarbeitung zu geben, wobei der Lehrer versuchen muß, die beiden Lehrinhalte zu integrieren. Im Klartext heißt das: "Organisation und Datenverarbeitung müssen nebeneinander und sich ergänzend erklärt werden."

Der Informatikunterricht ist stark mathematisch-naturwissenschaftlich ausgerichtet, und die Lehrpläne befassen sich bisher überwiegend mit der Hardware.

Hier bahnt sich ein Umschwung an. In den neuesten Lehrplänen wird die Hardware an Bedeutung einbüßen und das "Programmieren in einer Programmiersprache" gefordert.

Das wird natürlich nur möglich sein, wenn an der Schule ein Computer steht. Hier ist noch viel zu tun, und es wäre zu wünschen, ja es ist absolut nötig, daß die Kultusministerien den Ankauf von Computern verstärkt fördern.

Dabei stehen einige Fragen zur Diskussion:

- Welche Programmiersprache soll gelehrt werden? Die Lehrerschaft ist hier in zwei Lager gespalten: Hie Basic, hie Pascal! Da die neuen Mini- und Mikrocomputer überwiegend mit Basic arbeiten, wird Basic, zumindest im beruflichen Schulwesen, die Schlacht wohl auch gewinnen.

- Faszinierend, was ein Taschenrechner für 19,90 Mark heute alles kann. Analog sollte man sich nicht scheuen, die "Personal Computer" als vollwertige Unterrichtsmittel anzusehen.

- Die schnellen Veränderungen im Bereich der Computertechnologie erfordern auch vom Lehrer eine Umstellung. Wie schön war es doch einmal für einen Schulmeister, die Lochkartenverarbeitung, die Zahlensysteme oder den Matrixspeicher zu erklären. Stundenlang konnte man Datenfluß- und Programmablaufpläne an die Tafel malen. Jetzt besteht die Gefahr der Computerleichen. Ich meine damit die für viel Geld angeschafften Schulcomputer, die langsam vor sich hinrosten, weil sich kein Lehrer an sie herantraut. Einer der Gründe dafür

"Basic wird die Schlacht gewinnen"

ist zum Beispiel, daß die Hardware eine Schuhnummer zu groß gekauft wurde.

Es geht also darum, auch die Lehrer für die Datenverarbeitung zu erschließen, sie fortzubilden und laufend zu informieren.

Fazit: Wenn die Lehrer die notwendige Ausbildung haben werden, wird das Wissen über die Datenverarbeitung in breiten Volksschichten stark zunehmen. Von seiten der jungen Menschen fehlt es nicht am nötigen Interesse.

*Dr. Horst Spitschka ist Dozent an der Fachhochschule München