Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.12.1999 - 

Damit Deutschland den internationalen Anschluß nicht verpaßt

Das Projekt Internet-Klassenzimmer wartet noch auf Sponsoren

Von Holger Eriksdotter* Nur wenn mit dem Einsatz modernster IT- und Multimedia-Technologien schon in der Schule die Weichen gestellt werden, hat Deutschland eine Chance, auch in Zukunft im globalen Wettbewerb eine bedeutsame Rolle zu spielen - behauptet Alfons Rissberger, Mitinitiator der Initiative D21 (www. initiatived21.de) und Leiter des Projekts "Internet-Klassenzimmer".

Ziel der Initiative D21 ist es, den Einsatz innovativer IT-Technologie in allen Bereichen zu fördern und so den Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft zu erleichtern und zu beschleunigen. Mit Unterstützung der Bundes- und aller Landesregierungen, unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem Ehrenvorsitz des Bundespräsidenten a.D. Roman Herzog haben sich mehr als hundert deutsche Unternehmen zusammengeschlossen. "Dies ist sicher eine der bedeutsamsten Allianzen, die es seit Bestehen der Bundesrepublik gegeben hat", so Rissberger, Mitinitiator und Ideengeber der Initiative. Nach seiner Einschätzung ist das vor allem deshalb von entscheidender Bedeutung, weil nur so die kritische Masse erreicht wird, die für essentielle Veränderungen nötig ist. Denn während in anderen Ländern technische Neuerungen spontan begrüßt und geschätzt würden, sei es eine "typisch deutsche Eigenschaft, jeder neuen Technologie zuerst einmal mit Skepsis und Bedenken zu begegnen, zu zögern und zu zaudern".

Gerade das aber könne sich der Standort Deutschland, der in entscheidender Weise vom Humankapital abhängt, für die Zukunft am wenigsten leisten. "Viele Entscheidungsträger in Deutschland haben noch nicht realisiert, daß eine unaufhaltbare Multimedia-Revolution begonnen hat, die die Wettbewerbsfaktoren aller Regionen verändert."

Um den Umstellungs- und Umdenkprozeß einzuleiten, könne man nicht früh genug beginnen: Schon die Schule müsse den Weg in die Internet- und Multimedia-Welt weisen, zumal die Saat bei Schulkindern auf denkbar fruchtbaren Boden fällt. Das Projekt des "Internet-Klassenzimmers", für das Rissberger innerhalb der D21-Initiative verantwortlich ist, liegt ihm deshalb besonders am Herzen.

Der Geschäftsführer des Datenverarbeitungszentrums Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin, der langjährig in Rheinland-Pfalz für die IT-Einführung im Bildungswesen verantwortlich war und als anerkannter Bildungsexperte gilt, sieht auch die weitreichenden Konsequenzen. Langfristig werden sich durch den Einsatz neuer Medien nicht nur Bildungsangebote und -inhalte nachhaltig verändern, sondern auch das Anforderungsprofil für Lehrer wird gewaltigen Änderungen unterworfen. Nicht mehr sein Fachwissen steht im Vordergrund - das wird aus digitalen Quellen im Überfluß vorhanden sein, sondern seine pädagogische und didaktische Qualifikation, die bei der Organisation der Lernprozesse nach wie vor gefragt ist.

Das ehrgeizige Ziel, bis zum Jahr 2002 nicht etwa nur jede Schule, sondern jedes deutsche Klassenzimmer mit mindestens einem Multimedia-PC mit Internet-Zugang auszustatten, erfordert riesige Investitionen. "Bei etwa 40000 allgemeinbildenden Schulen mit jeweils etwa 20 Klassenzimmern ergibt sich ein Investitionsbedarf in der Größenordnung von fünf Milliarden Mark", rechnet der IT-Manager vor. Und die Zeit drängt: "Wenn wir abwarten, bis das Notebook unter 1000 Mark zu haben ist und zur normalen Ausstattung jedes Schülers gehört wie heute der Taschenrechner, sind andere längst an uns vorbeigezogen."

Denn während in den USA die Ausstattung der Schulen mit High-Tech längst als Chefsache gelte und sich auch als Wahlkampfthema allgemeiner Aufmerksamkeit erfreut, stehe in Deutschland einige Überzeugungsarbeit bevor - vor allem bei den potentiellen Sponsoren.

Allerdings sieht er gute Chancen für ein Konzept der Sponsorschaft, das über die alleinige finanzielle Förderung hinausgeht: Nach seiner Vorstellung sollen sich, wo immer möglich, Unternehmen und Schulen zusammenfinden; dabei könne der Sponsor der Schule neben Hard- und Software auch mit Know-how und gemeinsamen Projekten zur Seite stehen.

Selbst wenn das Vorhaben im geplanten Zeitrahmen die Förderung und eine ausreichende Anzahl an Sponsoren findet, sichert das keineswegs einen Platz an der Weltspitze: "Wir sind dann nur noch zwei Jahre hinter den USA zurück - und das ist schon ein großer Schritt nach vorn." Die USA würden schon nächstes Jahr ihr Ziel erreichen, jedes Klassenzimmer mit einem Internet-PC auszustatten.

*Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.