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13.08.2004 - 

IT in Behörden/Mobile Bürgerdienste bringen das Amt zu den Menschen

Das Rathaus steckt im Rollenkoffer

Mobüd ist eines von sechs Leitprojekten der Initiative Mobil Media, ins Leben gerufen vom Bundeswirtschaftsministerium. Die Behörde will mit Mobil Media die Verbreitung von mobilen Datendiensten in Deutschland beschleunigen - auch in der öffentlichen Verwaltung.

Die Idee, das Amt durch mobile Bürgerberater näher zu den Menschen zu bringen, wurde gemeinsam von der IVU Technologies AG, dem Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik Heinrich-Herz-Institut und der Berliner Senatsverwaltung für Inneres entwickelt und umgesetzt. Ziel war nicht nur, die Verwaltung zum Bürger hin zu öffnen, sondern auch die Überlegung, Bürgerservices vor Ort kostensparend zu erbringen. Denn der mobile Bürgerberater und seine technische Ausstattung sind preiswerter als ein stationäres Amt: Rund 4000 Euro kostet der Rollenkoffer, der Laptop mit Datenkarte, Chipkartenleser, Drucker und Bezahlterminal enthält.

Termin mit dem mobilen Bürgerberater

Die Bürgerberater sind derzeit in den Berliner Bezirken Spandau und Pankow unterwegs. Für die freiwilligen Projektteilnehmer ist Mobüd eine Umstellung: Statt im Amt bieten sie zunächst in Kliniken und Bibliotheken Services, die der Bürger aus dem Rathaus kennt. Dazu zählen Meldenachweise, Ausstellen von Führerschein, Lohnsteuerkarte, Personalausweis oder Pass sowie Wohnungsanmeldungen. Bezahlt wird bar oder mit EC-Karte. Die Testphase endet im September. Geplant ist, die Services später auch in Einkaufszentren oder Schulen anzubieten. Denkbar ist darüber hinaus auch, gegen Gebühr einen individuellen Termin vor Ort mit einem Bürgerberater zu vereinbaren - ein interessanter Service für große Unternehmen.

Ob Mobüd auch nach der Projektphase fortgesetzt und auf weitere Stadtbezirke ausgedehnt wird, ist noch nicht endgültig entschieden, doch die Chancen stehen gut: Die teilnehmenden Beamten haben positive Erfahrungen gemacht, die Bürger nehmen die neue Dienstleistung sehr gut an. Zudem bestehen Kontakte zu anderen Bundesländern. Denn nicht nur im dicht besiedelten Berlin bieten sich die mobilen Bürgerdienste als Weg an, Kosten zu senken und zugleich Dienstleistungen für Bürger ortsnah zu offerieren. Auch für Flächenstaaten, in denen nicht in jedem Ort ein Amt unterhalten werden kann, sind mobile Bürgerdienste ein interessanter Service.

Sicherheit an oberster Stelle

Das Mobüd-Konzept ermöglicht den Beamten, mobil auf Einwohnerdaten, das Informationssystem "Startinfo" des Landes Berlin sowie auf das Internet zuzugreifen. Startinfo ist eine Intranet-basierende Lösung, die Beamten bei ihrer täglichen Arbeit hilft. Das Auskunftssystem erläutert Arbeitsanweisungen, stellt Formulare bereit und ermöglicht es, Fälle an Fachämter weiterzuleiten.

Ein Zugang zum Internet war aus Sicherheitsgründen zunächst nicht vorgesehen, doch da Bürger von den Beratern auch Informationen erfragten, die über die reinen behördlichen Angebote hinausgingen, erweiterten die Verantwortlichen den Zugang für die mobilen Bürgerberater. Sie können nun beispielsweise auch Auskünfte über Veranstaltungen in den einzelnen Stadtbezirken geben.

Natürlich steht gerade bei einem Angebot wie Mobüd, bei dem vertrauliche Inhalte übermittelt werden, Sicherheit an oberster Stelle. Um Zugang zu den Systemen im Landesnetz von Berlin zu erhalten, wählt der Benutzer zunächst sein Zugangsnetz aus und stellt eine Internet-Verbindung per WLAN, GPRS oder UMTS her.

Für den sicheren Zugang zu dem vom Landesbetrieb für Informationstechnik (LIT) betriebenen Landesnetz sorgt anschließend ein VPN-Tunnel zwischen einem VPN-Gateway und der Client-Software "Nortel Contivity 4.65" auf den Laptops der Mobüd-Berater. Die übertragenen Daten werden per IPsec verschlüsselt, die Authentisierung erfolgt über Zertifikate, die auf einer Smartcard gespeichert sind. Sie generiert für jede Verbindung einen neuen Schlüssel.

Steht der Datentunnel, können die Nutzer auf das Informationssystem Start sowie auf das Einwohnerdatensystem (EWW-System) zugreifen. Beide Systeme liegen auf unterschiedlichen Servern im Landesnetz. Das EWW läuft auf einem BS2000-Mainframe; um die Daten aus dem alten Siemens-Server auf den Laptops, aber auch in den stationären Ämtern darstellen zu können, nutzen die Mobüd-Verantwortlichen und der LIT die Terminalemulationssoftware "SDC-97". Anwender können Daten so direkt in den Landessystemen eingeben oder ändern, auf den Laptops selber werden so gut wie keine Daten gespeichert.

Serviceorientierte Architektur geplant

Das bedeutet aber auch, dass die Nutzer sich neu anmelden und Daten wiederholt eingeben müssen, wenn die Mobilfunkverbindung zu den Servern abbricht. Dass diese stabil ist, ist daher in der Praxis wichtiger als hohe Bandbreiten. Zuverlässige Verbindungen sind dabei eine größere Herausforderung als erwartet - so lässt sich UMTS bisher nur eingeschränkt nutzen. Doch je dichter das UMTS-Netz in Berlin wird und je schneller sich auch WLAN-Hotspots verbreiten, desto weniger Abbrüche gibt es künftig. Verbesserungspotenzial bietet auch die Darstellung der Daten auf der Laptop-Oberfläche: Bislang muss der Nutzer zwischen der durch die Terminalemulation erzeugten Eingabemaske für das EWW-System und dem System Startinfo wechseln. Um diesen umständlichen Weg zu erleichtern, ist geplant, eine serviceorientierte Architektur aufzubauen. Eine Integrationslösung ermöglicht es dann, die Informationen aus Startinfo und dem EWW-System zusammen auf einer Oberfläche darzustellen. Höherer Nutzerkomfort macht das Mobüd-Konzept dann auch für andere Einsatzbereiche attraktiv - etwa für Behörden mit hohen Sicherheitsanforderungen wie Polizei und Justiz. (bi)

*Dr. Bettina Horster ist Projektleiterin der Bundesinitiative Mobil Media in Berlin;

Dr. Lothar Mühlbach ist Leiter der Projektgruppe Mobüd am Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik Heinrich-Hertz-Institut in Berlin.

Hier lesen Sie ...

- was mobile Bürgerdienste bringen können;

- welche mobilen Anwendungen zurzeit bereits realisiert sind;

- welche Erfahrungen Beamte und Bürger mit den neuen Services gemacht haben;

- welche technischen Voraussetzungen in Berlin zu erfüllen waren;

- welche Rolle das Bundeswirtschaftsministerium jetzt und für weitere Projekte spielt.

Klare Strukturen

Mobüd ist ein Beispiel für eine bürgernahe Verwaltung, das zeigt, wie sich mit einer klaren Projektstruktur bestehende IT-Systeme mit überschaubarem Aufwand für neue Dienstleistungsangebote öffnen lassen. "Das gilt auch für Mobile Government-Initiativen, die nicht nur Vorgänge zwischen Bürger und Amt berühren, sondern auch innerhalb von Verwaltungen und Behörden", meint dazu Key Pousttchi vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und System Engineering der Universität Augsburg. "Der Einsatz mobiler Lösungen ist oft keine technische Frage, sondern eine der optimalen Prozessgestaltung." Der Wissenschaftler hält es für entscheidend, dass mit neuen Technologien ein Business Process Reengineering einhergeht, um interne Abläufe zu optimieren. Pousttchis Arbeitsgruppe Mobile Commerce arbeitet derzeit beispielsweise an Konzepten für mobile Einsatzkräfte: Sie sollen die Polizei entlasten, indem sie die Einsatzkräfte statt per Sprechfunk direkt per Datenaustausch koordinieren.

Leitprojekt von Mobil Media

Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt neben Mobüd im Rahmen der Initiative Mobil Media fünf weitere Leitprojekte. Dazu zählen Anwendungen für das mobile Marketing, Unterhaltungsangebote, Plattformen für Location Based Services sowie Lösungen für Bauindustrie und Landwirtschaft. In den Projekten entwickeln und testen große und kleine Unternehmen gemeinsam neue Technologien und Dienste. Die Leitung der Initiative hat das BMWA der Vivai Software AG übertragen. Informationen gibt es unter http://www.mobilmedia.de.