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17.11.1989 - 

Nichtsprachliche Kommunikationsanwendungen als Vehikel für den Erfolg

Das Schlüsselprodukt beim ISDN ist der Non-Voice-Server

Das Thema ISDN fordert die Telecom-Hersteller: Sie stehen nach Meinung von Herbert Pöhls* vor der Alternative, sich entweder weiterhin auf die sprachliche Kommunikation zu konzentrieren, oder aber in die ISDN-immanenten, zusätzlichen neuen Techniken der Daten-, Text- und Bildübertragung stärker als bisher zu diversifizieren.

Telekommunikationshersteller haben dein Markt nicht nur technische Innovationen im Voice-Bereich der ISDN-Anlagentechnik zu bieten, sondern sie müssen gleichzeitig mit deren neuen Techniken auch anwendungsbezogene Informations- und Kommunikationssysteme (Anlagen und Lösungen) entwickeln und im Zusammenspiel auch mit organisatorischen Innovationen diese den Anwendern kostenadäquat zur Verfügung stellen.

Neue Produkte können aber nur dann dauerhaft erfolgreich werden, wenn sie durch eine in eine ganzheitliche Informations- und Kommunikationskonzeption - integrierte Produktfindungs- und - vermarktungsstrategie unternehmensweit abgesichert sind, und so zu wirklichen Anwendungslösungen beitragen.

Offensichtlich bestehen gegenwärtig die besten struktutrellen Rahmenbedingungen für die Produktion und Vermarktung von Informations- und Kommunikationssystemen und -Lösungen. Wenn aber dennoch heute eine sehr zähe ISDN-Einführung zu verzeichnen ist, so liegt dies eindeutig an den fehlenden ISDN-Anwendungslösungen.

Eine nachhaltige Steigerung der Nachfrage nach ISDN und seinen nichtsprachlichen Kommunikationsformen hängt neben der technischen Systemverfügbarkeit für entsprechende Anwendungen davon ab, ob mit diesen ISDN-Systemen dem professionellen Nutzer auch klare Konzepte und praktikable Einführungsstrategien wirtschaftlich und zukunftssicher angeboten werden.

In derartige Beratungsbereiche zu diversifizieren, ist heute eine Notwendigkeit für innovative Telekommunikationsanbieter.

Wie sollten gegenwärtig deutsche TK-Hersteller den neuen ISDN-Marktherausforderungen im Bereich der nichtsprachlichen Kommunikation begegnen?

Legt man zur Beantwortung dieser Frage die veröffentlichten herstellerspezifischen Konzepte mit ihren theoretisch verfügbaren Non-Voice-Server-Funktionalitäten zugrunde und vergleicht deren Möglichkeiten mit den am Markt verlangten Informations- und Kommunikationsanforderungen, so ist neben der bestehenden Nachfragelücke auch eine nicht unerhebliche Realisierungslücke bei den Herstellern zu verzeichnen. Beides zusammen, Nachfrage- sowie Realisierungslücke, führt zu einer erheblichen Behinderung der ISDN-Einführung.

Wegen des objektiv noch fehlenden ISDN-Breiteneinsatzes käme daher eine analytische und operative Offensive der ISDN-Anbieter bezüglich der eigenen, realistischen Möglichkeiten zum jetzigen Zeitpunkt gerade recht.

Der notwendige Abbau der wiederholt verzeichneten strategischen ISDN-Konzeptionslosigkeit einiger TK-Hersteller erfordert künftig Kooperationen, die sich an dem technischen, technologischen und Marketingkompetenzen innerhalb des jeweiligen Gesamtunternehmens zu orientieren haben. Erfolgen hier die einschneidenden Veränderungen nicht zügig, wird sich mit zunehmendem Maße der ISDN-Marktdurchdringung die Schere zwischen dem vertrieblichen Marktforderungen und dem herstellerspezifischen Entwicklungspotential weit und zuungunsten des tatsächlichen technologischen Liefervermögens für ISDN-Produkte öffnen. Erst eine marketingverantwortliche Absicherung von ISDN-Produktankündigungen sowie deren Integration in ein unternehmensweites Produkfindungs- und -vermarktungskonzept kann den häufig ziellos praktizierten Produktentwicklungszyklus sinnvoll schließen.

Darüber hinaus ist allen TK-Herstellern die Schaffung von beratungsintensiven ISDN-Dienstleistungszentren (Consulting Pools) für interne und externe Anwenderunterstützungen im nichtsprachlichen Kommunikationsbereich dringend zu empfehlen.

Eine Bestandsaufnahme im Non-Voice-Server-Bereich zeigt weiterhin, daß bei den ISDN-Produktumstellungen die nicht unwesentliche und noch zu bewältigende Aufgabe besteht, bereits vorhandene und weiterhin nachgefragte analoge und digitale Anwendungslösungen in die neue ISDN-Nebenstellen-Anlagengeneration funktionsfähig und kostenadäquat zu überführen.

Eine Grundvoraussetzung, um dieses einer pragmatischen Lösung zuzuführen, ist in der Regel die Verfügbarkeit und der Einsatz adaptiver Server sowie die Festlegung einer standardisierten Kommunikationsschnittstelle im Sinne von "Computer Supported Telephone Application" (CSTA) mit entsprechender Protokollarchitektur. Adaptoren können hier aufgrund ihrer Zusatzkosten für der Anwender nur als Mittel zum Zweck eine begrenzte Übergangslösung darstellen.

In modernen Informations- und Kommunikationskonzepten im Rahmen der ISDN. Gesamtkonzeption (Leitungs- und Netzintegration, Anlagen- und Endgeräteintegration sowie Anwendungsintegration in bestehende und neue Konfigurationen) kommt Servern die Schlüsselrolle zu.

Dabei zeigt eine Serverklassifikation für eine Vielzahl von nichtsprachlichen Kommunikationsanwendungen, daß nach transportorietierten, anlagenorientierten und benutzerorientierten Anwendergruppen zu unterteilen ist (siehe Abbildung). Werden gegenwärtig zur Erfüllung der postalischen Dienste Lösungen für die transportoriertierten Anwendungen intensiv und branchenweit entwickelt und teilweise auch bereits vermerktet, so sind die anlagen- und benutzer- beziehungsweise branchenorientierten Anwendungsmöglichkeiten von Non-Voice-Server-Funktionalitäten mit großer Einsatzbreite so gut wie nicht erschlossen.

Verschärfen wird sich diese Situation mit Sicherheit nach 1992, wenn nicht mehr nur nationale, sondern vermehrt international einsetzbare Produkte gefragt sind.

Derjenige Anbieter, welcher zukünftig über das Schlüsselprodukt "Server" für Informations- und Telekommunikationslösungen verfügt, hat optimale Ausgangsbedingungen zur Annahme der technologischen sind organisatorischen Herausforderungen durch ISDN, Telekommunikationsordnung und Europa '92 - und mithin die begründete Aussicht auf entsprechende Marktanteile.

Wer das Instrumentarium "Server" beherrscht, wird mitbewerbsmäßig und unternehmensintern den qualitativen Trend setzen. Auch wenn prinzipiell zweitrangig ist, ob es sich dabei um in TK-Anlagen integrierte oder aber um adoptierte Servern handeln wird, werden den adaptierten Servern hier die objektiv besserer Chancen eingeräumt.

Inwieweit sich in einem realistischen und praxisbezogenen Anforderungskatalog für die nichtsprachliche Kommunikation dann in der Realität ISDN behaupten wird und kann, wird die Zukunft, erweisen.

Sicher ist aber, daß im härter werdenden Wettbewerb Integrations- und Innovationslösungen bestehen, die sich in das vorhandene Informations- und Kommunikationsumfeld beim Anwender reibungslos einfügen lassen.

Hierin liegen einerseits die analytischen, die technischen, die organisatorischen sowie die marketing- und vertriebsbezogenen Herausforderungen an die Telekommunikationshersteller durch ISDN begründet, gleichzeitig aber auch ihre ausgezeichneten Chancen, durch wirtschaftliche Realisierungsansätze für anwendungsbezogene ISDN-Telekommunikationsprodukte dem neuen Informations- und Kommunikationsmedium zum breiten Durchbruch zu verhelfen.