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02.09.1977

Das Service Rechenzentrum in den 80er Jahren

Die Zeiten enormer Zuwachsraten im EDV-Service-Geschäft sind vorüber. Der Grund hierfür liegt in einer gewissen Marktsättigung bei Betrieben mittlerer Größe und in einer stärkeren Konkurrenz der Service-Anbieter. Der Service-Kunde von gestern war in der Regel dadurch gekennzeichnet, daß er ein DV-System zwar nutzen, nicht aber besitzen wollte. Heute bieten sich einem zunehmenden Teil dieser Kunden die Möglichkeit dieses Besitzes, d. h. der echten Wahlmöglichkeiten zwischen Datenverarbeitung im eigenen Haus (MDT) und externer EDV-Dienstleistung. Dieser Dualismus charakterisiert zusammen mit der zuvor geschilderten Marktlage, den Hintergrund der Probleme im EDV-Dienstleistungsgeschäft der ausgehenden 70er Jahre.

In der so gekennzeichneten Situation befinden sich die Service-Rechenzentren an einer Schwelle des Umdenkens ihrer künftigen Dienstleistungs- und Zielgruppenstruktur, die für viele von existentieller Bedeutung sein kann. Diese Umstrukturierung hat in gewissem Umfang schon in Form eines Ausleseprozesses der Anbieter begonnen und wird das Bild der Service-Rechenzentren in den 80er Jahren bestimmen.

Heute ist absehbar, daß sich die Zuwachsraten für klassische Anwendungen der EDV-Stapelverarbeitung (z. B. Buchhaltung Lohn, Statistiken etc.) in zunehmendem Maße irgendwann durch die Vielzahl der Anbieter oder die Sättigung dieses Marktes erschöpfen werden. Dieser Sättigungsvorgang vollzieht sich innerhalb der Betriebsgrößen-Pyramide vom mittleren zum Kleinbetrieb und führt zu immer kleineren Betriebseinheiten als Kunden. Derartige Betriebe lassen sich wiederum akquisitorisch und fachlich nur über einen gut ausgebauten Vertrieb und solide Fachberatung erreichen, da gerade bei Kleinunternehmen oft die fachspezifischen Voraussetzungen für einen Übergang zur EDV fehlen. Diese Voraussetzungen werden in der Regel nur größere Rechenzentren mit überregionalem Wirkungskreis und funktionierendem Vertrieb erfüllen.

Der zweite Weg, den solche Kleinbetriebe gehen, führt über den Steuerberater zur EDV. Hier besteht durch den Auswertungsanspruch der DATEV die akute Gefahr einer Monopolisierung und damit der zunehmenden Beschränkung einer Handlungs- und Entscheidungsfreiheit dieses Berufsstandes.

Die größeren Kunden der Service-Rechenzentren stehen mit fortschreitender Preis-/Leistungsverbesserung der MDT-Anlagen vor der Entscheidung zur eigenen Anlage, die ihre Probleme über Standard- oder Individual-Software löst. Dieser Trend hält sicher auch in absehbarer Zukunft noch an; allerdings werden sich neben solchen eigenständigen Problemlösungen vermehrt wieder Annäherungen zur EDV-Dienstleistung abzeichnen. Diese Entwicklung setzt beim Anwender dann ein, wenn beim Erreichen der Leistungsgrenzen von MDT-Anlagen neue Alternativen gesucht werden müssen. Vielleicht tragen zu solchen Überlegungen auch einmal Personalprobleme in Programmierung und Operating bei, denen sich der Anwender eigenständiger Lösungen in Zukunft sicher nicht entziehen kann.

Die Strategie im Sevice-Geschäft der 80er Jahre kann somit nicht gegen die MDT gerichtet sein, sondern muß sie in Form von Verbundlösungen voll in sein Konzept einbeziehen. Dieser Verbund kann von RJE-Anwendungen mit anschließender Stapelverarbeitung bis zum "distributes processing" reichen, bei dem sich MDT und EDV in die Verarbeitung bestimmter Problemlösungen teilen.

Nicht nur Kundenstruktur und technische Hilfsmittel werden sich bei den Service-Rechenzentren der 80er Jahre ändern sondern vor allem auch die Struktur der Software-Palette. Die Tatsache eines breit gestreuten Angebots von Standardlösungen in den klassischen Anwendungsbereichen zwingt zur Erschließung neuer Spezialdienste, vor allem in Form branchenspezifischer Software. Der Trend vom Allround-Rechenzentrum zum Spezialservice mit abgerundetem Angebot aufeinander abgestimmter Dienstleistungen wird sich somit verstärken. Auf diesem Wege werden verstärkte Anstrengungen zur Ermittlung von Zielgruppen mit automatisierbaren und ausbaufähigen Serviceleistungen notwendig sein. Diese Aufspaltung in immer spezialisiertere und qualifiziertere Anwendungen schlägt sich mit Sicherheit auch in einer zunehmenden Qualifizierung des Personals für Beratung, Analyse und Software-Erstellung nieder.

Die Möglichkeit der Direktverfügbarkeit über Daten im Haus bei Anlagen der mittleren Datentechnik wird auch das Service-Rechenzentrum zunehmend zu Dienstleistungen zwingen, bestimmte Führungs-, Leistungs- oder Dispositionsdaten direkt zugänglich zu machen. Dies bedeutet ein verstärktes Angebot von TP-Leistungen.

Es bleibt zu hoffen, daß die Bundespost auf diesem Wege durch eine geeignetere Gebührenpolitik Möglichkeiten öffnet, wie sie in anderen Ländern schon lange praktiziert werden. Vorsichtige Ansätze sind heute schon erkennbar.

Die Datenfernverarbeitung mit rascher Verfügbarkeit über örtlich abgesetzte Datenspeicher und Rechenleistung hat im Service-Bereich gewisse Zeitschranken abgebaut, die bisher beim körperlichen Datenträgerversand gegeben waren. Diese Tatsache schafft die Basis für die Erschließung neuer Anwendungsgebiete, die früher dem Service-Geschäft völlig verschlossen waren.

Im Rahmen der Spezialdienste ist auch ein zunehmendes Timesharing-Geschäft absehbar, dessen Anwenderkreis zunächst abseits der üblichen kommerziellen Service-Kunden liegt. Die hier aufkommenden Erfordernisse verlangen eine Kombination von Leitungsdiensten, Rechenleistung, hochspezialisierter Software und qualifizierter Beratung.

Das Problem des ständig wachsenden outputs von Rechnern wird neue Aufgaben im Bereich der Nachbearbeitung, Archivierung und Wiederauffindung von Informationen stellen und sicher dort auch neue Spezialdienste schaffen. Lediglich die Datenerfassung scheint auch in Zukunft noch ein Teilgebiet zu sein, wo der Mensch sich nur sehr schleppend von der Last manueller Arbeit befreien kann.

Auch in Zukunft wird sich die Qualität einer Dienstleistung weniger an der Herkunft der Hardware als an der Qualität der angebotenen Software messen. Der Luxus wiederholter Neuentwicklungen einzelner Teilprogramme oder Programm-Module wird zu aufwendig sein um konkurrenzfähig zu bleiben. Ebenso wird sich ein verstärkter Trend zum Ankauf fertiger, komplexer Programm-Systeme abzeichnen, da im Bereich der Dienst- und Anwendungsprogramme dem Eigenbau schon heute Grenzen gesetzt sind.