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28.08.1998 - 

Interwiev

Das Softwaregeschäft ist nichts für Regierungen

CW: Was halten Sie eigentlich von dem Rechtsstreit, den Microsoft mit dem US-Justizministerium und mit Sun Microsystems austrägt?

Wang: Ich halte es für falsch, diese Dinge vor Gericht auszutragen. Ich glaube ferner, daß das Justizministerium die Gesetze in gleicher Weise für alle anwenden sollte, wenn es denn schon solchen Wert darauf legt, sie durchzusetzen. Und da muß man sich doch fragen: Wer hat denn die Kunst, Produkte miteinander zu verschmelzen, als erster beherrscht? Die IBM. Wenn also IBM ihre Hard- und Software sowie Dienstleistungen zu einem Komplettangebot vereint, dann nenne ich dies in bezug auf wettbewerbsrechtliche Überlegungen unfair. Prinzipiell glaube ich, daß sich die Regierung aus dem Softwaregeschäft heraushalten und den Markt entscheiden lassen sollte.

CW: Noch einmal zu Microsoft: Glauben Sie, daß die Gates-Company in das Geschäft mit betriebswirtschaftlicher Standardsoftware einsteigen wird?

Wang: Microsoft bietet mit Windows NT eine Plattform an, für die Leute Applikationen entwickeln. Ein Anwendungspaket dafür ist natürlich "Back Office". Bill Gates nun wird jedem erzählen, daß alles auf Windows laufen sollte. Ich denke aber, daß Microsoft den Enterprise-Resource-Planning-Markt nicht angehen wird.

CW: Wie sieht es mit IBM aus? Drängt sie erneut in den ERP-Markt?

Wang: IBMs Geschäftsmodell baut darauf auf, ihre Service-Aktivitäten maximal zu unterstützen. Sowohl das Hardware- als auch das Softwaregeschäft der IBM sind rückläufig. Deshalb ist für Big Blue das Dienstleistungsgeschäft sehr wichtig. Das ERP-Geschäft ist zudem sehr serviceintensiv. Deshalb glaube ich, daß IBM nur zu gerne das ERP-Feld beackern würde. Aber ich weiß nicht, ob IBM das noch einmal schafft.

CW: Was halten Sie eigentlich von Java und insbesondere von der Aussage vieler Java-Befürworter, hier handle es sich um eine Plattform, mit der Anwendungen nur einmal entwickelt werden müssen, um sie in jeder beliebigen Umgebung laufen zu lassen?

Wang: Ob der Anspruch "Write once run everywhere" jemals verwirklicht wird, kann ich nicht sagen. Ähnlich den Erfahrungen mit Cobol seinerzeit kann man aber auch bei Java davon ausgehen, daß es eine harte Auseinandersetzung zwischen den diversen Hardware-Anbietern darüber geben wird, was Java ist und was etwa eine Java Virtual Machine. Sie bieten nämlich alle ganz unterschiedliche JVMs an. Da wiederholt sich die Problematik, die wir schon von Cobol, von Unix und von den 3GL-Sprachen her kennen. Alle Hardware-Anbieter wie etwa IBM oder HP wollen sich doch mit ihrem jeweiligen Produkt voneinander unterscheiden. Und eine Möglichkeit bietet hierbei das Betriebssystem. Mit Java wird es deshalb so ausgehen, daß jeder von einem Java-Standard redet, aber dazu sagt: "Mein Java-Standard ist besser als deiner." Man muß allerdings auch sagen, daß wir dem Anspruch einer auf allen Plattformen verfügbaren Technologie mit Java doch ein gutes Stück näher gekommen sind. Viel Hardware unterstützt Java, wohingegen Visual Basic nur in Windows-Umgebungen läuft. Aber ich würde mir wünschen, daß man diverse Java-Anwendungen immer nur für verschiedene Plattformen rekompilieren müßte.

CW: CA hat eine ganze Menge an Technologie durch Zukäufe erworben. Gibt es auch welche, auf die Sie hätten verzichten können?

Wang: (lacht): Naja, nachher ist man ja immer schlauer. Und oft verstehen Außenstehende den Sinn einer Akquisition auch nicht. Wenn Sie also nach einer Technologie fragen, die uns nichts gebracht hat, so gab es da nur eine einzige: ein Paket für Rechtsanwaltsbüros. Bei uns hieß die Software "CA-Lawfirm". Bei der haben wir den größten Teil unserer Zeit nicht darauf verwendet, sie bei Anwälten zu installieren, sondern darauf, mit den Anwälten die Konditionen für die Software auszuhandeln. Glücklicherweise sind wir die aber wieder losgeworden. Diese Technologie haben wir nach weniger als einem Jahr wieder verkauft und jeder hier sagte: "Oh Mann, was haben wir da für einen Mist gemacht!"

CW: Wie beurteilen Sie heute Ihren Versuch, Computer Sciences Corp. zu übernehmen?

Wang: Nun, wir haben aus dieser Sache gelernt. Als mir klar wurde, daß der CEO von CSC in der Öffentlichkeit Verhandlungen mit mir bestritt, obwohl die natürlich stattgefunden hatten, wußte ich, daß wir nie zusammenkommen würden.