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10.05.1991

Das Spiel des Jahres: Windows gegen OS2!

Obwohl die Lage im Bereich der heutigen Betriebssystem-Software für die Anwender schon unübersichtlich genug ist, steht uns bereits eine weitere große Verwirrung ins Haus. Wer zur Zeit in Systeme der Laptop und Desktop-Klasse investiert, kann vor lauter Vergleichen zwischen DOS, Windows, OS/2 und Unix, die allesamt vorgeben, eine Antwort auf die Frage nach dem besseren, wirtschaftlicheren und zukunftsträchtigeren Betriebssystem zu bieten, kaum noch klar denken.

Meiner Meinung nach stammen die meisten Äußerungen zu diesem Thema von lächerlichen Einfaltspinseln, inkompetenten Schwätzern oder gedungenen Schreiberlingen, deren Meinung so käuflich ist wie das Grinsen eines Kellners, von Leuten also, deren einziger Draht zur Computertechnologie in der Bedienung ihrer Textverarbeitungsprogramme liegt. Die von ihnen betriebene Verzerrung der Tatsachen wäre lachhaft, wenn nicht so viele Anwendung unter diesen Desinformationen zu leiden hätten.

Autoren, die zu wissen scheinen, wovon sie reden, sind selten und schwer zu finden. Ihre Beiträge verstecken sich oft in angeblich seriösen Medien unter irreführenden Überschriften wie "SO/2 meuchlings erdolcht", "Windows weg vom Fenster" oder "Unix bei Hofe eingeführt". Dies entspricht den altbekannten zynischen Gepflogenheiten des Verlagswesens, nach denen sich Sensationen besser verkaufen als Fakten.

Kenner der Materie Assenc sich durch solchen Theaterdonner nicht verschrecken. DV-Manager, die ständig unter Entscheidungsdruck stehen, fallen allerdings nur zu oft darauf herein.

Die Argumente die für gegen die Lebensfähigkeit von OS/2 ins Feld geführt werden, sind schlichtweg unsinnig. Mit der Zeit stellt sich OS/2 als die einzige stabile Plattform heraus, die das Vertrauen der Anwender verdient. Noch vor wenigen Monaten waren die Medien voll von Voraussagen, nach denen Unix OS/2 den Garaus machen würde. Neue Unix-Standards wurden mit dem Tam-Tam eines Wahlkampfs eingeführt. Das gegnerische OS/2 wurde von einer Gruppe begeisterter und schadenfroher Unix-Anhänger für tot erklärt. Dabei spielte es keine Rolle, daß sie gar nicht so genau wußten, was sie eigentlich unterstützten. Sie wußten jedenfalls genau, daß es besser war als OS/2. Heute sind diese Leute immer noch keinen Schritt weitere denn die Unix-Versionen vermehren sich wie Karnickel im Frühling.

Inzwischen ist Unix als Ursache des unvermeidlichen Dahinscheidens von OS/2 in den Hintergrund getreten; heute müssen wir uns sagen lassen, daß das "wiederauferstandene" Windows das Schicksal von OS/2 besiedeln wird. Dabei wird meistens vergessen, daß Windows schon fast so alt ist wie DOS und - wie Unix - einige inkompatible Versionen hervorgebracht hat. Zur Zeit wird an Windows-Konventionen gearbeitet, die stark an die unrühmlich gescheiterten feierlichen Proklamationen einheitlicher Unix-Normen aus grau er Vorzeit (oder war das erst vor ein paar Monaten?) erinnern. Hinz und Kunz haben Windows im Angebot - anscheinend gibt es kein Entkommen.

Der Anwender kann in dieser Lage nicht umhin, sich Gedanken über die Zukunftssicherheit von Windows zu machen. Vielleicht bin ich der erste, der es auszusprechen wagt. Ich glaube nicht, daß Windows in seiner heutigen Form (oder besser in seinen heutigen Formen) lange überleben wird. Machen wir uns klar, daß sich Produkte, die so agressiv vermerktet werden, selten lange am Markt überleben. Weihnachten und Neujahr müßten schon auf einen Tag fallen, bevor ich meine DV durchgehend von derartigen Produkten abhängig machen würde. Dies gilt in gleich Maße für Unix.

Wie ich die Sache sehe, kommen IBM und Microsoft angesichts der Windows-OS/2-Kontroverse vor Lachen kaum noch zum Geldzählen. Wir erleben hier allen Ernstes ein klassisches Beispiel für die Aufteilung eines Marktes. Ich rede nicht von einem bis in alle Einzelheiten abgekarteten Spiel - das hieße wohl, beide Firmen zu überschätzen. Verfolgt man aber die bisherige Entwicklung dieser Familiensaga, muß man früher oder später zugeben, daß das Drehbuch willkürlich oder unwillkürlich nicht besser sein könnte.

Daß beide Firmen schon lange zusammenarbeiten, steht außer Frage. Daß eine epochale Software-Entwicklung wie MS-DOS ohne jeden Kopierschutz freigegeben wurde, ist ein sicheres Indiz dafür, daß es sich dabei um eine von Microsoft inszenierte und von IBM gesponserte Veranstaltung handelt. Obwohl man davon ausgehen kann, daß die Wirklichkeit komplexer ist, liegt hier des Pudels Kein.

Das gleiche gilt für alle anderen Auftritte ungeschützter Software in verschiedenen Erscheinungsformen, auf die hier aus Platzgründen nicht näher eingegangen werden soll. Software fördert den Absatz von Hardware und immer neuer Software, keine von beiden kann ohne den Widerpart leben.

Daß OS/2 von IBM und Microsoft gemeinsam finanziert wurde, ist bekannt. Auch ohne intimere Detailkenntnisse wäre man nicht überrascht zu erfahren, daß der Löwenanteil dabei von der größeren der beiden Firmen getragen wurde. Daß OS/2 gegenüber DOS beim effektiven Einsatz der heutigen kleinen Hochleistungscomputer einen Quantensprung darstellt, ist ebenfalls kein Geheimnis.

Welche Rolle spielt dann Windows? Manche Anwender sind noch nicht bereit für diesen Quantensprung und benutzen daher Windows als Trittbrett. Es fällt auf daß sich die aktuelle Windows-Version von Microsoft und der OS/2 Presentation Manager von IBM in vielen Punkten gleichen. Hierin liegt die Antwort auf die Frage, was es mit Windows eigentlich auf sich hat. Niemand behauptet, daß die Anwendung von OS/2 so einfach ist wie die von DOS. Ein Porsche 959 ist schließlich nicht so leicht zufahren wie ein Golf, aber was wäre Ihnen auf einer leeren Autobahn lieber? Gut, wenn Sie sich den Porsche noch nicht zutrauen, versuchen Sie es Zuerst mit einem BMW.

Windows ist wie die Weiterentwicklungen von DOS eine Brücke für dienten unter uns, die auf dem Weg zu neuen Ufern, an denen Milch und Honig fließen, keine nassen Füße bekommen wollen. Die Markteinführung einer umwälzenden Neuerung wie OS/2 durch zwei Firmen ist sicher nicht einfach. Angesichts der vielen Tinte, die über angebliche Streitigkeiten zwischen Microsoft und IBM schon vergossen wurde, haben die beiden ihre Sache meines Erachtens bis jetzt bemerkenswert gut gemacht.

Obwohl ich natürlich nicht hinter die Kulissen der Geschäftsbeziehung zwischen IBM und Microsoft sehen kann, fällt es mir leicht, mir eine Besprechung vorzustellen, in der der große Partner zum kleineren sagte: "Bau Du einen Brückenkopf, den Rest

erobere ich."

"Kein Problem", antwortete Bill Gates von Microsoft, aber wie erklären wir unseren Kurs?" "Ganz einfach, meinte IBM, "- mach' sie erst einmal mit Brücken vertraut. "Wie wär's mit Windows?" fragte Gates. Darauf IBM. "O.K., nenn' es, wie du willst."